WÜRZBURG

Bereit für den Aufbruch

Entspannte Jungs: Gitarrist Felix Leitner, Bassist Simon Ort, Keyboarder Frank Adelt, Songschreiber und Sänger Hannes Conrads und Schlagzeuger Thomas „Frolic“ Frühinsfeld sind Conrads Kartell. Sie stehen vor der Veröffentlichung ihrer Debüt-CD „Direkt ins Panorama“. Foto: Stefan Bausewein

„Direkt ins Panorama – wir finden das klingt nach Aufbruch“, sagen Hannes Conrads, Felix Leitner und Simon Ort, alle 27. Und weil sie schon vor 14 Jahren in der siebten Klasse des Wirsberg-Gymnasiums erstmals miteinander musizierten, fühlen sie sich nun bereit für den Aufbruch in die Live-Clubs, Musikmagazine und Verkaufs-Charts des Landes. Am Freitag, 19. April, stellt Conrads Kartell die Debüt-CD „Direkt ins Panorama“ ab 20 Uhr in der Würzburger Kellerperle vor.

Stell Dir vor, das wär' ein Chevy und wir führen ohne Verdeck

und ein Tape von Willie Nelson aus der großen Box im Eck

Der Horizont flattert, doch der Fahrtwind macht es frisch

Und die Landstraße im Frühherbst wär' ein Highway eigentlich

Ein Chevy, Country-Ikone Willie Nelson, ein Highway – amerikanische Einflüsse kann Hannes Conrads, der Hauptsongschreiber und Namensgeber der Band nicht leugnen. „Bob Dylan, Tom Waits und Woody Guthrie“ nennt er als seine größten Einflüsse, dazu die Rolling Stones und junge Bands wie Old Crow Medicine Show und die Felice Brothers. Bis vor zwei Jahren noch schrieb Hannes seine Songs auf Englisch, stilistisch seinen Vorbildern nahe, und präsentierte sie mit Felix und Simon als „One-Eyed Cats“.

„Doch ich merkte, dass ich beim Schreiben in Englisch zu hohe Hürden zu überwinden hatte. Wenn ich in Deutsch schreibe, steht mir die ganze Sprache offen; ich muss nicht mit Wortschatz und Grammatik kämpfen.“ Überraschend, dass Hannes diese Erkenntnis so spät kam. Sein Vater Bernie Conrads war als Kopf von Bernies Autobahn-Band ein erfolgreicher deutschsprachiger Folkmusiker in den 70er Jahren und schrieb danach Songs für Ruhrpott-Rocker Stoppok, bis sogar Peter Maffay mit ihm zusammenarbeiten wollte.

Während Bernies beste Songs von Lakonik und leisem Humor geprägt sind, schreibt Hannes die poetisch überbordenden Texte eines jungen Mannes. „Es geht um Orientierungslosigkeit und darum, ob das Leben nicht schon längst so sein sollte, wie man es sich früher immer vorstellte“, sagt er. „Fast alle Songs beginnen mit dem Text.“

Du stehst nicht am Abgrund, du läufst ihm entgegen

mit wehenden Fahnen und blitzendem Degen

Du stolperst und taumelst direkt aus der Wiege

und kämpfst für dein Königreich Windmühlenkriege

Mit deutschen Texten emanzipiert sich auch die Musik von den Folk- und Rockwurzeln ihres Songschreibers. „Ich verfalle nicht mehr so schnell in bekannte Muster, sowohl textlich wie auch musikalisch“, erklärt Hannes Conrads. „Zudem färben die Charaktere in der Band auch ihren Sound“, ergänzt Leitner.

Seit eineinhalb Jahren gehören die studierten Musiker Frank Adelt (Piano) und Thomas „Frolic“ Frühinsfeld (Schlagzeug) zu Conrads Kartell. So vermischen sich Folk, Country und Rock mit HipHop-Einflüssen der Gegenwart und dem Jazz-Background einiger Bandmitglieder. Am überzeugendsten geschieht dies im modern-trippigen „Von den Dächern“ oder dem chanson-artigen „Zirkusclown“. Stark ist das Kartell auch, wenn es Conrads‘ Texte unaufdringlich begleitet wie in „Bilder der flüchtigen Welt“, „Für Matilda“ oder dem Herzstück des Albums, „Gangster und Kometen“. Wer will es fünf jungen Musikern verübeln, wenn einige Songs des Debütalbums so klingen, als sei an ihnen zu lange gefeilt worden, als seien zu viele Ideen ins Arrangement gepackt worden? Wiedererkennungswert haben die Stücke dennoch, das liegt schon an Hannes Conrads‘ nasaler Charakterstimme.

Gut möglich, dass diese Stimme und Conrads Kartell demnächst auf größeren Bühnen als in der Kellerperle zu hören sind. Schon im vergangenen Jahr spielten die Würzburger beim renommierten Bardentreffen in Nürnberg, für diesen Sommer sind beim Schlossgrabenfest Open-Air in Darmstadt gebucht. Wo die Band sonst noch hinwill? Direkt ins Panorama.

Zwischen Gangstern und Kometen, da weiß ich, wo ich bin

die Wolken so weit oben ...und ich so mittendrin.

Konzert: An diesem Freitag, 19. April, stellt Conrads Kartell die Debüt-CD „Direkt ins Panorama“ ab 20 Uhr in der Würzburger Kellerperle vor.

Schlagworte

  • Bob Dylan
  • Kartelle
  • Musizieren
  • Peter Maffay
  • The Rolling Stones
  • Tom Waits
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!