WÜRZBURG

Axt-Attentäter bleibt rätselhaft

Attacke in Regionalzug
Reste von Absperrband nach der Spurensicherung: So sah es nach dem Attentat im Regionalzug von Treuchtlingen nach Würzburg an der Strecke bei Heidingsfeld aus. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Auch einen Monat nach dem Axt-Attentat ist einer der vier chinesischen Schwerverletzten nicht außer Lebensgefahr. Das bestätigte der ärztliche Direktor der Würzburger Uni-Klinik Georg Ertl auf Anfrage dieser Redaktion. Der 30-Jährige sei noch im künstlichen Koma, werde aber langsam aufgeweckt.

Der junge Mann war mit seiner Freundin und deren Eltern bei dem Axt-Attentat vom 18. Juli schwer verletzt worden. Die 58-jährige Mutter der Urlauberfamilie aus Hongkong, der 62-jährige Vater und die 26-jährige Tochter sind außer Lebensgefahr. Auch die 51-jährige Spaziergängerin aus Heidingsfeld, die der Täter auf seiner Flucht angegriffen und verletzt hatte, wurde bereits vor einiger Zeit aus der Klinik entlassen. „Es geht ihr den Umständen entsprechend gut“, teilte die Stadt Würzburg, bei der die 51-Jährige arbeitet, auf Anfrage mit.

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Der Genesungsprozess verlaufe bei allen entsprechend der Schwere der Verletzungen. Den meisten gehe es zumindest körperlich besser, so Ertl. Die seelischen Verletzungen seien weiter zu verfolgen. Die Familie wird nach wie vor medizinisch und psychologisch betreut.

Auch die chinesische Regierung kümmert sich um die Familie in Würzburg. Es seien dauerhaft Personen da, die sich um die Opfer kümmern, so Ertl. „Alle sind extrem dankbar, dass die Patienten so hervorragend versorgt werden.“

Zugleich mache man sich seitens des chinesischen Konsulats als auch auf Seite der deutschen Politik Gedanken über die Zukunft der Patienten. Denn auch nach einer Rückkehr wird die Familie nicht einfach an ihr vorheriges Leben anknüpfen können. Zu schwer wiegen die psychischen Belastungen, die Folgeschäden der gravierenden Verletzungen. Dabei habe die chinesische Generalkonsulin in München Mao Jingqiu vorgeschlagen, dass die Bundesrepublik Deutschland die finanzielle Entschädigung der Opfer ausgleichen müsse. Eine entsprechende Anfrage der Redaktion dazu blieb bislang unbeantwortet.

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Amoklauf Würzburg

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Um den Aufenthalt der Angehörigen, die derzeit in Würzburg sind, zu finanzieren, hat die „Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft“ aus Würzburg ein Spendenkonto eingerichtet. Angereist sind Mutter und Schwester des Schwerverletzten. Letztere will so lange bleiben, bis ihr Bruder mit ihr nach Hause fliegen kann. Sie wird sich auf einen längeren Aufenthalt einstellen müssen. „Bis zur Rückkehr nach China dauert es noch Wochen“, sagt Ertl, „mindestens.“

Indessen tragen die Ermittler weiter Puzzleteil um Puzzleteil zu Riaz Khan Ahmadzai zusammen. Dem US-Geheimdienst NSA gelang, was der Bundesnachrichtendienst vorher vergeblich versucht hatte: Den US-Profis war die Entzifferung des Chat-Verkehrs im Handy des Axt-Attentäters gelungen. Über eine saudi-arabische Telefonkarte hatte die Terrormiliz Islamischer Staat mit dem 17-Jährigen Kontakt gehabt.

Zweifel gibt es aufgrund der Sprache im Bekennervideo daran, ob der junge Mann aus Afghanistan stammte. Im Vorfeld der Tat soll es auch Zweifel gegeben haben, ob er erst 17 Jahre alt war und ob seine Angaben über traumatische Erlebnisse stimmen. Personen, die ihn betreuten, wussten davon auf Nachfrage nichts.

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Amoklauf in Würzburg-Heidingsfeld

Hinweise auf das Alter von Riaz Khan Ahmadzai könnte die Obduktion in der Rechtsmedizin ergeben haben, Hinweise auf seine Herkunft die Isotopen-Analyse. Aber die Bundesanwaltschaft wollte sich am Mittwoch nicht dazu äußern, ob sie solche gezielte Prüfungen in Auftrag gegeben hat und welche Ergebnisse sie ergaben. „Selbstverständlich wollen wir so viel wie möglich über die Person herausfinden,“ sagte Sprecherin Frauke Köhler. „Aber wir sind mit unseren Ermittlungen noch nicht durch. Wir wollen das nicht scheibchenweise verkünden.“

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