WÜRZBURG

Baby-Notarztwagen wurde ausgemustert

Nest für die Kleinsten: Chefärztin Dr. Christina Kohlhauser-Vollmuth an einem der modernen Inkubatoren.
Nest für die Kleinsten: Chefärztin Dr. Christina Kohlhauser-Vollmuth an einem der modernen Inkubatoren. Foto: THERESA MÜLLER

Wer für einen neuen Baby-Notarztwagen in der Region Spenden eintreiben will, der tut dies zu Unrecht, denn bis Freitag fuhr ein Baby-Sanka in Würzburg und im Umkreis problemlos unter der Regie der hiesigen Kliniken und Hilfsdienste. Genauso problemlos wird er von drei modernen Inkubatoren (Brutkästen) abgelöst, einen Sondereinsatzwagen wird es also nicht mehr geben. Eine auswärtige Organisation hatte jüngst wieder einmal um Spenden gebeten - angeblich für einen neuen Baby-Sanka.

Die neuen mobilen Inkubatoren sind auf die Standard-Maße der modernen Krankenwagen ausgerichtet und werden auf standardisierten Tragegestellen befördert. Heutzutage seien alle diese Fahrzeuge so gut abgefedert, dass der Transport von Frühchen keine Sonderwagen mehr erfordere, waren sich bei einer Pressekonferenz in der Johanniter-Rettungswache die zuständigen Ärzte und Verantwortlichen der Hilfsdienste einig.

Als vor 15 Jahren das neue Rettungsfahrzeug zum ersten Einsatz ausrückte, war der VW T4 mit speziellen Ausstattungen wie einem luft- und sensorgefederten Inkubator eine große Bereicherung. Doch nach 15 Jahren ist trotz der damals revolutionären Federung aus der Raumfahrt die Technik überholt, heißt es bei den Johannitern. Die Einsatzzahlen sind stark rückläufig, und jetzt stünden umfangreiche Reparaturen an dem Wagen bevor.

Ralph Knüttel (Regionalvorstand der Johanniter) erläuterte, frühgeborene Kinder seien ab den 90-er Jahren medizinisch erst Thema geworden. Die Rettungsdienste hätten die Babys „aus halb Nordbayern“ geholt und in besser ausgestattete Kliniken gebracht. Weil sich das auf teils schlechten Landstraßen abspielte und die Federung der Rettungsfahrzeuge damals schlecht gewesen sei, hätten die Helfer oft in den Inkubator hineingelangt und den Kopf des Kleinen gestützt, manchmal von Schillingsfürst, von Kitzingen oder Lohr bis Würzburg.

Knüttel wandte sich 1997 an die anderen Hilfsdienste der Region, um gemeinsam einen Baby-Notarztwagen zu finanzieren, und so konnte mit Spenden das inzwischen 15 Jahre alte Fahrzeug angeschafft werden, sagte er. Nun soll es als Weihnachtstrucker nach Rumänien reisen und später dort einer großen Kinderklinik zur Verfügung stehen, überlegte Uwe Kinstle (Regionalvorstand Johanniter).

Gesetzliche Änderungen für eine optimierte Versorgung Neugeborener haben jüngst dazu geführt, dass fast alle Geburtskliniken im Umkreis schließen mussten, erläuterte Prof. Dr. Christina Kohlhauser-Vollmuth, Chefärztin der Missio-Kinderklinik. Seither hätten die beiden größten Kliniken in Würzburg - das Missio und die Uniklinik - pro Jahr jeweils zwischen 1800 und 1900 Geburten zu verzeichnen.

Viele Schwangere kommen aus dem Umland. Weil sie ausreichende Versorgung in Würzburg vorfinden, seien nicht mehr so häufig Transporte der Babys nötig, außer es kommt zu Komplikationen, die in einer auswärtigen Spezialklinik unter die Lupe genommen werden. „Wir können nicht vollständig auf den Inkubator verzichten,“ so die Chefärztin und nannte die Vernetzung der Kliniken und Hilfsorganisationen „ein geglücktes Beispiel einer Kooperation“.

Zu diesem Netz gehören auch Malteser und Bayerisches Rotes Kreuz.

Zurzeit ist ein mobiler Inkubator am Missio eingestellt, ein weiterer an der Uniklinik, die ihrerseits noch einen zusätzlichen angeschafft hat, um Ausfällen vorzubeugen, weil beifalls mehrere Fahrten gleichzeitig nötig wären.

Baby-Notarztwagen

Am 1. Januar 2000 hatte der Baby-Notarztwagen Dienstbeginn. Er war in Mainfranken im Einsatz und darüber hinaus bis Bad Windsheim, Rothenburg ob der Tauber, Wertheim und im weiteren Umkreis.

145 919 Kilometer legte der Wagen insgesamt zurück. Einsätze hatte er 2717, davon im Jahr 2014 nur noch 13 und 2015 noch 18. Einsatzstärkstes Jahr war 2002 (328 Einsätze), einsatzstärkster Monat Juli 2002 (40 Einsätze).

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