WÜRZBURG

Banater Schwaben wollen Heimat nicht vergessen

In auffälligen Trachten zeigten auch die jungen Nachkommen der Banater Schwaben traditionelle Tänze zwischen Neumünster und Markt.
In auffälligen Trachten zeigten auch die jungen Nachkommen der Banater Schwaben traditionelle Tänze zwischen Neumünster und Markt.

Die bayerischen Banater Schwaben feierten ihre Kultur- und Heimattage am Wochenende in Würzburg. Gleichzeitig mit dieser 19. Zweijahresveranstaltung hatte das Brauchtums- und Trachtenpuppenmuseum im Vereinshaus am Heidingsfelder Ostbahnhof seinen 30. Geburtstag.

Größten Schaueffekt erzielten die Nachkommen der habsburgischen Ostsiedler bei ihrem Umzug durch die Domstraße am Samstagnachmittag. Vom Straßenrand fielen vor allem amüsiert-verwunderte Blicke, gelegentlich nickte ein Passantenkopf zum Takt der kesselgepaukten Marschmusik. Die weiblichen Trachten stachen besonders durch Hüft- und Gesäßpolster ins Auge, in denen manches Kind im Barbiepuppen-Spielalter steckte. Auf den Männerköpfen blinkten Gestecke von Spiegelchen und Kunstblumen - „Kirchweihhüte“, erklärte ein Trompeter in einer Spielpause.

Zuvor, beim Festgottesdienst im voll besetzten Neumünster, hatte Pfarrer Peter Zillich dem bayerischen Landesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Peter-Dietmar Leber, gedankt dafür, „dass wir heute wissen, in welche Richtung wir gehen“.

Neue Generation aktiv

Welche Richtung das ist, deutete Leber in seiner kurzen Ansprache im großen Ratssaal der Stadt Würzburg an. Die „neue Generation“ sei „aktiv auch im Kontakt mit den Verbliebenen“. Auf Befragen präzisierte er, in der früheren Region Banat im Dreiländereck des heutigen Rumänien, Ungarn und Serbien, lebten zwar kaum mehr Deutschstämmige, dennoch sei es wichtig, „den Bezug zum Banat nicht völlig aufzugeben, sondern mit den heutigen Bewohnern zusammenzuarbeiten“. Allein in der Stadt Temeswar besuchten 1200 Heranwachsende deutschsprachige Schulen: „Dieses Schulwesen fördert in Rumänien das Verständnis für die deutsche Kultur und manchmal auch für uns Banater Schwaben.“

Und, eine weitere Lebersche Richtung: „In unseren Gruppen sind viele, die nicht mehr im Banat geboren sind, manchmal bringen die auch Schulfreunde mit. Diese jungen Leute unterstützen wir.“

Tracht zieht an

Einer der jüngeren unter diesen Leuten ist seit einem Monat Würzburger Kreisvorsitzender der Landsmannschaft: Patrick Stanek. Der 27-jährige Industriemechaniker unterm Kirchweihhut möchte die Jugend „so begeistern, wie mein Amtsvorgänger Günter Kaupa es bei mir geschafft hat“. Die Aufführung einer Tanzgruppe hatte Stanek entzündet. Jetzt ist er seit zwei Jahren im Vorstand der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppe. Für die Nachwuchsarbeit ist er sich sicher, dass unter Frauen eben die Tracht der Hauptanziehungspunkt ist, sich bei den Banatern zu engagieren. Bei den Männern möchte er nicht generell, sondern nur für sich selbst sprechen: Hier sei es „die Gemeinschaft“.

Beim Rathausempfang blickte Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake in die Vergangenheit zurück. Im 18. Jahrhundert hätten „entbehrungsreiche Aufbauarbeiten“ der Ostsiedler „innerhalb von zwei Generationen“ die früheren osmanischen Gebiete „in blühende Landschaften“ verwandelt. Heute solle die Beschäftigung mit der Geschichte dazu führen, dass sich die Nachkommen mit der multikulturellen Gesellschaft der Gegenwart auseinandersetzten.

Identität gelte es zu entwickeln im Spannungsfeld zwischen den Wurzeln der Tradition einerseits und den Herausforderungen der globalisierten Gegenwart und Zukunft andererseits. Hier, im Rathaus, waren auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Bundestagsabgeordneter Paul Lehrieder.

Ihre Kultur- und Heimattage feierten die bayerischen Banater Schwaben am Wochenende in Würzburg. Größten Schaueffekt erzielten die Nachkommen der habsburgischen Ostsiedler bei ihrem Umzug durch die Domstraße am Samstagnachmittag.
Ihre Kultur- und Heimattage feierten die bayerischen Banater Schwaben am Wochenende in Würzburg. Größten Schaueffekt erzielten die Nachkommen der habsburgischen Ostsiedler bei ihrem Umzug durch die Domstraße am Samstagnachmittag. Foto: Johannes Kiefer

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