Würzburg

Bauerndemo in Würzburg: Warum die Landwirte protestieren

Rund 1000 Landwirte haben sich am Dienstagvormittag auf den Weg nach Würzburg gemacht, um auf die Probleme der Branche aufmerksam zu machen. Vier Bauern erzählen warum.
Um die 1000 Landwirtinnen und Landwirte aus der ganzen Region legen am Dienstag mit ihren Traktoren den Verkehr in der Würzburger Innenstadt weitestgehend lahm. Unter dem Motto "Land schafft Verbindung" protestieren die Bauern gegen die Politik der deutschen Umwelt- und Landwirtschaftsministerinnen. Foto: Daniel Peter

Landwirte aus ganz Unterfranken und Teilen Mittelfrankens haben am Dienstag ihren Ställe und Felder ruhen lassen, um sich in der Würzburger Innenstadt Gehör zu verschaffen. Kritikpunkte der Bauern sind unter anderem immer höhere Auflagen und Verordnungen, aber auch fehlende Anerkennung aus Gesellschaft und Politik. Vier Demonstranten erzählen, warum sie sich auf den Weg nach Würzburg gemacht haben:

Landwirtin Christine Löb (rechts) aus Reupelsdorf (Lkr. Kitzingen). Foto: Anna-Lena Behnke

Landwirtin Christine Löb aus Reupelsdorf (Lkr. Kitzingen):

"Eines der großen Probleme momentan ist die neue Düngeverordnung, die auf uns zu kommt. Die gefährdet uns in unserer Existenz. Uns wird gesagt, dass wir nicht mehr so viel düngen dürfen, also ernten und verdienen wir auch nicht mehr so viel. Dabei sind es nicht nur wir, die Phosphor und Stickstoff in die Umwelt bringen. Wenn auch einmal die Kläranlagen und die Kanalsysteme betrachtet werden würden, dann wären wir schon ein ganzes Stück weiter. "

Futtermittelhändler Stefan Körner aus Langfurth (Lkr. Ansbach) in Mittelfranken. Foto: Anna-Lena Behnke

Futtermittelhändler Stefan Körner aus dem mittelfränkischen Langfurth:

"Das Problem ist, dass die ganze Welt den Landwirten für alles mögliche die Schuld in die Schuhe schieben will. Die Verbraucher wollen sich da nicht an die eigene Nase fassen. Das ist ganz einfach: Wer Hunger hat, der hat nur ein Problem. Aber wer satt ist, hat plötzlich tausend Probleme, aber keine wichtigen mehr. Vor allem in den Städten haben die Menschen scheinbar noch nicht verstanden, woher das ganze Essen kommt, das in unserer Überfluss-Gesellschaft selbstverständlich ist."

Landwirt Alexander Krauser (rechts) aus Königsberg (Lkr. Haßberge). Foto: Anna-Lena Behnke

Landwirt Alexander Krauser aus Königsberg (Lkr. Haßberge):

"Seit Jahren wird uns durch die Marktordnung vorgegeben, dass unsere Betriebe immer mehr wachsen müssen. Die Arbeit wird immer mehr, man muss sich immer mehr spezialisieren und die Kontrollen werden immer strenger. Das Ganze ist eigentlich nicht mehr zu stemmen. Und dann werden uns auch noch Steine in den Weg gelegt zum Beispiel durch das Volksbegehren 'Rettet die Bienen'. Das bedeutet für uns Landwirte ganz harte Einschnitte."

Landwirt Robert Grimm aus Marktbreit (Lkr. Kitzingen). Foto: Anna-Lena Behnke

Landwirt Robert Grimm aus Marktbreit (Lkr. Kitzingen):

"Mich stört es mittlerweile sehr, wie mit uns Landwirten umgegangen wird. Mir fehlt vor allem mal eine sachliche Diskussion zur Landwirtschaftspolitik. Für mich gibt es nur noch Schwarz und Weiß und keine fachlichen Lösungen mehr, wohin die Agrarpolitik soll in Zukunft. Das ist viel zu unsicher und man fühlt sich wie der letzte Depp. Ich will auch mal Wertschätzung für das, was wir gut machen. So umweltschonende und effiziente Landwirtschaft wie in Deutschland findet man selten auf der Welt."

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