WÜRZBURG

Blick auf die Nöte der Flüchtlinge

Guter Zuhörer: Den Menschen in der Erstunterbringung sprach Weihbischof Ulrich Boom (Mitte) Mut zu. Foto: FOTO Kerstin Schmeiser-Weiß

„Wir machen hier eine ganz wichtige Arbeit für eine neue Gesellschaft.“ Das hat Weihbischof Ulrich Boom nach einem Besuch der Gemeinschaftsunterkunft in der Dürrbachau betont. Im Rahmen der Visitation des Dekanats Würzburg-Stadt sprach er mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Flüchtlingsbetreuung. Diesen dankte er ausdrücklich für ihre Arbeit: „Sie tragen mit ihrem Engagement ein wenig dazu bei, dass Gott das Unmögliche möglich macht.“

„Alles Gute und Gottes Segen. Salam, salam“ – beim Rundgang durch die Gemeinschaftsunterkunft Würzburg schüttelte Weihbischof Ulrich Boom viele Hände und sprach den Menschen Mut zu. Derzeit leben hier rund 450 Flüchtlinge, erklärte Thomas Weingart, bei der Regierung von Unterfranken für Flüchtlingsbetreuung und Integration zuständig. Dazu kämen weitere 130 Menschen, die sich hier – als Außenstelle der Aufnahmeeinrichtung Schweinfurt – in der Erstunterbringung befinden. „Vor zwei Jahren war die Gemeinschaftsunterkunft Würzburg noch die größte Einrichtung ihrer Art, doch heute zählt sie sogar in Würzburg zu den kleineren Einrichtungen“, sagte er.

Orhan Demircan, Leiter der Gemeinschaftsunterkunft, lenkte die Aufmerksamkeit vor allem auf die Menschen in der Erstunterbringung: „Die Erstunterbringung ist ein Schwebezustand.“ Manche Asylbewerber bekämen bereits nach wenigen Tagen einen Termin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Aber es komme auch vor, dass Menschen bis zu zwei Monate warten müssten. Er könne ihnen nur immer wieder zureden, dass sie ja zumindest ein Dach über dem Kopf hätten und Geduld haben müssten.

Beim Gespräch des Weihbischofs mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern lag ein weiterer Schwerpunkt auf den Problemen, die sich durch die Umverteilung der Flüchtlinge ergeben. „Mein Spitzenreiter war ein Mann, der in 14 Unterkünften war“, erzählte Eva Peteler, ehrenamtliche Flüchtlingshelferin. „So stark kann ein Mensch gar nicht sein, dass das keine Spuren hinterlässt.“ Beim Nachschicken der Post von einer Unterkunft zur nächsten seien schon wichtige Dokumente verloren gegangen. „So kann ich mit Menschen nicht umgehen“, sagte Peteler.

„An dieser ständigen Umzieherei verzweifeln Flüchtlinge wie Ehrenamtliche“, bestätigte Pastorale Mitarbeiterin Uta Deitert. Bei den Ehrenamtlichen könne sie einen wachsenden Frust beobachten. „Auch sie werden ausgepowert, wenn sie jede Woche wieder von vorne anfangen müssen.“ In den Zelten, die bis zum Oktober im Stadtteil Zellerau standen, sei mit der Zeit eine Gemeinschaft unter den Flüchtlingen entstanden, erzählte Ilona Kaup, kommissarische Dienststellenleiterin der Flüchtlingsberatung beim Diözesancaritasverband Würzburg. „Und dann kamen sie auf einmal in unterschiedliche Unterkünfte.“ „Wir erleben seit diesem Sommer eine Krisensituation“, bestätigte Thomas Kipple, Leiter des Fachbereichs Flüchtlingsberatung und Migration beim Diözesancaritasverband Würzburg.

Es gab auch positive Erlebnisse zu berichten. So erzählte zum Beispiel Marianne Schäffner von ihrem Engagement als „Vorleseoma“ in im Kindergarten Heilig Geist. „Man bekommt erstaunlicherweise sehr schnell Kontakt zu den Flüchtlingskindern“, sagte sie. „Wenn die Kinder noch kein Deutsch können, schauen wir zusammen Bilder an und ich spreche ihnen die Wörter vor. Das Wort ,Vorleseoma‘ kennen sie gleich.“

Derzeit besuchten 17 Kinder aus der Gemeinschaftsunterkunft den Kindergarten, erklärte Leiterin Katja Romberg. Im Eingangsbereich werden die Kinder auf einem Plakat in vielen verschiedenen Sprachen begrüßt. Auf ganzen Fotowänden können auch jene Eltern, die kein Deutsch sprechen, sehen, was ihre Kinder im Kindergarten machen.

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