NEUBRUNN

Böllerschützen ließen Neubrunn erbeben

Böllerschützen, so weit das Auge reicht: Mehr als 850 Menschen ließen es unterhalb des Mausberges krachen. Hier bereiten sie sich gemeinsam auf das große „Donnern“ vor. Foto: Elfriede Streitenberger

Das Jubiläumsfest des Schützenvereins Neubrunn erreichte am Sonntagnachmittag seinen Höhepunkt. Die stolze Anzahl von 854 Schützen hörte auf das Kommando des 1. Schützenmeisters Alexander Koller und ließ das Gelände unterhalb des Mausberges erzittern.

Vier Tage wurde in Neubrunn gefeiert. Jubiläen gab es gleich zwei: 50 Jahre Schützenverein und zehn Jahre Böllerschützengruppe. Die beiden Geburtstage nahm der Verein zum Anlass und richtete das 61. Gauschützenfest am Samstag und das 30. Bayerische Böllerschützentreffen am Sonntag aus.

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Böllerschützen-Treffen

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In einem beeindruckenden Festzug marschierten am Sonntag, musikalisch angeführt von den Fränkischen Herolden Neubrunn und unterstützt von den Dertinger Musikanten, den Neubrunner Kerwamusikanten und den Böttigheimer Musikanten, 116 Böllerschützen-Vereine zum Schießplatz. Gekommen waren auch Staatssekretär Gerhard Eck, stellvertretender Regierungspräsident Joachim Lange, Landtagsabgeordneter Manfred Ländner, stellvertretender Landrat Armin Amrehn und viele weitere Ehrengäste.

Wolfgang Meckel, Vorsitzender der Neubrunner Schützen, zeigte sich erfreut und beeindruckt von den Darbietungen aller Schützenvereine, vor allem von deren Disziplin. „Denn Sicherheit ist oberstes Gebot“, sagte er. Auch wenn es klitzekleine Schönheitsfehler gab – neun „Versager“ waren bei den sechs Schussreihen dabei – „bei dieser großen Anzahl von Schützen kann man damit mehr als zufrieden sein. Dass mal ein Schuss nicht losgeht, das gehört dazu“, resümierte 1. Schützenmeister Alexander Koller.

Immer streng nach Kommandos

Beim Böllerschießen wird nicht einfach wild drauflosgeschossen, sondern das Ganze läuft streng nach Kommandos ab. Auf Kommando wird erst mal gemeinsam geladen – sprich: Das Schwarzpulver wird in den Lauf eingefüllt (je nach Kaliber etwa 20 bis 40 Gramm). Danach folgt das gemeinsame Verdämmen: Dazu schlagen die Schützen mit einem Verdämmhammer auf einen Ladestock, wodurch das Schwarzpulver verdichtet wird. „Die Verdichtung ist die Voraussetzung dafür, dass es zur Explosion kommt“, erklärte Koller.

„Zündhütchen setzen“ lautet dann das nächste Kommando: Das Zündhütchen wird auf den Prallteller aufgesetzt, der sich am Ende des Zündkanals befindet. Nach dem Befehl zum Fertigladen wird schließlich der Hahn gespannt und der Handböller nach oben gehalten.

Als Letztes kommt das Schusskommando. Geschossen wird in ganz bestimmten Reihenfolgen. Der Kommandant legt die Schussfolge fest. Üblicherweise sind dies: Salut (alle schießen gleichzeitig), schnelle oder langsame Reihe (nacheinander wird in verschiedenem Tempo geschossen), Doppelschlag (zwei Schützen schießen in schneller Folge nacheinander, die folgenden jeweils im Abstand von zwei Sekunden) und Reißverschluss (Reihenfeuer abwechselnd von links und rechts).

Der Rückschlag beim Böllerschießen ist enorm stark. Deshalb halten die Schützen den Böller normalerweise auch mit beiden Händen. Zwar wurde beim Festwochenende in Neubrunn kräftig gefeiert – für die Böllerschützen gab es vor dem Schießen allerdings nur alkoholfreie Getränke, denn vor dem Schießen gilt die Null-Promille-Grenze.

Tolle Trachten getragen

Teilweise hatten die Vereine mehr als 550 Kilometer Anreise. Sie kamen aus Hamburg, Oberstdorf, aus Rheinland-Pfalz und der Oberpfalz. Die zahlreichen Zuschauer erlebten ein buntes Bild mit tollen Trachten, edlen Hand- und Standböllern und beeindruckenden Böllerkanonen. Der beträchtliche Frauenanteil bei den Schützen war nicht zu übersehen.

Obwohl am Samstag auch das Konzert mit der Band „257ers“ stattfand, das Neubrunn als „coolste Gemeinde Mainfrankens“ gewonnen hatte, waren die Verantwortlichen mit dem Festverlauf sehr zufrieden. „Zwei Events an einem Wochenende war nicht glücklich“, resümierte Alexander Koller, „aber es hat gezeigt, dass es in Neubrunn funktioniert.“

Mit dem Einzug der Fahnenträger aller teilnehmenden Vereine und dem gemeinsamen Singen der Bayernhymne ging das Jubiläumsfest am späten Sonntagnachmittag zum geselligen Teil in der festlich geschmückten Festhalle über.

Mit einem Gedächtnisgottesdienst, einem Tag der Handwerksbetriebe und einem großen Kinderprogramm am Montag ging das Schützenfest zu Ende.

Ohne Rauch geht's nicht: Beim Schießen wurde es nicht nur laut, sondern auch „neblig“. Foto: Elfriede Streitenberger

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