WÜRZBURG

Blitzeis: Unfälle und Knochenbrüche im Landkreis Würzburg

Blitzeis in Höchberg: Vielerorts konnte der Verkehr erst wieder Fahrt aufnehmen, nachdem das Streufahrzeug durch war. Foto: Matthias Ernst
„Ohne Ketten an den Reifen hätten wir den Berg hoch nicht geschafft.“
Paul Justice über den spiegelglatten Weg zur Y-Spange

Paul Justice musste die Schneeketten an seinem Einsatzwagen anlegen, als er Montagmorgen kurz vor acht Uhr zu einem Einsatz an der Y-Spange gerufen wurde. „Dort war es spiegelglatt. Ohne Ketten an den Reifen hätten wir den Berg hoch nicht geschafft.“ Ein Auto hatte sich überschlagen. Feuerwehr und Rettungsdienst wurden zu diesem Unfall gerufen. Allein über 30 Unfälle verzeichnete die Polizei im Landkreis Würzburg.

Telefone standen nicht still

Kaum trafen am Montagmorgen die ersten Regentropfen auf dem gefrorenen Boden, begann sich sofort eine Eisschicht zu bilden. Fußgänger rutschten aus, Autos schlitterten über den Asphalt. Gegen acht Uhr begann die gefährliche Rutschpartie im Landkreis. In der Integrierten Leitstelle in Würzburg blieb das Telefon nicht mehr still. Mehr als doppelt so viele Anrufe als sonst gingen ein. 240 in zwei Stunden. Wie viele genau davon den Landkreis Würzburg betrafen, lässt sich einzeln nur schwer nachvollziehen, weil die Würzburger Leitstelle auch für die Landkreise Kitzingen und Main-Spessart zuständig ist.

Auch ein Feuerwehrauto und vier Streufahrzeuge hatten Pech

Ähnlich ging es bei der Polizeiinspektion Würzburg-Land an diesem Morgen zu. Nach und nach wurden die Streifenwagen zu Unfällen in den Landkreis gerufen. Über 30 weist die Statistik am Nachmittag auf. Noch waren aber nicht alle Einsätze registriert, weil einige Polizisten mit der Unfallaufnahme vor Ort noch beschäftigt waren.

Zu Bruch gingen ein Leitpfosten, ein Verkehrsschild, eine Schranke und drei Laternen. Fünf Mauern wurden durch Glatteisunfälle beschädigt. Zehn Mal, so teilt die Polizeiinspektion Würzburg-Land mit, sei ein Fahrzeug in ein geparktes Auto gerutscht. Auch ein Feuerwehrauto und vier Streufahrzeuge hatten Pech und werden in Unfälle verwickelt oder rutschen zu schnell um die Kurve, berichtet die Polizeiinspektion Würzburg–Land.

Die meisten Glatteisunfälle aber verliefen glimpflich und die Beteiligten kamen mit einem Blechschaden an ihren Fahrzeugen davon. Bei zwei der über 30 Unfälle im Landkreis Würzburg, darunter auch der an der Y-Spange, wurden zwei Personen verletzt, teilt die Polizeiinspektion Würzburg-Land mit. Ein Radfahrer hatte sich bei einem Sturz den Arm gebrochen.

Viele Unfälle auf der A 3 und der A 81

Paul Justice, Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst - und Feuerwehralarmierung, weiß auch von vielen Verkehrsunfällen auf der Autobahn 81 zwischen Gerchsheim und Tauberbischofsheim. Auch auf der A 3 hinter Helmstadt habe es in beide Richtungen mehrere Unfälle gegeben, zu denen der Rettungsdienst gerufen wurde. Auch Christoph 18, der in Ochsenfurt stationierte Rettungshubschrauber und ein Helikopter aus Frankfurt waren im Einsatz. „Gott sei Dank konnten die fliegen.“

„Neben den Verkehrsunfällen hat es natürlich auch noch etliche sturzbedingte Verletzungen gegeben“, so Justice. Wie viele, ließe sich nicht genau feststellen. Denn oft würden die Verletzten von Angehörigen in die Klinik oder zum Arzt gefahren. Großes Lob spricht Justice den Hilfsorganisationen Malteser, BRK und Johanniter aus. „Heute Morgen hat man erleben können, wie wichtig die Einsatzbereitschaft der ehrenamtlichen Schnelleinsatzgruppen ist“, sagt er. So haben alle zusätzliche Fahrzeuge bereitgestellt. „Ohne die hätten viele Patienten noch länger auf Hilfe warten müssen.“ Auch aus dem Nachbarlandkreis Kitzingen waren Rettungswagen im Landkreis Würzburg eingesetzt.

Das plötzlich einsetzende Blitzeis hatte auch die Linienbusse im Landkreis festgesetzt. Kurz nach 7.30 Uhr wurde überall der Verkehr für etwa zwei Stunden eingestellt, erklärt Dominik Stiller, Geschäftsführer der Nahverkehr Würzburg Mainfranken (NWM).

Linienverkehr stand still

„Wir haben die Devise ausgegeben, jeder Fahrer muss selbst einschätzen, ob er fahren kann oder nicht – und viele haben es vernünftigerweise nicht getan“, sagt Alexander Schraml, Chef des Kommunalunternehmens des Landkreises Würzburg und damit auch verantwortlich für den öffentlichen Personen Nahverkehr im Landkreis.

Die Müllabfuhr, für die Schraml ebenso verantwortlich ist, hat vormittags erst einmal Pause gemacht. Aber auch dann galt: "Wo es unproblematisch ist, fahren wir." Wem die Situation zu heikel war, der durfte nach Hause. „Auch hier haben wir den Fahrern die Entscheidung überlassen“, so Schraml.

Ruhiger ging es hingegen im Altlandkreis Ochsenfurt zu. Die Polizei wurde zu einem glatteisbedingten Verkehrsunfall gerufen. „Das lag auch daran, dass die Hauptstraßen gut gestreut waren und eisfrei blieben“, erklärt der stellvertretende Inspektionsleiter Armin Fuchs. Denn kurz nachdem die Unwetterwarnung kam, wären alle Streufahrzeuge der Straßenmeisterei Ochsenfurt bereits im Einsatz gewesen.

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