Heilbronn/Würzburg

BMW-Knacker: Schlag gegen organisierte Bande

Wieder und wieder soll eine Bande aus Litauen im Großraum Heilbronn zugeschlagen haben, erbeutete aus Autos Navis und Lenkräder. Die Serie erinnert an Fälle in Unterfranken.
Die professionelle Autoknacker waren international tätig. Nun hatten die Ermittler Erfolg. Foto: Kai Remmers, dpa

Ermittlern aus dem In- und Ausland ist ein Schlag gegen eine organisierte Autoknacker-Bande aus Litauen gelungen. Rund 280 einzelne Taten seien aufgeklärt worden, teilten die Staatsanwaltschaften Heilbronn und Mosbach bei einer Pressekonferenz am Donnerstag mit. Seit Dezember 2017 seien 13 Verdächtige festgenommen und viele von ihnen schon verurteilt worden, hieß es weiter. Andere Verfahren liefen noch. Die Männer stammten alle aus der litauischen Stadt Panevezys. Die Diebe sollen mindestens 1,35 Millionen Euro erbeutet und mehrere Millionen Euro Schaden verursacht haben. Die weiteren Schilderungen der Ermittler erinnern an Vorkommnisse in Unterfranken.

Alles begann Mitte 2017, als im Zuständigkeitsberich des Polizeipräsidiums Heilbronn, zu dem auch der Main-Tauber-Kreis gehört, die Zahl der Aufbrüche von Fahrzeugen der Marke BMW sprunghaft anstieg. Über 100 Fälle wurden angezeigt. Im Visier der Täter: fest verbaute Navigationsgeräte und Multifunktionslenkräder. Eine Ermittlungsgruppe konnte Ende 2017 erste Tatverdächtige identifizieren. Sie hatten sich mit falschen Namen in einer Ferienwohnung im Kreis Rottweil eingemietet.

Erstes Fahndungsfoto stammt aus Überwachungskamera in Lauda

Zum Verhängnis war den Verdächtigen "ihre Gier" geworden, wie der Leiter der Ermittlungsgruppe erklärte. "Sie gingen dazu über, auch Wertgegenstände aus den Autos zu entwenden." So auch etwa im November 2017 Kredit- und EC-Karten in Bad Mergentheim. Als ein Täter versuchte, mit einer gestohlenen Karte an einem Bankautomaten in Lauda Geld abzuheben, hatten die Ermittler dank einer Überwachungskamera ein erstes Fahndungsfoto.

Navigationsgeräte, Lenkräder: Bei der Pressekonferenz in Heilbronn zeigten die Ermittler einen Teil der Beute. Foto: Fabian Sommer, dpa

Im Dezember 2017, so die Ermittler weiter, konnten dann, nach umfangreichen Observationen und verdeckten Ermittlungsmaßnahmen, in einer ersten Festnahmewelle insgesamt acht Litauer festgenommen und Diebesgut in einem Wert von rund 270 000 Euro sichergestellt werden. Ihre Beute hatten die Täter zum Schutz gegen Witterungseinflüsse in Frischhaltefolie verpackt und in Wäldern und auf Feldern versteckt. Erst kurz vor den Festnahmen hatten sie das gesamte Diebesgut in ein großes Depot überführt, um den Abtransport nach Litauen zu vereinfachen. Der Gruppe werden bis zu ihrer Festnahme fast 100 PKW-Aufbrüche in Baden-Württemberg und Bayern "beweiskräftig zugeordnet".

Ermittler aus Deutschland, Litauen und Belgien

2018 wurden die Ermittlungen ausgeweitet. Neben der belgischen Polizei – einige der Festgenommenen hatte laut den Ermittlern auch im Raum Brüssel Aufbrüche verübt – wurden litauische Ermittler sowie das Bundeskriminalamt und Europol involviert. Weitere Tatverdächtige konnten ausfindig gemacht werden, darunter zwei Brüder, die sich in Ludwigshafen bei einem Landsmann eingemietet hatten und von dessen Wohnung aus fast jede Nacht auf Beutezug gingen.

Vor einer Woche nahm die Kriminalpolizei in Panevezys einen weiteren Mann fest. Am vergangenen Montag ging den litauischen Ermittlern dann ein 31-Jähriger ins Netz, der laut Ermittlern als "wichtiger Hintermann" gilt. Beide Männer sitzen in Auslieferungshaft.

Auffällige Serie in Unterfranken

Ob Angehörige der Bande auch in Unterfranken aktiv waren, konnte weder die Polizei noch das bayerische Landeskriminalamt (LKA) am Donnerstag bestätigen. Lediglich Festnahmen von Tatverdächtigen in Stuttgart, "die hauptsächlich in Unterfranken tätig waren", bestätigt das Polizeipräsidium Unterfranken. Dennoch scheint es eine Verbindung in die Region – über die räumliche Nähe der Tatorte im benachbarten Baden-Württemberg hinaus – zu geben. So wurde diese Redaktion Anfang 2017 auf eine Serie von Autoaufbrüchen aufmerksam, da in zahlreichen Polizeimeldungen aus der Region von geknackten BMW die Rede war, aus denen Fahrzeugeteile, insbesondere fest eingebaute Navigationsgeräte, gestohlen wurden.

Nachfragen bei Polizeipräsidium und LKA bestätigten den Eindruck: Beim LKA registrierte man schon seit Anfang 2015 immer mehr Aufbrüche in Oberbayern, Unter-, Mittel- und Oberfranken. Vor allem die Marke BMW stehe im Fokus der Täter, hieß es. Schon damals bestätigten die Ermittler: "Bei den im Zusammenhang mit dieser Serie bislang festgestellten Tatverdächtigen handelt es sich durchgehend um litauische Staatsangehörige." Und auch damals hieß es, dass die Personen in Ferienwohnungen oder bei in Deutschland gemeldeten Landsleuten wohnten.

Allein in der ersten Jahreshälfte 2017 registrierte die Polizei über 100 geknackte BMW in Unterfranken, aus denen Teile gestohlen wurden. Den Beuteschaden bezifferten die Beamten auf rund 420 000 Euro. Ab Mitte 2017 gingen die Zahlen zurück – im Großraum Heilbronn fing die Aufbruchserie da gerade erst richtig an.

Schlagworte

  • Bad Mergentheim
  • Lauda-Königshofen
  • Benjamin Stahl
  • BMW
  • Bundeskriminalamt
  • Diebstahl
  • Ermittlerinnen und Ermittler
  • Europol
  • Geldautomaten
  • Kriminalpolizei
  • Landeskriminalämter
  • Lenkrad
  • Polizei
  • Polizeipräsidien
  • Polizeipräsidium Unterfranken
  • Tatorte
  • Verbrecher und Kriminelle
  • Verdächtige
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!