Veitshöchheim

Ausstellung von Kunstschülern des Gymnasiums Veitshöchheim

Höchst sehenswert ist auch die farbenprächtige Bilderreihe von Lilli Vogel zu den Geschichten der Tora "Wasser" (Sintflut bei Noah), "Feuer" (Offenbarung am Dornenbusch an Mose), "Himmel" (Geschichte von Abraham und seinen Kindern) und "Erde" (Wüstenwanderung der Israeliten unter Mose). Foto: Dieter Gürz

Die Kunstlehrerin des Gymnasiums Veitshöchheim, Studiendirektorin Britta Habersack, startete nach der Ausstellung "Lieber Vater Abraham ..." im Oktober 2017 mit ihrem P-Seminar erneut ein Kunstprojekt in Zusammenarbeit mit der gemeindlichen Kulturreferentin Dr. Martina Edelmann im Jüdischen Kulturmuseum (JKM) der Gemeinde Veitshöchheim.

Nun unter dem Titel "Verarbeitung" haben sich drei Schüler und acht Schülerinnen der Q 11 ab Beginn des Schuljahres im September 2018  intensiv mit einem Aspekt der jüdischen Kultur, Religion und  Geschichte beschäftigt und mit verschiedenen künstlerischen Medien auf die vorhandenen Exponate reagiert. So entstanden, inspiriert von Exponaten des Museums Kunstwerke von Malerei, Zeichnung, Installation, Video, Objekt über Schrift, Collage, Modellbau, Tiefdruck bis hin zu Pappmachefiguren, Keramik und Mosaik.

Sarafina Schenk griff mit ausgewählten Bibelstellen aus dem Alten Testament, aufgeklebt auf ihre Geige, die jüdische Musik und die Gemeinsamkeiten von zwei Weltreligionen auf. Foto: Dieter Gürz

Inzwischen in der Q 12 angekommen präsentierten die jungen Künstler nun im JKM bei der Vernissage ihre Arbeiten der Öffentlichkeit. Der P-Seminar-Teilnehmer Johannes Knorr umrahmte die Vernissage musikalisch mit "Allemande" und "Courante" aus der Cello Suite von J.S. Bach. Alle Besucher waren eingeladen, sich am Buffet mit koscheren und nicht koscheren Snacks zu bedienen und es gab auch koscheren Wein.

Die jungen Künstler (von links): Leonie Hoffmann, Maria Gryaznova, Lina Friederich, Vincent Katzenberger, Paul Buchholz, Anabel Hoyer, Sarah Mona Hassine, Johannes Knorr, Victoria Lesmeister, Lilli Vogel und Sarafina Schenk Foto: Dieter Gürz

Nach den Worten des 3. Bürgermeisters Elmar Knorz zeigt die Ausstellung, dass es zusätzlich zu dem, was im Museum dargestellt wird, immer wieder andere Blickwinkel, Sichtweisen und Interpretationen gibt.

Kein Foto gibt es von dem jüdischen Kaufmannssohn Simon Höchheimer, der 1744 in Veitshöchheim geboren wurde. Lina Friedrich füllte seine Silhouette mit Daten und würdigte in einer Collage von Texten das Wirken des Mediziners und religiösen Aufklärers für die Gleichstellung der Juden. Foto: Dieter Gürz

Dr. Bernhard Brunner, der ständige Stellvertreter des Schulleiters, findet es angesichts des sprunghaften Anstiegs an antijüdischen, antisemitischen Äußerungen und Taten wichtig, dass sich junge Menschen auf offene Weise mit dem Judentum beschäftigen und so eigene Perspektiven und Einsichten gewinnen.

Paul Buchholz kreierte als raumgreifendes Objekt eine offen gestaltete architektonische Skulptur aus Pappe und Holz, die interpretatorisch die Jüdische Gemeinschaft darstellen soll. Foto: Dieter Gürz

Beeindruckender Film

Betroffenheit löste der von Vincent Katzenberger gedrehte Film "Hunger" aus. Er hatte zwei Zeitzeugen der NS-Zeit befragt und aufwühlend die "Verdrängung des Leids" mit von ihm produzierter Musik, von einem abgemagerten  Freund theatralisch in Szene gesetzt vor einer Malerei, welches die Leiden im zweiten Weltkrieg abbildet.

Besonders beeindrucken die von allen elf Schülern jeweils gefertigten Kreidezeichnungen auf Papier mit Portraits ehemaliger Veitshöchheimer Juden an den Wänden des Synagogenraumes. Kein Foto gibt es von dem jüdischen Kaufmannssohn Simon Höchheimer, der 1744 in Veitshöchheim geboren wurde. Lina Friedrich füllte seine Silhouette mit Daten und würdigte in einer Collage von Texten das Wirken des Mediziners und religiösen Aufklärers für die Gleichstellung der Juden.

Bibelstellen auf der Geige

Im spartanisch wirkenden Eröffnungsraum des JKM erregten die von Leonie Hoffmann platzierten beiden lebensgroßen Pappmaché-Figuren sofort das Interesse der Besucher. Sarafina Schenk griff mit ausgewählten Bibelstellen aus dem Alten Testament, aufgeklebt auf ihre Geige, die jüdische Musik und die Gemeinsamkeiten von zwei Weltreligionen auf.

Aus Ton gebrannt hat Sarah Mona Hassine einen Channukkia-Leuchter und eine Challa, ein geflochtenes Weißbrot. Foto: Dieter Gürz

Architektonische Skulptur

Aus Ton gebrannt hat Sarah Mona Hassine einen Channukkia-Leuchter und eine Challa, ein geflochtenes Weißbrot. Paul Buchholz kreierte als raumgreifendes Objekt eine offen gestaltete architektonische Skulptur aus Pappe und Holz, die interpretatorisch die Jüdische Gemeinschaft darstellt.

Victoria Lesmeister wählte das Mosaik als Gestaltungsform, eine schon im Altertum bekannte und beliebte Gattung der bildenden Künste, die auch in der jüdischen Kunst eine große Bedeutung erlangte. Foto: Dieter Gürz

"Zusammenspiel von Natur und Stein" nennt Maria Gryaznova ihre Kunstwerkserie zum jüdischen Friedhof in Würzburg in Acrylmalerei  und Pastellzeichnungen. Victoria Lesmeister wählte das Mosaik als Gestaltungsform, eine schon im Altertum bekannte und beliebte Gattung der bildenden Künste, die auch in der jüdischen Kunst eine große Bedeutung erlangte.

Farbenprächtige Bilderreihe

Höchst sehenswert ist auch die farbenprächtige Bilderreihe von Lilli Vogel zu den Geschichten der Tora "Wasser" (Sintflut bei Noah), "Feuer" (Offenbarung am Dornenbusch an Mose), "Himmel" (Geschichte von Abraham und seinen Kindern) und "Erde" (Wüstenwanderung der Israeliten unter Mose). Anabel Hoyer offenbarte mit ihren in einem alten Koffer abgelegten Dingen, dass in Zeiten des Internets eine Genisa nicht notwendig ist.

"Zusammenspiel von Natur und Stein" nennt Maria Gryaznova ihre Kunstwerkserie zum jüdischen Friedhof in Würzburg in Acrylmalerei  und Pastellzeichnungen. Foto: Dieter Gürz
Im spartanisch wirkenden Eröffnungsraum des JKM erregten die von Leonie Hoffmann platzierten beiden lebensgroßen Pappmaché-Figuren sofort das Interesse der Besucher. Während die rechte Figur angesichts des Holocaust die Ohren zuhält, strahlt die linke Figur die positive Aufbruchstimmung  nach der Neugründung des Staates Israel im Jahr 1948 aus,  die eine Rückkehr von Juden in das „Gelobte Land“ ermöglichte. Foto: Dieter Gürz
Einen Bezug zu seiner Musik stellte Johannes Knorr mit den bunten Farben seines etwas aus dem Rahmen fallenden großformatigen  Acryl-Gemälde her, indem er sich der unmittelbaren und dynamischen Maltechnik des Action Painting bediente. Foto: Dieter Gürz
Anabel Hoyer offenbarte mit ihren in einem alten Koffer abgelegten Dingen, dass in Zeiten des Internets eine Genisa nicht notwendig ist. Foto: Dieter Gürz
Links malte Leonie Hoffmann das Portrait von  Julius Freudenberger (1880-1942), deportiert nach Krasniczyn, Polen – und rechts Anabel Hoyer ein Portrait von Heinrich Klein (1898-1942), deportiert nach Jungfernhof (Riga) in Lettland. Foto: Dieter Gürz

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