WÜRZBURG

Bahnhofspavillons kommen bald unter die Abrissbirne

Nur zwei Stadträte von 39 anwesenden Kommunalpolitikern stimmten gegen einen Abriss und Neubau der Bahnhofspavillons am Würzburger Hauptbahnhof.
Eine Ära geht zu Ende: Die Pavillons aus den 50er Jahren am Bahnhof werden abgerissen und bis 2018 neu aufgebaut. Foto: Thomas Obermeier

Die Tage der Pavillons am Hauptbahnhof sind gezählt. Im Stadtrat stimmten am Donnerstag nur zwei von 39 Anwesenden gegen den Abriss und Neubau. Die kleinen Gebäude aus den 50er Jahren sind deutlich in die Jahre gekommen und entsprechen nicht mehr modernen Anforderungen. Im Juli 2016 kommen die Bagger. Bis April 2018 sollen sie neu errichtet sein.

Das Thema war ausführlich in zwei Ausschüssen vorberaten worden und hätte eigentlich entscheidungsreif sein sollen. Und so mancher Stadtrat hatte auch gelobt, sich kurz zu fassen bei der Debatte. Doch es wurde nichts daraus. Viele Argumente wurden ausgetauscht, neue waren nicht dabei.

Die SPD-Fraktion mit ihrem Vorsitzenden Alexander Kolbow blieb bei ihrem Antrag, den sie schon mehrfach gestellt hatte: Sie forderten eine möglichst große Anzahl von Radstellplätzen auf dem Vorplatz rechts vom Hauptbahnhof. Nur links sollten neue Pavillons entstehen: der Antrag fiel durch.
 

Die Bedenken von FWG-Chef Josef Hofmann teilten die Genossen nicht. Der warnte davor, dass Besucher der Landesgartenschau am Bahnhof halb fertige Pavillons stehen sehen könnten. Und auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, Matthias Pilz, hatte keine Angst vor der sportlichen Herausforderung, die die Verwaltung mit dem Zeitplan vorgegeben hatte: Sollten die kleinen Gebäude noch im Bau sein, sähe der Besucher der Landesgartenschau, dass Würzburg eine dynamische Stadt ist. Für ihn ist wichtig, dass die Gartenschau nicht zum Bremser der Stadtentwicklung wird. Mit dem SPD-Antrag konnte er sich nicht anfreunden: „Wir lassen damit die Bahn aus der Pflicht, die auf Gleis 1 1000 Radstellplätze zugesagt hat“, sagte Pilz.


Jürgen Weber von der Würzburger Liste machte die Gestaltung der Pavillons davon abhängig, wie sich künftig die Haltestellen der Straßenbahn auf dem Bahnhofsvorplatz gruppieren. Doch Stadtbaurat Christian Baumgart konnte diesem Argument nichts abgewinnen: „Die favorisierte Gleisführung der Straßenbahn ist im Stadtrat vorberaten und eingeplant.“

Daher werde es auf der rechten Seite auch weniger Pavillons geben, um Platz für die Gleise zu lassen.
CSU-Fraktionschefin Christine Bötsch signalisierte die Zustimmung ihrer Partei zu den Planungen. Sie bevorzugt bei der Vermietung eine Zusammenarbeit zwischen Stadt und Bahn mit einem gemischten Konzept: kommerziell und gemeinnützig. Sie wünscht sich eine regelmäßige Information des Stadtrates über das Projekt am Bahnhof, und OB Christian Schuchardt sicherte ihr das auch zu.

Nun, nach dem Votum der Stadträte für einen Neubau, soll den bisherigen Mietern unverzüglich gekündigt werden. Das steht in dem ehrgeizigen Zeitplan der Verwaltung, für den Baumgart und Kämmerer Robert Scheller schon mehrfach geworben hatten.

Bisher ist als Generalmieter die Bahntochter Station & Service AG vorgesehen. Mit ihr sollen über die Modalitäten noch Gespräche im Januar geführt werden. Aber viele Räte machten auch klar: Sollten sich die Verhandlungen hinziehen, muss die Stadt selbst für künftige Mieter sorgen. Und die Sozialräume für die Würzburger Straßenbahn, die Taxifahrer und die Kindertagesstätte dürfen ebenfalls nicht wegfallen.

Da die Bahn das Angebot, den Neubau zu übernehmen, zurückgezogen hatte, ist nun die Stadt Würzburg selbst Bauherrin. Und die will von der Bahntochter etwa 2,5 Millionen Euro Mietvorauszahlung für die Finanzierung der Pavillons. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 4,32 Millionen Euro. Die neuen Bauten sollen ihren Vorgängern ähnlich und transparent hin zum Ringpark sein.

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