WÜRZBURG

Bayerns Medizinstudenten wollen wieder Hausärzte werden

Blumen für die Ministerin: Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands, überreicht beim Bayerischen Hausärztetag in Würzburg Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml einen Strauß. In einer Zeit, in der die Datenflut wachse, die Spezialisierung voranschreite und der medizinisch-technische Fortschritt rasant sei, sei der Hausarzt als Ansprechpartner wichtiger denn je, sagte Huml bei ihrer Rede. Foto: Torsten Fricke

Nach jahrelangen Klagen über fehlenden Nachwuchs sieht Dr. Dieter Geis, der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbands, eine Trendwende nahen. „Immer mehr Medizinstudenten wollen Hausärzte werden. Das lässt uns zuversichtlicher in die Zukunft blicken“, sagte Geis beim Bayerischen Hausärztetag am Samstag in Würzburg.

Mehr Jung-Mediziner in der Weiterbildung

Dass beim Nachwuchs ein deutlich größeres Interesse am Hausärzteberuf besteht als früher, kann der Randersackerer Hausarzt Geis mit Zahlen belegen. Noch vor einigen Jahren habe man nur rund 700 bayerische Jung-Mediziner in der fachärztlichen Weiterbildung zum Allgemeinarzt gehabt. „Jetzt sind es schon 1400“. Das große Interesse des Nachwuchses für den Hausarztberuf sei auch bei Weiterbildungen und Informationsveranstaltungen spürbar. Dass der Hausarztberuf für Bayerns Jung-Mediziner wieder attraktiver geworden ist, liegt Geis zufolge an der Abschaffung der Regresse, der Reform des Bereitschaftsdienstes, der Streichung der Residenzpflicht und der Zulassung von hausärztlichen Versorgungszentren.

Die neue Ärztegeneration ist weiblich

Die Möglichkeit, sich in hausärztlichen Versorgungszentren zu organisieren, sei gerade für junge Ärztinnen wichtig, sagte Geis. Immerhin seien 70 Prozent der Medizinstudenten weiblich – und junge Ärztinnen wollten oft gerne auch in Teilzeit arbeiten. Dies sei in Organisationsformen wie dem Versorgungszentrum oder einer Gemeinschaftspraxis möglich. Mit Blick auf die Landtagswahl forderte Geis die Politik auf, bei den „gemeinschaftlichen Anstrengungen“ nicht nachzulassen, um dem immer noch drohenden Hausärztemangel zu begegnen.

Huml: Wichtig ist zielgenaue Auswahl von Studenten

Dass gerade Bayern sich bei der Ausbildung der nächsten Medizinergeneration hervorgetan habe, hatte am Freitagabend Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml vor den versammelten Hausärzten in Würzburg gesagt. „Der Masterplan Medizinstudium 2020 trägt vielfach bayerische Handschrift“, betonte sie. Der im vergangenen Jahr installierte Plan enthalte 37 Beschlüsse zur zielgerichteten Auswahl von Studienplatzbewerbern, zur Stärkung der Allgemeinmedizin im Studium und zur Förderung der Praxisnähe. Dass mittlerweile fünf Lehrstühle für Allgemeinmedizin in Bayern eingerichtet worden sind – und zwei weitere eingerichtet werden – ist nach Ansicht der Gesundheitsministerin und der bayerischen Hausärzte ein extrem wichtiger Schritt bei der Nachwuchsgewinnung.

Hausärzte mahnen Bürokratieabbau an

Bei ihrem mehrtägigen Treffen in Würzburg mahnten die bayerischen Hausärzte die Politik an, endlich Schritte zum Bürokratieabbau zu unternehmen. Geis: „Wir brauchen jede Minute, um uns um unsere Patientinnen und Patienten zu kümmern und nicht, um irgendwelche sinnlosen Formulare auszufüllen.“ Auch sei es nicht zielführend, wenn die Hausärzte „nicht funktionsfähige Konnektoren installieren“ müssten oder „für die Krankenkassen über den Stammdatenabgleich Verwaltungsaufgaben zu übernehmen, ohne adäquat oder überhaupt hierfür vergütet zu werden“.

Bei „Konnektoren“ handelt es sich um Geräte zum Abgleich von Patientendaten, die im Verlauf dieses Jahres in nahezu allen ärztlichen Praxen in Deutschland installiert werden sollen. Er sei sich sicher, dass in der Folge sehr schnell viele E-Health-Angebote auf den Markt kämen, die Arzt und Patient sowie Ärzte und andere Anbieter von Gesundheitsleistungen besser vernetzten, hatte Uwe Eibich, Vorstand der CompuGroup Medical SE, die Konnektoren vertreibt, vor einigen Tagen der „Ärztezeitung“ gesagt.

Skepsis gegenüber Datenabgleich

Bayerns Hausärzte indes stehen der neuen Technik durchaus skeptisch gegenüber. „Die einzigen Nutznießer der Telematik-Infrastruktur sind zunächst die Krankenkassen, für die Vertragsärzte – allen voran Hausärztinnen und Hausärzte – ab Januar 2019 den Versicherten-Stammdatenabgleich vornehmen müssen“, sagte Dr. Petra Reis-Berkowicz, Schriftführerin des Hausärzteverbands. Ihrer Auffassung nach ist es nicht ausgeschlossen, dass intimste Patientendaten in naher Zukunft in falsche Hände kommen. Wenn Hacker Regierungsdateien hacken könnten, würden sie vor Patientendaten nicht halt machen, meinte Reis-Berkowicz. Sicherlich würden die Daten auch bei Werbetreibenden Begehrlichkeiten wecken. Reis-Berkowicz: „Daten sind die Ware der Zukunft! Und Patientendaten sind goldene Daten.“ Darüber müsse man sich im Klaren sein.

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