WÜRZBURG

Ausstellung: „Das Innerste nach Außen“

Eine Ode an die Wunder der Schöpfung – so versteht Mieke de Waal ihre großformatigen Kimonos, die derzeit im Siebold-Museum gezeigt werden. Neben der Künstlerin Udo Beireis (links) und Andreas Mettenleiter von der Siebold-Gesellschaft. Foto: FOTO Siebold-Gesellschaft

Kimonos haben es der niederländischen Künstlerin Mieke de Waal angetan: Die klassischen japanischen Kleidungsstücke verbinden eine schlichte Form mit einer vielseitig gestaltungsfähigen Oberfläche. Eine Auswahl solcher phantasievoll gestalteten Kimonos ist derzeit im Siebold-Museum in der Frankfurter Straße zu sehen.

Leinen, alle Arten von Stoffen, aber auch alte Schullandkarten sind das Grundmaterial, aus der die promovierte Anthropologin und Kunsthochschul-Absolventin ihre großformatigen Werke „schneidert“ und anschließend bemalt. Die hier gezeigten, im Laufe der letzten fünfzehn Jahren entstandenen „Kimonos“ sind natürlich nicht als Kleidungsstück zum Tragen gedacht, sondern dienen – an Bambusstangen fast freischwebend aufgehängt – als eindrucksvolle Bildträger.

Urwald und Tiefsee

Denn jedes der als „soft sculptures“ bezeichneten Werke weiß auf seiner Oberfläche eine eigene Geschichte zu erzählen: Die Wunder der Schöpfung wie Urwald und Tiefsee mit ihrer überreichen Tier- und Pflanzenwelt, Werden und Vergehen, wie sie die Kirschblüte verkörpert, der menschliche Körper, aber auch Fernweh und Seereisen, wie sie Philipp Franz von Siebold unternommen hat, werden zum Thema solcher Schilderungen.

Reizvoll ist für Mieke de Waal natürlich außerdem, dass Kimonos als Kleidungsstücke den Körper umhüllen wie eine zweite Haut: Gaze und Tüll erlauben Einblicke in das Körperinnere; manchmal holt die Künstlerin das unter der Oberfläche verborgene sogar direkt an die Kimonooberfläche und kehrt dabei ganz sinnbildlich „das Innerste nach Außen“. Ein anderer Kimono, mit einer Oberfläche aus Ginkgo-Blättern, umgibt schützend wie unsere Schädeldecke das Gehirn.

Die hohen, weiten Räume im ersten Obergeschoss des Siebold-Museums geben den scheinbar schwerelos aufgehängten großen Farbflächen der „soft sculptures“ genügend Luft zum Atmen: Die meisten Kunstwerke sind von allen Seiten frei zugänglich und werden durch die raffinierte Lichttechnik optimal ausgeleuchtet. So entsteht eine ganz eigenartige, faszinierende Atmosphäre.

Siebolds Reisen

Viele der Kimonos weisen Bezüge zum Leben und Wirken des Japanforschers Philipp Franz von Siebold und seinen Reisen auf. Für die Würzburger Ausstellung hat sich die Künstlerin etwas Besonders einfallen lassen: Bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag wurde eine Skulptur enthüllt, die durch Wilhelm Röntgens bedeutende Würzburger Entdeckung inspiriert ist. Und auch dieses Werk greift natürlich auf seine Weise das Motto: „Das Innerste nach Außen“ auf.

Die Ausstellung ist täglich außer Montag von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr im Siebold-Palais in der Frankfurter Straße 87 zu sehen.

Schlagworte

  • Würzburg
  • Kimonos
  • Philipp Franz von Siebold
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!