Würzburg

Autofreier Samstag: Entschleunigung mitten auf der Straße

Zahlreiche Menschen besuchen bei milden Spätsommertemperaturen den zweiten „Freiwilligen Autofreien Tag Würzburg“ zwischen Willy- Brand-Kai und Oberem Mainkai. Foto: Patty Varasano

Spielende Kinder überall, viele Menschen ganz entspannt zu Fuß oder auf dem Fahrrad unterwegs, ein bisschen Musik hier und da, kein Auto weit und breit: Das ist an vielen Stellen entlang des Mainufers an Tagen mit schönem Wetter kein seltenes Bild. Ungewöhnlich war an einem herrlichen Spätsommer-Samstag nur der Ort: Auf dem Mainkai zwischen Alter Mainbrücke und Löwenbrücke haben geschätzt mehrere tausend Menschen am zweiten autofreien Tag teilgenommen.

Es fühlt sich zunächst etwas ungewohnt an, mitten auf einer Straße zu flanieren, die aufgrund ihrer Nähe zur Innenstadt sonst eine viel befahrene Pkw-Verkehrsachse ist. Das ungewohnte Gefühl legt sich aber schnell beim Anblick von Menschen, die mitten auf der Fahrspur Tischtennis spielen, ein südamerikanisches Tänzchen auf den Asphalt legen oder einfach nur zusammensitzen und sich unterhalten. Und obwohl deutlich mehr los war als bei der Premiere des autofreien Tages im vergangenen Jahr, war die Stimmung der Menschen überall völlig entspannt. Fahrradkurier Chaminda Perera, Initiator des autofreien Tages, war am späten Nachmittag sehr zufrieden damit, was aus seiner Initiative geworden ist: "Es ist für mich eine grenzenlose Freude zu sehen, dass so viele Menschen diese Idee feiern und teilen."

Autofreie Fläche war doppelt so groß wie im letzten Jahr

Entschleunigung war das Motto des Tages: Die Straße war von der Einfahrt zum Wöhrl-Parkhaus bis zur Zufahrt zu den Stellplätzen unterhalb der Löwenbrücke komplett für den motorisierten Verkehr gesperrt – die autofreie Fläche war damit in diesem Jahr ungefähr doppelt so groß wie 2018. Leichte Verkehrsbehinderungen durch die Sperrung gab es allenfalls für kurze Zeit am Vormittag für Autofahrer, die wie jeden Samstag aus den Stadtteilen und der Region in die Stadt kamen.

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Autofreier Samstag

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Davon war am Mainkai aber nichts zu spüren, und das hatte nicht nur den Vorteil, dass auf einmal ganz viel Platz da war für Aktivitäten, die sonst nur im Ringpark, am Mainufer oder auf Spielplätzen möglich sind. "Es ist so ruhig", stellte Bas Bergervoet am Nachmittag fest. Im Heimatland des gebürtigen Holländers ist es ganz normal, dass das Auto im Straßenverkehr die zweite Geige spielt. "Aber ganz ohne Autos ist es noch schöner. Das könnte man eigentlich jede Woche machen", sagte Bergervoet. Er ist einer der Sprecher des Verkehrswende-Bündnisses, das zu einer Fahrrad-Sternfahrt aus allen Himmelsrichtungen an den Mainkai aufgerufen hatte. Mehrere hundert Radelnde nahmen teil.

Zwei Stadtratsfraktionen waren mit ihren OB-Kandidaten mit einem Stand vertreten

Wie viel Raum ein Pkw braucht, der im Schnitt weniger als 1,5 Personen befördert, zeigte Greenpeace auf der Straße durch zwei Holzgestelle. Ein Luxus-Elektroauto der Marke "Tesla X" ist zum Beispiel rund fünf Meter lang und zwei Meter breit – das sind ziemlich genau zehn Quadratmeter und damit mehr, als so manches deutsche Kinderzimmer hat.

Wie viel Raum ein Pkw braucht, der im Schnitt weniger als 1,5 Personen befördert, zeigte Greenpeace auf der Straße durch... Foto: Patty Varasano

Zwei Stadtratsfraktionen – die Grüne und die Linke – waren mit ihren OB-Kandidaten beim autofreien Samstag mit einem Stand vertreten. Sebastian Roth, OB-Kandidat der Linkspartei, nutzte die Fahrrad-Versteigerung mit Auktionator Harald Gilz-Thein und ersteigerte zwei gebrauchte Drahtesel aus dem Fundbüro der Stadt und der Asservatenkammer der Polizei zum günstigen Preis.

VCD und ADFC informierten über Alternativen zum Auto

Passend zur Veranstaltung informierten VCD und ADFC über Alternativen zum Auto. Das Bündnis Verkehrswende sammelte weiter Unterschriften für den Radentscheid, obwohl Oberbürgermeister Christian Schuchardt die Forderungen bereits am Donnerstag ohne Änderungen in einen formellen Stadtratsbeschluss umwandeln möchte.

Hans-Jürgen Beck, Sprecher der AG Radverkehr der lokalen Agenda 21, begrüßte Schuchardts Initiative: "Wir freuen uns, dass die Forderungen eins zu eins übernommen werden sollen. Das wäre der schnellste erfolgreiche Radentscheid aller Zeiten. Wir hoffen, dass sie dann auch konsequent umgesetzt werden." Dass es im kommenden Jahr wieder einen autofreien Tag am Mainkai geben wird, steht bereits fest – die Besucher wünschen sich mehr davon: "Viele Besucher haben den Wunsch geäußert, das öfter zu machen", berichtete Chaminda Perera.

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