WÜRZBURG

BBK-Galerie: Die „Neuen“ zeigen sich

Max Gehlofen: Friedrich-Rückert-Plastik. Foto: Katja Tschirwitz

„Ein Bild, das Frauen mögen“, kommentiert Michael Robohm ironisch einen seiner metallisch funkelnden Fotodrucke. „Please do not feed the peafowl on the patio“ zeigt vor schottischer Berglandschaft eine romantische Sitzecke mit Pfau – natürlich ein prachtvolles Männchen, Pfauenweibchen sind ja eher grau. Der 1959 im niedersächsischen Stade geborene Ingenieur ist einer der fünf „Neuen“ im Berufsverband bildender Künstler Unterfranken (BBK), die ihr Schaffen bis 27. November in der verbandseigenen Galerie im Kulturspeicher vorstellen.

Robohms hochästhetische Drucke knüpfen an die altbekannte Technik der Doppelbelichtung an und sind im Prinzip ganz einfach gemacht: Zwei Fotografien werden digital übereinandergelegt – das war?s. Heraus kommen fantastisch leuchtende Direktdrucke auf Alu-Dibond, die schimmern, als würden sie von hinten durchleuchtet: funkelndes Eisblau, moosiges Grün, irisierendes Herbstrot.

Jüngster Neuzugang im BBK

Jüngster Neuzugang im BBK ist der 27-jährige Würzburger Max Gehlofen, der 2015 mit einem Türenlabyrinth im Bürgerbräu-Sudhaus beeindruckte. Im Kulturspeicher zeigt er nun einen überlebensgroßen, weißgelben Friedrich Rückert aus Kunststoff. Binnen zwölf Stunden hat Gehlofen die Rückertstatue auf dem Schweinfurter Marktplatz in Stretchfolie verpackt, diese mit dem Heißluftfön verschmolzen und den so entstandenen Abzug nach dem Erhärten abgenommen. Nun sitzt Friedrich ausgehöhlt, aber nicht minder nachdenklich im Würzburger Kulturspeicher. An der Wand dahinter skizziert Gehlofen schon sein nächstes Wunschprojekt: Gerne würde er im Sommer 2017 die sechs Brückenheiligen auf der Alten Mainbrücke in Folie wickeln – jeden in einer anderen knalligen Farbe – und sie bis zum Abnehmen der Hüllen für sechs Wochen in ihrer ungewöhnlichen Garderobe belassen. Neben Gehlofens bunten Skizzen setzt Linde Unreins sechsteilige Bild- und Textafel „Wo rauch ist – ist auch feuer“ das Farbgewitter fort. In Anlehnung an Moses? Gesetzestafeln und die Gebote („du sollst nicht …“) beziehen sie in verwirrend fröhlichen Farben wie Gelb, Limettengrün und Rot Stellung zur massenhaft auftretenden Gewalt unseres Heute.

Im Kontrast zur morbiden, nach innen blickenden Lyrik liegt dabei ein scheinbarer Bruch.

Sein BBK-Debüt gab der Bildhauer Johannes Hepp, 1986 geboren in Werneck, bereits vergangenen Winter in einer Einzelausstellung. Sparsam gehängt und gestellt, sind nun wieder fünf seiner charakteristischen Holzarbeiten zu sehen. Ein hohler Gorillakopf baumelt lose von der Decke: Man kann ihn sich aufsetzen, den Duft des Pappelholzes genießen und gleichzeitig Leute erschrecken. Ein winziger Holzplanet mit Männchen darauf oder ein Mann im Holzboot, das gerade ein Spiegelmeer befährt, erinnern an die poetische Welt von Saint-Exupérys „Kleinem Prinzen“: spielerisch und ein wenig rätselhaft.

Rot lackierte Gipsäpfel

Sieben rot lackierte Gipsäpfel, jeder ruhend in einem weiblichen Händepaar aus Gips, präsentiert Petia Knebel in ihrer Installation „Der Schönsten – Das Urteil des Paris 2.0“. In der griechischen Mythologie fällt der junge Paris sein berühmtes Urteil (nämlich, welche der drei Göttinnen die Schönste sei: Athene, Hera oder Aphrodite) durch Übergabe eines Apfels und löst so – nach einigen Verwicklungen – den Trojanischen Krieg aus.

Knebel fragt sich in ihrer Arbeit, wie sich der Lauf der Geschichte wohl verändert hätte, wenn Paris nicht einen, sondern viele Äpfel an viele Göttinnen vergeben hätte. Die Installation beleuchtet Notwendigkeit, Bedeutung und Konsequenzen unseres Urteilens und besticht – auch ohne mythologisches Hintergrundwissen – durch ihre zartfühlende Ästhetik.

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