WÜRZBURG

Behält die Stadt ihr Weltkulturerbe?

Mit Spannung schaut Würzburg ab Montag nach Brasilia. In der brasilianischen Hauptstadt beginnt dann die 34. Tagung des Unesco-Welterbekomitees. Vertreter aus 21 Ländern beraten über Neuaufnahmen in die Welterbeliste – und über mögliche Streichungen. Thema auch: Würzburg und seine Residenz.
Weltkulturerbe: die Würzburger Residenz Foto: Thomas Obermeier

Der Verlust des Welterbetitels – für die Touristenstadt ein Horrorszenario. Einen Fall Dresden – das Elbtal flog letztes Jahr von der Liste – will man vermeiden.

Der Imageschaden wäre immens. Deshalb hat die Stadt für ihre Straßenbahnplanung an der Residenz früh die Abstimmung mit Denkmalpflege, Schloss- und Gartenverwaltung und der Unesco gesucht.

Mittlerweile liegt ein Konzept auf dem Tisch, das das Welterbe auf- statt abwertet: Eine Straba entlang der Schwarzen Promenade mit Haltestelle direkt vor der Residenz.

Dazu eine Schließung des unteren Rennwegs und eine Rückpflasterung des Platzes. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Unesco diesen Plan bei ihrer Jahrestagung durchwinkt.

„Eine Durchtrennung des Welterbes würde die Unesco heute nicht mehr akzeptieren.“

Giulio Marano, Internationaler Rat für Denkmalpflege

Wahrscheinlich deshalb, weil dazu eine positive Stellungnahme des Deutschen Nationalkomitees von Icomos vorliegt, dem Internationalen Rat für Denkmalpflege.

Er ist das Organ, das die Unesco entscheidend berät. Seine Stellungnahme wird in Brasilia verlesen. Im Anschluss daran könnte es zu einer Aussprache oder gar zu einer Kontroverse kommen.

Die Schließung von Rennweg und Oeggtor für den Autoverkehr hatte in den vergangenen Monaten politischen Streit im Stadtrat entfacht. Voran die CSU ist skeptisch.

Auch eine Einbahnstraßen-Lösung wurde ins Spiel gebracht. Doch mittlerweile – nach Vorliegen des Verkehrsgutachtens – hat das Nationalkomitee gegen über der Icomos-Zentrale in Paris klar für eine Sperrung, den Rückbau der Straße und die Wiederherstellung des Platzes plädiert. Dies sagte Giulio Marano als Sprecher der Monitoring-Gruppe am Freitag auf Anfrage.

Würzburg war 1981 nach den Domen in Aachen und Speyer die dritte von heute 33 deutschen Welterbestätten. Marano über den Rennweg: „Eine Durchtrennung des Welterbes würde die Unesco heute nicht mehr akzeptieren.“

Es gelte, den Residenzplatz in seiner ursprünglichen Dimension wieder erlebbar zu machen. Dass er größtenteils von parkenden Autos zugestellt ist, hält der pensionierte Architekt für problematisch, aber aktuell nicht vordringlich. Selbst eine Parkplatzzufahrt durch das Oeggtor würde Icomos (und damit wohl auch die Unesco) tolerieren.

Sollten aber auf dem Rennweg weiter Autos – oder doch noch eine Straßenbahn – rollen, „dann hätten wir ganz große Schwierigkeiten“, warnt Marano.

Die Stadt müsste dann das Welterbeverfahren auf neuer Grundlage durchlaufen, „dann fangen wir vor vorne an.“ Dies hoffe er nicht, so der Icomos-Vertreter. Schließlich sei die Straßenbahnerschließung grundsätzlich ein Gewinn für das Weltkulturerbe der Residenz.

Der Preis: weniger Autoverkehr. Marano spricht von einem Kompensationsgeschäft, was heißt: Will die Stadt eine Straßenbahn an der Residenz bauen, ohne sie als Welterbe zu gefährden – dann muss sie den Rennweg schließen.

Hausherr Gerhard Weiler als Chef der Schloss- und Gartenverwaltung, gibt sich vor der Tagung in Brasilia – sie dauert bis zum 3. August – betont gelassen. Nach den Vorgesprächen und den vorliegenden Plänen habe er keine Sorge um den Welterbetitel, meinte er gegenüber unserer Zeitung.

Auch WVV-Geschäftsführer und Straßenbahnchef Thomas Schäfer ist zuversichtlich. Er wird am Donnerstag im Stadtrat über laufende Berechnungen zur Förderfähigkeit der neuen Strabalinie 6 berichten.

Der entscheidende Faktor 1,0 im volkswirtschaftlichen Bewertungsverfahren sei „realistisch zu erreichen.“ Derzeit liefen viele Gespräche und Abstimmungen. Ohne Zuschüsse von Bund und Land jedenfalls – so viel ist sicher – bliebe die neue Straßenbahn, anders als die Residenz, nur ein Luftschloss.

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