WÜRZBURG

Ausstellung in der BBK-Galerie: „Da wo das Auge ruht“

Ana Laibach, „Bollenhut“. Mischtechnik auf Leinwand.
Ana Laibach, „Bollenhut“. Mischtechnik auf Leinwand. Foto: K. Tschirwitz

Es ist das Leben mit all seinen tragikomischen Facetten, das Ana Laibach an- und umtreibt. Für die 1966 in Braunschweig geborene Künstlerin sind Humor und Ernst zwei Seiten der selben Medaille. Unter dem Titel „Da wo das Auge ruht“ zeigt sie in der BBK-Galerie bis 17. Juli Gemälde, Drucke und Laminiertes.

In ihrem Mannheimer Atelier (dem „Blumenfressersalon“) malt und zeichnet Laibach Figuren, denen das Lächeln schwer fällt. Oft sind es Kinder, die – fast erdrückt von übergroßen Hüten oder flankiert von skurrilem Getier – dem Betrachter unverwandt entgegenblicken. Sie stehen in Zirkusarenen und haben nicht selten ein Schwein an ihrer Seite, mal als Reittier, mal auf Rädern, mal mit Hütchen. „Meine Brüder haben früher ein Pferd bekommen, ich wollte unbedingt ein Schwein“, erklärt Laibach.

Laminierte Insekten auf rosa Transparentpapier mischen sich zwischen ironisch gebrochene Monotypie-Drucke – darunter „Martin und Martin“, ein Junge mit Gans auf dem Kopf. „Es gab da mal eine Fliege, die mir sympathisch war, aber plötzlich starb. Um sie zu konservieren, habe ich sie laminiert“, so Laibach. In ihrer neuen Umgebung wirken die platt gedrückten Insekten unerwartet zärtlich und fragil: Ein Schmetterling hat Flügelstaub, eine Fliege ein Beinchen verloren. Zwei Kopf an Kopf platzierte Fliegen untertitelt Laibach in Schreibmaschinenschrift mit „Stunde des Herzklopfens“ – und verleiht der Collage so die Optik eines altmodischen Täter-Steckbriefs.

Dominiert wird der Raum von einem 15 Meter langen Wandvlies, das (ob gewollt oder nicht) in Format, Farbe und Inhalt deutlich an Picassos Jahrhundertgemälde „Guernica“ erinnert. Laibachs Vexierbild thematisiert Vernichtung und Gewalt in scharfem Schwarz-Weiß-Kontrast: Die sich gegenseitig bedingenden Farbflächen schaffen Soldaten und Ungeheuer, dazwischen abgeschlagene Köpfe, Totenschädel und weit aufgerissene Münder. Das Brutale erschließt sich erst nach und nach, auf den ersten Blick wirkt das Werk comichaft und unterhaltsam. Starkfarbige Akzente setzen Gemälde wie der „Großindustrielle in der Ankleide“, ein cholerischer Unsympath auf neongrünem Grund, oder das rote Bild „Bollenhut“, eine aggressiv-bedrohliche Hommage an die Schwarzwälder Traditionstracht.

Das kraftvolle, monochrom blaue Bild „Anleitung zum Raketenbau“ wird flankiert von Szenen des alltäglichen Lebens, abgebildet auf sechs mit Ölfarbe bearbeiteten Monotypien. „Mutti mag sich“ ist das Motiv des Ausstellungsflyers: Unter den skeptischen Blicken eines Kinderpaars fotografiert eine füllige Frau mit Brille ihr nacktes Spiegelbild. Das muss man zumindest vermuten, denn der Betrachter steht genau dort, wo auch der Spiegel wäre. „Erregte Langeweile“ zeigt einen halbnackten Jüngling auf der Parkbank, der lässig seine Erektion präsentiert. Die weiße Gans neben ihm reckt den Hals auf ähnliche Weise in die Luft. Das ist scham-, aber nicht geschmacklos, und zweifellos ziemlich lustig. Blättert man dann noch in den zwei ausliegenden Zeichenbüchern, kann man sich von Laibachs pointiert ironischen Betrachtungen kaum mehr losreißen.

BBK-Galerie: Freitag und Samstag 15 bis 20 Uhr, Sonntag 11 bis18 Uhr.

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