WÜRZBURG

BBK-Künstler zwischen Emotion und Abstraktion

Ist das echt? Ziemlich wirklichkeitsnah sind die Tier-Keramiken von Eugen Wilhelm wie dieses Breitmaulnashorn.
Ist das echt? Ziemlich wirklichkeitsnah sind die Tier-Keramiken von Eugen Wilhelm wie dieses Breitmaulnashorn. Foto: FRANK KUPKE

Von der Rhön über Würzburg bis an den Untermain – so weit reicht das Gebiet, aus dem die sechs neuen Mitglieder des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Unterfranken kommen. Entsprechend vielfältig sind die Werke, die sie jetzt in der BBK-Galerie im Kulturspeicher zeigen. Passenderweise trägt die Schau, die an diesem Freitagabend eröffnet wird, einen schlichten Titel: „Die Neuen“.

Bei allem Facettenreichtum der Präsentation zeigt sich der Stellvertretende BBK-Vorsitzende Jürgen Hochmuth überzeugt, dass sich die ausgestellten Kunstwerke allesamt zwischen den Spannungspolen „Abstraktion und Emotion“ bewegen.

Mitunter ist dieser Kontrast bereits im Schaffen eines einzelnen Künstlers zu sehen, wie dies bei Helmut Hirte der Fall ist. Der Aschaffenburger Künstler zeigt einerseits kleinformatige abstrakt wirkende Holzskulpturen, die ein bisschen an Architekturmodelle erinnern. Andererseits sind von Hirte überlebensgroße Fahnen zu sehen, die von der Decke hängen. Sie sind aus der Naturfaser Jute hergestellt, auf die der Künstler mit bunten Wollfäden verspielt-heitere Darstellungen von Menschen gestickt hat.

Besonders wirklichkeitsnah sind die Tier-Keramiken von Eugen Wilhelm. Die Werke des gebürtiges Ukrainers, der ausgebildeter Töpfer ist, bestechen nicht nur mit ihrer naturalistischen Darstellungsweise, sondern vor allem auch durch ihre meisterhafte Oberflächengestaltung. Hier kommen insbesondere die unterschiedlichen Brenntechniken wie Feldbrand und Holzbrand zum Tragen. Zur Vorbereitung des Brennvorgangs beispielsweise gehört es, eine Grube auszuheben, Holz zu hacken und zu stapeln. „Da werden schon mal meine Geschwister eingespannt“, sagt der Würzburger Wilhelm. Die Figuren müssen einen Unterschied zwischen 1000 Grad Ofentemperatur und Lufttemperatur überstehen. Dann erblicken Nashörner, Hyänen oder Wasserbüffel aus Ton das Licht der Welt.

Den größten Gegensatz zu Wilhelms naturalistischen Keramik-Arbeiten bilden die großformatigen Fotos von Anita Tschirwitz. Die Künstlerin aus Wipfeld (Lkr. Schweinfurt) bearbeitet die Fotografien nicht. Aber durch die Motiv-Auswahl und die enorme Vergrößerung werden aus den fotografischen Abbildern der Wirklichkeit abstrakte Gemälde voller Poesie.

Die Bildhauerin Kathrin Hubl aus Oerlenbach (Lkr. Bad Kissingen) zeigt unter anderem ein lebensgroßes Holzrelief. Darauf ist ein weiblicher Akt zu sehen, dessen Rückansicht sich in einem Spiegel reflektiert. Hubls technisch ungeheuer brillantes Werk strahlt einen stillen Zauber aus.

Die Werke des Bad Kissinger Künstlerehepaar Wiltrud und Wolfgang Kuhfuss atmen den Geist der Nachkriegs-Avantgarde, der sie mit Gestaltungskraft und Formwillen neues Leben einhauchen. Wiltrud Kuhfuss entfaltet in einer Serie von vier Arbeiten auf Leinwand, bei denen eine spezielle Brandtechnik zum Einsatz kommt, eine Art Zweikampf und Versöhnung. Wolfgang Kuhfuss hingegen malt streng abstrakt. Für ihn sind seine Bilder Ausdruck der Beschäftigung mit dem fast wissenschaftlich aufgefassten Begriff Raum. Behutsam lässt der Künstler ein geometrisches Form- und Kräftespiel auf der Leinwand entstehen.

Die sechs neuen BBK-Mitglieder zeigen weitere Werke im Souterrain in der Werkstattgalerie.

Vernissage in der BBK-Galerie ist an diesem Freitag, 2. Oktober, um 19 Uhr. Zu sehen ist die Ausstellung dann bis 25. Oktober, Mi bis Sa 14-18, So 11-18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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