WÜRZBURG

Berufsmusiker geben Schülern Tipps fürs Leben

Harry Reischmann am Schlagzeug: Der Berufsmusiker gab Schülern einer Würzburger Privatschule Tipps. Foto: Sandra Liermann

Trommelstöcke wirbeln durch die Luft, das Fußpedal trifft wie ein Gewehrschuss auf die große Trommel, die Becken zittern. Alles bebt und schwingt. Nach seinem Auftritt schiebt sich Schlagzeuger Harry Reischmann die schwarze Haarmähne aus dem Gesicht und grinst: „Normalerweise spuck‘ ich dabei noch Feuer. Heute lass ich das aber besser!“.

Der 37-jährige gebürtige Neu-Ulmer ist Schlagzeuger der Rock-Bands Bonfire und Gregorian, mit denen er bereits auf der Akropolis in Athen und im Kreml in Moskau aufgetreten ist. Auch in Sibirien, China und den USA stand er schon auf der Bühne.

Jetzt veranstaltete Reischmann mit seinem Schlagzeuger-Kollegen Florian Dauner einen Workshop in der Würzburger USS GmbH. In dem privaten Bildungsinstitut können Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, innerhalb eines Jahres einen Schulabschluss nachholen und werden auf das Arbeitsleben vorbereitet.

Reischmann lernte ursprünglich Klarinette

Bereits zum zweiten Mal gab Reischmann, der mit dem Leiter der USS GmbH Marco Pfenning befreundet ist, 50 jungen Leute einen Einblick in sein Können und beantwortete bereitwillig Fragen zum Leben als Berufsmusiker.

Seine Feuertaufe als Schlagzeuger erlebte der 13-jährige Reischmann bei einem Auftritt mit seinem Musikverein in Neu-Ulm. Eigentlich spielte er dort Klarinette. Als der vorgesehen Schlagzeuger zu einem Auftritt nicht auftauchte, sah Reischmann seine Chance. „Ich mach das, Leute. Ich kann das“, sagte er. „Ich spiel‘ schließlich schon seit zwei Wochen!“ Der Auftritt lief gut, die Entscheidung war gefallen.

Im Alter von 15 Jahren entschied sich Reischmann zu einem Schritt, der wohl viele Eltern in den Wahnsinn treiben würde. Mit den Worten „Ich werd‘ Rockstar“ beendete er die Schule und widmete sich nun voll und ganz seiner Musikerkarriere. Hat er diesen Schritt jemals bereut? „Nein, nie!“, sagt er. „Für mich wäre es die Hölle gewesen, weiter jeden Tag im Klassenraum sitzen zu müssen. Allein das frühe Aufstehen ist einfach nichts für mich“.

Die Karriere im Blick, übte Reischmann in dieser Zeit oft 12 bis 15 Stunden am Tag. „Man muss so viel wie möglich machen, wenn man jung ist“, erklärt er. „Wenn man von der Musik leben will, kann man halt nicht am Baggersee mit den Freunden saufen, sondern muss zu Hause sein und üben“. Trotz seiner Disziplin, dauerte es noch zehn Jahre, bis er von der Musik „leben, und nicht bloß überleben“ konnte, wie er selber sagt.

Einen Ratschlag, der sich nicht nur auf die Musik beziehen lässt, gibt er den Jugendlichen an der USS GmbH mit auf den Weg: „Man lernt niemals aus“. Auch deshalb nimmt er auch nach über 20 Jahren im Musik-Business immer noch regelmäßig an Workshops und Seminaren teil. Und nimmt auch gerne Einzelunterricht bei einem seiner Vorbilder.

Ein Schlagzeuger, bei dem Reischmann schon gelernt hat, war ebenfalls der Einladung von Marco Pfenning in die USS GmbH gefolgt. Wie Reischmann hat auch der 44-jährige Florian Dauner seine Leidenschaft für das Instrument früh entdeckt.

Dauner spielt regelmäßig in "The-Voice-of-Germany"-Band

Der Sohn des Jazzpianisten Wolfgang Dauner fing bereits im Alter von fünf Jahren an, Schlagzeug zu spielen. Mit 16 Jahren entschied er sich, nicht weiter zur Schule zu gehen und sich voll und ganz auf die Musik zu konzentrieren – allerdings nicht, um Rockmusiker zu werden. Bekannt geworden ist Dauner mit der Stuttgarter Hip-Hop-Band Die Fantastischen Vier, deren Alben regelmäßig Platinstatus erlangen. „Ich bin seit 21 Jahren dabei, die haben nie ohne mich gespielt“, erzählt er.

Außerdem spielt er regelmäßig in der Band der Pro 7-Casting-Show „The Voice of Germany“, durch die auch Andreas Kümmert berühmt wurde.

„Machst du nur die Musik, die dir persönlich gefällt?“, will ein Schüler der USS GmbH von Dauner wissen. Er überlegt kurz: „Wenn man davon leben will, ist es schwierig, keine Kompromisse einzugehen.“ Auch Dauner gibt den jungen Menschen einen Ratschlag mit auf den Weg, der nicht nur für das Musikbusiness gilt: „Talent ist zwar von Vorteil, aber grundsätzlich ist alles erlernbar. Das Wichtigste ist, dass ihr Interesse an dem habt, was ihr macht“.

Zum Abschluss des Workshops gibt ein Nachwuchsmusiker sein Können zum Besten: Ingo Röll. Der 22-Jährige aus Burgsinn (Landkreis Main-Spessart) ist selbst Schüler der privaten Bildungseinrichtung und wie Kümmert durch seine Auftritte bei „The Voice of Germany“ bekannt geworden.

Gemeinsam mit dem Gitarristen Axel Knott spielt Röll beim Drummer-Workshop einen Song von seiner kürzlich erschienenen CD „I see you“ sowie den Song, mit dem er bei „The Voice of Germany“ großen Zuspruch der Jury erfahren hat. Zu den ersten Klängen des Songs „The man who can?t be moved“ lässt Röll sich nur von der Gitarre begleiten. Nach und nach steigen auch Reischmann und Dauner ein.

Auf den verschwitzten Gesichtern zeichnet sich bei geschlossenen Augen ein Lächeln ab. Die Musiker sind in ihrem Element.

Bekannt auf „Voice of Germany“: Ingo Röll (rechts) mit Gitarrist Axel Knott und Florian Dauner am Schlagzeug. SANDRA LIERMANN Foto: Foto:

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