REGION WÜRZBURG

B 19-Ausbau: Staus und Blechlawinen befürchtet

Ortsdurchfahrt Unterpleichfeld ab Dienstag für Monate komplett gesperrt
Landrat Nuß möchte die Gemeinden Unterpleichfeld, Bergtheim und Opferbaum entlasten Foto: Irene Konrad

Komplett für den Verkehr gesperrt wird für über ein halbes Jahr, nach Pfingsten, ab Dienstag, 26. Mai, morgens um 7 Uhr in Unterpleichfeld die Ortsdurchfahrt. Es ist der Beginn des ersten Bauabschnitts einer umfangreichen Maßnahme für Straßen- und Kanalarbeiten auf der Bundesstraße 19. Ende Juni soll es dann auch in Bergtheim losgehen mit dem Straßenausbau, ebenfalls mit einer Vollsperrung der B 19.

Gelassen sehen das nur die unmittelbaren Anwohner. „Schlimmer als jetzt mit dem hohen Verkehrsaufkommen kann es nicht werden“, zuckt die hochbetagte Ella Sauer ob des bevorstehenden Baulärms die Schultern und meint damit die Sanierung der Brücke über die Pleichach, den barrierefreien Umbau der Bushaltestelle vor ihrem Haus, die Erneuerung der Kanal- und Wasserleitungen und den Ausbau der Gehwege. Sanierungen seien immer nötig, und wenn die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer verbessert wird, sei das doch zu begrüßen.

„Wir fürchten, dass es ein Verkehrschaos gibt.“
Birgit Börger, Bürgermeisterin in Prosselsheim

Kopfzerbrechen machen sich eher die Bewohner und Bürgermeister jener Gemeinden, die an der großräumigen Umleitung liegen. Von Würzburg kommend beginnt die bereits etwa einen Kilometer vor Unterpleichfeld und führt über die Staatsstraßen 2260 und 2270 an Kürnach und Seligenstadt vorbei nach Prosselsheim und von dort über Püssensheim und Dipbach zurück nach Bergtheim. Etwa zehn Kilometer Umweg kommen da zusammen.

Bürgermeister Alois Fischer aus Unterpleichfeld ist es am wichtigsten, dass der Kindergarten weiterhin erreichbar bleibt und die Busse und Schulbusse über die Ersatzhaltestelle in der Schlossweth-Straße funktionieren. Er ist überzeugt, dass sich anfängliche Verkehrsprobleme regulieren werden und die Bürger Respekt füreinander aufbringen.

So gelassen ist Bürgermeister Konrad Schlier aus Bergtheim nicht. „Der Verkehr zwischen Würzburg und Schweinfurt wird sich durch Dipbach und unsere Untere Hauptstraße durchwalzen“, meint er. Auf der Rathausseite in Bergtheim stehen schon auf der gesamten Länge absolute Halteverbotsschilder bereit. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite gilt das eingeschränkte Halteverbot.

Die Anwohner an der Umgehungsstraße befürchten vermehrt Lärm- und Staubbelästigung. Bürgermeister Schlier hofft hier auf Solidarität: „An der B 19 haben es die Leute ihr Leben lang so.“ Die Umleitungsstrecke sei lange diskutiert worden. Den Verkehr einer Bundesstraße könne eine Staatsstraße besser abfangen als Kreis- und Ortsstraßen.

Deshalb sind Feldwege und auch die Gemeinde Oberpleichfeld außer Acht gelassen worden. Zumal die einmal eingerichtete Umleitungsstrecke auch während des Straßenausbaus in Bergtheim bestehen bleibt. Wenn in Bergtheim gebaut wird, macht die Umleitung über Oberpleichfeld keinen Sinn.

„Wir befürchten ein Verkehrschaos“, gibt Bürgermeisterin Birgit Börger unumwunden zu. „Die Prosselsheimer und Püssensheimer haben Sorge, dass sie im Verkehr ersticken“, sagt sie und sinniert, „lass da mal was auf der Autobahn passieren. . .“. Über die beinahe parallel zur B 19 verlaufende Autobahn A 7 nämlich, so der Plan, sollen die Autofahrer hauptsächlich fahren.

Dass es dort immer wieder Staus, Unfälle und daraus resultierende Umleitungen gibt, haben die Anwohner der B 19 in Unterpleichfeld und Bergtheim schon oft erlebt. An den Freitagnachmittagen ist im Durchschnitt alle zwei Wochen Stau auf der Autobahn und dann wird über die B 19 umgeleitet – und zwar alle Fahrzeuge – egal ob Pkw oder Lkw.

„Ich kann nur an die Vernunft der Autofahrer appellieren“, sagt Bürgermeisterin Börger, die hofft, dass vorsichtig gefahren wird, keine Abkürzungen durch die engen Siedlungen mit 30-Zonen gesucht werden und auf Kinder Rücksicht genommen wird, die solchen Verkehr nicht gewöhnt sind. „Die Leute sollen auf den ausgeschilderten Umleitungen bleiben“, bittet das Ortsoberhaupt.

Börger sieht gefährliche Passagen auf der Umleitungsstrecke. Ortsfremde würden bestimmt die Einmündungen nach Seligenstadt und zum Gutshof unterschätzen. „Wer von Volkach kommt und Richtung Würzburg fährt, muss nach der Brücke über die Bahngleise besonders vorsichtig fahren“, warnt sie. Man sehe erst nach der Kuppe die Abzweigung zum Seligenstädter Gutshof nach links. Wenn jemand etwa zur KWS fahren wolle, stehe er als Linksabbieger mitten auf der Straße.

Dass die von der Umleitung betroffenen Dorfbewohner „von der Baumaßnahme nicht begeistert sind“ und „kilometerlange Staus“ befürchten, können die betroffenen Bürgermeister verstehen. Eine Verbesserung der Ortsdurchfahrten auf der B 19 aber ist ein lang gehegter Wunsch der verkehrsgeplagten Anwohner. Diese Menschen zu unterstützen und zu entlasten, sei mehr als recht und billig.

Auch die Bürgerinitiative „Verkehrsberuhigung und Ortsumgehung“ begrüßt den Straßenausbau, obwohl sie von ihrem Ziel der Ortsumgehung nicht ablässt – trotz der abgelehnten Machbarkeitsstudie im Bayerischen Landtag. Die BI forderte zudem Tempo-30-Zonen an gefährlichen Stellen auf der B 19 (etwa beim Kindergarten) ein generelles Durchfahrverbot für Lkw. Beides wurde von den Ämtern bisher abgelehnt.

„Die Politik hat zahlreiche Entlastungen und Verbesserungen angekündigt. Was bleibt hiervon letztendlich übrig und bringt eine spürbare Entlastung für die Bevölkerung mit sich?“, prangert die Bürgerinitiative auf ihrer Homepage die Verantwortlichen an. An diesem Freitag, 22. Mai, lädt die BI zum nächsten „Sit-In“ um 16 Uhr nach Eßleben ein. Bei Getränken, Kaffee und Kuchen will die über den aktuellen Stand der Initiative informieren.

Bürgermeister Konrad Schlier und Fachbereichsleiter Dr. Michael Fuchs vom Straßenbauamt werden am Mittwoch, 10. Juni, die Bauzeitpläne auf der B 19 in Bergtheim vorstellen.

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