Weikersheim

Bist du behindert oder was?

„Wenn mich jemand im Rollstuhl gesehen hat, hat man mich eigentlich immer dumm angeschaut und manche haben dumme Kommentare gesagt. Ich bin froh, dass ich nur für einen Tag im Rollstuhl war, da ich es deprimierend fand zu sehen, wie sich jeder bewegen kann und Spaß haben kann. Und zu wissen, dass ich das nicht kann. Am Ende vom Tag konnte ich aber wieder aufstehen, während andere ihr ganzes Leben im Rollstuhl verbringen.“

Im Rahmen der Vorbereitung der künftigen Prüfungslektüre für das Fach Deutsch hat sich Annika aus der Klasse 9/1 der Gemeinschaftsschule Weikersheim für einen Schultag in einen Rollstuhl gesetzt. Sie wollte erfahren, wie es ist, behindert zu sein. Also mit alltäglichen Dingen zu leben, die plötzlich zu einer Behinderung, einem nur schwer überwindbaren Hindernis werden. Marie, die Annika dabei begleitet hat und aufpasste, dass ihr nichts passiert, schreibt in ihrem Bericht:

Reaktionen sehr verschieden

„Die Reaktionen der Mitschüler sind sehr verschieden. Da sehr viele wissen, dass es nur ein Schulexperiment ist, nennen viele sie ‚Krüppel‘, aber nur aus Spaß. Besonders die Grundschulkinder schauen sehr komisch, doch sie sagen nichts. Es kümmern sich trotzdem alle um Annika. Sie wird nicht ausgeschlossen.“

Anders geht es Andy in der Prüfungslektüre „Der Sonne nach“. Andy kann nur minimal sprechen und sich bewegen. Als der Raufbold Dario von der Schulleitung dazu verdonnert wird, sich um Andy zu kümmern, versucht Dario ganz in der Manier des Kino-Klassikers „Ziemlich beste Freunde“ zu zeigen, was das Leben jenseits der bevormundenden Schutzzone von Pflegern, Schule und Eltern zu bieten hat.

Inklusion ist ein Menschenrecht

Die Kooperation mit den Theatermachern der Frankenfestspielen in Röttingen, die im kommenden Sommer das Stück „Ziemlich beste Freunde“ auf die Bühne bringen, ermöglichte Anna Christina Harandt einen ähnlichen theaterpädagogischen Zugang zum Stoff der Prüfungslektüre. Hier sind die Schüler in die Charakteren von Dario und Andy geschlüpft, haben in Gruppen Exklusion, Separation, Integration oder Inklusion nachgestellt oder nur durch Blicke Gefühle wie Angst oder Glück ausgedrückt.

Insgesamt ist klar geworden, was Inklusion bedeutet und ausmacht. Was gemeint ist, wenn – wie am 3. Dezember, dem internationalen Tag der Menschen mit Behinderung – gefordert wird: Inklusion ist ein Menschenrecht, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, ist Teilhabe von Menschen mit Behinderung auf allen Ebenen.

Von: Jonas Terrahe, Deutschlehrer der Klasse 9/1 an der GMS Weikersheim

Im Rahmen der Vorbereitung der künftigen Prüfungslektüre für das Fach Deutsch hat sich Annika aus der Klasse 9/1 der Gemeinschaftsschule Weikersheim für einen Schultag in einen Rollstuhl gesetzt. Foto: Jonas Terrahe

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