UNTERPLEICHFELD

Bio wollen und dann doch billig kaufen

Reges Interesse an der Pilzzucht von Rainer Wild (rechts) zeigten Vertreter der Politik und des Bauernverbands. Mit dabei waren die beiden Landtagsabgeordneten Manfred Ländner und Kerstin Celina (Zweiter und Dritte von rechts). Foto: Irene Konrad

„Stallgespräch“ nennt sich eine Plattform des Bauernverbands mit Bezug auf die Grüne Woche. Seit Freitag präsentieren sich in Berlin wieder die Bereiche Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau. Das nutzt auch der Bauernverband im Landkreis Würzburg zum Informationsaustausch.

Kreisobmann Michael Stolzenberger aus Bütthard/Oesfeld, Kreisbäuerin Martina Wild aus Unterpleichfeld und Geschäftsführer Elmar Konrad vom BBV-Kreisverband Würzburg hatten Politiker aus der Region zu einem Stallgespräch eingeladen – auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Rainer Wild in Unterpleichfeld und bei einem Arbeitsessen im Bergtheimer Sportheim.

20 Teilnehmer waren vor Ort, unter ihnen Mitglieder des BBV-Kreisverbands und Andreas Maier, der Leiter des Würzburger Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Die kleine Gruppe ermöglichte einen intensiven Austausch. Vor allem die beiden Kürnacher Landtagsabgeordneten Manfred Ländner (CSU) und Kerstin Celina (Bündnis 90/Die Grünen) lieferten sich einem regen Schlagabtausch. Auch die Bürgermeister Konrad Schlier (CSU) aus Bergtheim und Alois Fischer (Freie Wähler) aus Unterpleichfeld diskutierten rege mit.

Wie sich Landwirte heute aufstellen, zeigt sich bei Rainer und Carina Wild. Die junge Familie hat sich der Pilzzucht verschrieben. In den ehemaligen Stallungen auf dem Hof im Ort züchten sie das ganze Jahr über biologische Speisepilze: den Edelpilz Shii-Take, den feinen Austern-Seitling und zunehmend den Kräuterseitling.

Familie Wild bewirtschaftet auch 80 Hektar Land mit Weizen, Mais, Zuckerrüben und Grünland. Sie hat im Außenbereich einen Stall für 1165 Mastschweine und betreibt eine Biogasanlage. Damit erzeugt sie umweltfreundlichen Strom. Die Abwärme wird über ein Nahwärmenetz zum Heizen von 50 Häusern in Burggrumbach genutzt.

Rainer Wild bedauert es, dass die Landwirtschaft in der Gesellschaft einen schlechten Ruf bekommen hat und „wir den Verbraucher schon vor 20 Jahren verloren haben“. „Die Menschen fordern Regionalität, Bioprodukte, Umweltschutz und CO2-Neutralität, das machen wir alles“, erläutert er den Kommunalpolitikern.

Trotzdem frage er sich, ob er seinem kleinen Sohn einmal empfehlen kann, den Beruf eines Landwirts auszuüben oder ob man das Feld „nur noch den Großbetrieben überlassen soll“. Das Förderwesen in der Landwirtschaft sei nicht mehr auf Familienbetriebe sondern auf Erzeugergemeinschaften zugeschnitten.

Wild empfindet „die politischen Forderungen und Förderungen als sehr schwankend“. Als Beispiele nannte er Biogasanlagen, die Bayerische Eiweißinitiative (damit soll der Import an Überseesoja reduziert und der Anbau heimischer Eiweißpflanzen gefördert werden) und das Greening-Programm zur Erhaltung von Dauergrünflächen oder Streuobstwiesen. Oft gebe es einen Hype bei der Einführung der Programme und später manchen „Schlag ins Gesicht“ durch „ständig neue Forderungen und Auflagen“.

„Wunsch und Realität sind zwei verschiedene Paar Stiefel“, verdeutlichte BBV-Geschäftsführer Elmar Konrad. Die Menschen wünschten sich Regionalität und Frische, kauften aber verpackte Lebensmittel aus dem Supermarkt. Sie wollten ökologisch produzierte Lebensmittel, griffen aber nach Billigprodukten. Sie prangerten Tiertransporte an, aber die kleinen Schlachtereien und Metzgereien in der Region gingen ein.

„Jedes Berufsbild verändert sich, auch in der Landwirtschaft“, meinte Landtagsabgeordnete Celina. Sie ist überzeugt, dass die Gesellschaft „ethische Fragen“ wie zum Schreddern männlicher Küken, zur Kastration von Ferkeln, zum Flächenverbrauch oder Umweltschutz stellt und „die Politik diese Stimmungen nur aufgreift“.

„Man kann nicht mit pauschalen Vorschlägen durch das Land ziehen“, meint dagegen Landtagsabgeordneter Ländner. Viele Menschen hätten das Vertrauen in die Landwirtschaft verloren, bedauerte er unisono mit den BBV-Funktionären. Gemeinsam Lösungen zu aktuellen Fragen zu suchen und das Für und Wider von Experten begleiten zu lassen, das wünscht sich Geschäftsführer Konrad.

Für Kreisbäuerin Martina Wild sind Bildung und das Eingehen auf Emotionen wichtig. Sie sei deshalb dem bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten dankbar für die Förderprogramme „Erlebnis Bauernhof“ und „Landfrauen machen Schule“. Beide sind für Grundschüler konzipiert.

„Wunsch und Realität sind zwei verschiedene Paar Stiefel.“
Elmar Konrad, BBV-Geschäftsführer
So wachsen die Shii-Take-Pilze bei Familie Wild in Unterpleichfeld. Foto: Irene Konrad

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