WÜRZBURG

Bischof Franz Jung: Ein echter Weinkenner

Begegnunsabend
Herzhaft lachte der Bischof Franz Jung am Freitagabend im Burkardushaus über das kirchliche Kabarett der Gruppe Cherubum. Foto: Patty Varasano

Er liest gerne Joseph Roth, liebt die Impressionisten, zeichnet sogar selbst und hört am liebsten Gustav Mahler. 160 Gäste hatten am Freitagabend die Möglichkeit, den neuen Würzburger Bischof Franz Jung nicht im Gottesdienst, sondern bei einem Begegnungsabend sehr persönlich zu erleben. Kommunikativ, fröhlich und spirituell präsentierte sich das neue Kirchenoberhaupt bei der Veranstaltung mit dem Titel „Da bin ich also“, zu der Domschule Würzburg, Bayerischer Rundfunk und das Medienhaus der Diözese ins Burkardushaus nach Würzburg eingeladen hatten.

Helden des Alltags: alleinerziehende Mütter

„Vielleicht bekommen wir das ein oder andere noch aus Ihnen heraus, was wir noch nicht über Sie wissen“, stimmte BR-Moderator Eberhard Schellenberger auf seinen Schlagfertigkeitscheck ein. Anhand eines Fragebogens nach Marcel Proust verriet der 89. Bischof von Würzburg zum Beispiel, dass seine Helden des Alltags alleinerziehende Mütter seien. Oder, dass das vollkommene irdische Glück für ihn sei, wenn er gelernt habe, mit den eigenen Grenzen und denen der Mitmenschen zu leben.

Begegnunsabend
Den neuen Bischof Franz Jung näher kennenlernen konnten 160 Gläubige bei einer Abendveranstaltung in Burkardushaus in Würzburg. Foto: Patty Varasano

Schellenberger hatte engagierte kirchliche Akteure aus dem gesamten Bistum eingeladen, die formulierten, was sie sich von dem neuen Bischof für die Zukunft wünschten. Robert König, Leiter der Passionsspiele in Sömmersdorf (Lkr. Schweinfurt) kam in seinem Kostüm als Pontius Pilatus und beeindruckte den Bischof mit der Information, dass rund 470 der 680 Einwohner des Ortes auf und hinter der Bühne dazu beitragen, die Leidensgeschichte Jesu lebendig werden zu lassen. Der Bischof versprach, sich die Spiele bald selbst anzuschauen.

Bischof fährt mit 2000 Ministranten nach Rom

Pfarrer Simon Mayer aus Karlstadt wünschte sich vor allem Transparenz und Zuverlässigkeit bei allen Entscheidungen rund um die Pastoralreform. Die Oberministrantin Julia Glaser aus Alzenau-Albstadt verdeutlichte die Wichtigkeit der kirchlichen Jugendarbeit: „Engagement in der Kirche kann Halt geben. Wir wollen wieder mehr Kinder und Jugendliche einbinden“, sagte Glaser. Besonders freute sie sich, dass Bischof Jung mit 2000 Ministranten im August zu einer Wallfahrt nach Rom fährt.

Suche nach individuellen Lösungen

Der Bischof, im schlichten grauen Anzug gekleidet, hörte allen aufmerksam zu und nahm sich für jeden Gesprächspartner ausreichend Zeit. Klaudia Schwarz, Vorsitzende des Dekanatsrats Haßberge, wünschte sich Freiräume und gleichzeitig professionelle Begleitung auf dem Weg der Pastoralreform. Jung versprach, sich zunächst einen Überblick über sein Bistum zu verschaffen. Die ländlichen Regionen seien immer anders aufgestellt als die Städte. Aus seiner Erfahrung bei ähnlichen Prozessen in Speyer wisse er, dass man immer nach individuellen Lösungen suchen müsse.

Wallfahren vertieft den Glauben

Besonders freute er sich, dass die Wallfahrt in Unterfranken ein großes Thema ist. Angelika Somaruga, Leiterin des Wirtschaftsbetriebs auf dem Kreuzberg in der Rhön, berichtete von der alljährlichen Kreuzbergwallfahrt. „Wenn die etwa 500 Wallfahrer auf dem Kreuzberg einziehen, das ist für mich jedes Jahr wieder ein Gänsehautmoment“, sagte Somaruga. Bischof Jung sagte, der Pilger sei ein Leitbild für die Kirche der Zukunft. „Das Wallfahren ist seelsorgerisch sehr gut, es vertieft den Glauben und man erlebt Gemeinschaft.“

Kirche nicht kleinschrumpfen

Für die „Pastoral der Zukunft“ wolle der Bischof möglichst schnell einen Plan erstellen: „Solche Veränderungen müssen in einem überschaubaren Zeitraum geschehen, damit die Ehrenamtlichen auch nicht die Lust verlieren.“ Allen großen Organisationen gingen Leute verloren, so Bischof Jung. Sein Ziel sei, in die Zukunft nach vorne zu denken und die Kirche nicht klein zu schrumpfen. „Lasst uns dem Umbruch beherzt gestalten“, sagte er. Der Ökumene gegenüber zeigte sich der Bischof sehr aufgeschlossen: „Es geht um die Menschen, die für Christus brennen und sich für Christus einsetzen wollen.“ Gemeinsame Nutzungen von Pfarrräumen seien für ihn durchaus denkbar.

Valentin Findling am Flügel und Hubert Winter am Saxophon sorgten mit ihren leichten sommerlichen Improvisationen immer wieder für musikalische Pausen. Herzhaft lachen musste der Bischof auch über die Sketche des Kirchenkabaretts „Cherubim“. Das ließ unter anderem eine Engelsschar über die Ernennung Jungs zum Würzburger Bischof sinnieren und im Blick auf einen gewissen „Horst“, der in Bayern an vielen Stellen auftrete, betonen: „Es hätt' schlimmer kommen können.“

Zum Abschluss des unterhaltsamen Abends erweis sich der neue Bischof als echter Weinkenner: Bei einer Blindverkostung konnte er fränkischen Silvaner von einem Pfälzer Riesling unterscheiden, das brachte ihm viele fränkische Sympathien und noch einmal ordentlich Applaus.

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