REGION WÜRZBURG (RS)

Besserer Schutz für den Kormoran

Bernhard Neckermann, Vorsitzender der Kreisgruppe Würzburg des Landesbundes für Vogelschutz, macht sich Sorgen um die Kormorane, die mittlerweile wieder im großen Stil abgeschossen werden.
Fast ausgerottet, dann geschützt und jetzt wieder auf der Abschussliste: der Kormoran.       -  Fast ausgerottet, dann geschützt und jetzt wieder auf der Abschussliste: der Kormoran.
Fast ausgerottet, dann geschützt und jetzt wieder auf der Abschussliste: der Kormoran. Foto: FOTO ARMIN SAUTER

Ende der siebziger Jahre war der Kormoran in Deutschland fast ausgerottet. Seit der Vogel unter Schutz steht, nahmen die Bestände wieder zu. Nun geht es dem Kormoran erneut an den Kragen.

Grundsätzlich gilt, dass der Kormoran wie alle anderen Vogelarten Europas durch die EU-Vogelschutzrichtlinie von der Verfolgung ausgenommen ist, in Deutschland regelt dies das Bundesnaturschutzgesetzt. Es stuft den Kormoran als „besonders geschützte Art“ ein.

Richtet eine Art jedoch volkswirtschaftlichen Schaden an, wie es im Fachjargon heißt, dürfen die Bundesländer Ausnahmeregelungen treffen.

Kormorane treten in Süddeutschland als Durchzügler und Überwinterer in nennenswerter Zahl seit Anfang der neunziger Jahre auf. Seitdem entwickelten sich auch einige Brutkolonien. In Ochsenfurt zählte Neckermann im Winter 1999/2000 noch 250 Kormorane, im Winter 2005/2006 waren es ganze 50 Tiere. Mainaufwärts entstand jedoch ein zweiter Schlafplatz mit 25 Tieren. Diese Zersplitterung führt Neckermann auf Vergrämungsmaßnahmen zurück.

Im Winter 2005/2006 wurden in Bayern laut Neckermann sogar erstmals mehr Kormorane geschossen, als im Mittel anwesend waren. Nun werden sogar in Schutzgebieten, Ausnahmeregelungen erteilt, die auf der Annahme fußen, der Kormorane fresse zu viele Fische. Diese Ausnahmegenehmigungen werden von Neckermann scharf kritisiert, weil sie erhebliche Störungen der Tierwelt in diesen Gebieten verursachen.

Neckermann meint, dass der Kormoran als Sündenbock für Fehler beim Fischbesatz des Mains herhalten muss. So ergab ein Befischungsprojekt am Main bei Würzburg einen sehr hohen Bestand großer Welse, die viele Fische erbeuten. Hinzu kommt gerade in Bayern eine Zunahme durch die Einschleppung der räuberisch lebenden Grundel aus dem Schwarzmeer, die in unkalkulierbarer Weise Einfluss auf die heimischen Fischarten nimmt.

Der Landesbund für Vogelschutz fordert deshalb, Abschüsse nur dort, wo „nachweislich“ erforderlich. In Schutzgebieten soll die Jagd auf Kormorane ganz verboten werden.

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