WÜRZBURG

Brandalarm in Behindertenwohnheim

Verbranntes Essen hat in einem Würzburger Behindertenwohnheim für einen Großeinsatz von Feuerwehr und Notärzten gesorgt. Der starke Rauch der verkohlten Mahlzeit habe am Vorabend Brandalarm ausgelöst, teilte das Bayerische Rote Kreuz am Dienstag mit.
Zu einem Kleinbrand in einem vierstöckigen Behinderten-Wohnheim in der Würzburger Dr.-Maria-Probst-Straße ist es am Montagabend gegen 21 Uhr gekommen. Im Gegensatz zum großen Unglück im Schwarzwald wurde keiner der 22 Heimbewohner verletzt. Auslöser war nach Angaben des Roten Kreuz (BRK) und der Berufsfeuerwehr brennendes Essen auf einem Herd im ersten Obergeschoss, das in dem Heim in der Zellerau für viel Rauch und Aufregung sorgte. Um 21.07 Uhr löste die Leitstelle der Berufsfeuerwehr nach einer elektronischen Brandmeldung Alarm für die Rettungskräfte aus. Als BRK und Feuerwehr eintrafen, hatte sich der Rauch im ersten Obergeschoss ausgebreitet. Die Mitarbeiterinnen hatten die Bewohner, Menschen mit geistiger Behinderung, bereits ins Freie gebracht. Ein behinderter Mann war zunächst nicht auffindbar, worauf die Feuerwehr drei Trupps zur Personensuche einsetzte: Der Vermisste wurde kurz darauf in einem höherer gelegenen Stockwerk gefunden, wohin er geflüchtet war. Unverletzt wurde er gerettet. Nachdem niemand verletzt war, konnten die Einsatzleiter von BRK, Maltesern und Johannitern den rettungsdienstlichen Einsatz, zu dem zwei Notärzte und fünf Rettungswagen geeilt waren, vorzeitig abbrechen. Während die Feuerwehr mit Lüftern die Räume von Rauch befreite, unterstützte die zehnköpfige Einsatzgruppe „Betreuung“ des BRK das Heimpersonal, die Bewohner zu beruhigen und in ihre Betten zu bringen. Die ehrenamtlichen BRK-Kräfte sind ausgebildet, Menschen in Not psychischen Beistand zu leisten. „Viele Bewohner waren sehr aufgeregt“, schildert Einsatzleiter Paul Justice die Situation gegenüber der Main-Post. Er lobt das besonnene Vorgehen von Heimleitung und Mitarbeiterinnen. „Wir hatten keine Angst“, erklärten betroffene Behinderte am Tag danach. Von einem „Einsatz, der gut verlaufen ist“, spricht Brandamtmann Hilmar Hofmann, Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr, die mit 15 Mann agierte. Das Besondere sei gewesen, dass sich behinderte Menschen bei einem Brandfall möglicherweise unberechenbarer verhalten als üblich. Zeitgemäßer Brandschutz Brandschutztechnisch sei, was er gesehen habe, alles in Ordnung gewesen, sagt Hofmann. Der zeitgemäße Brandschutz verwundert nicht: Das Haus wurde erst im Juni 2011 eröffnet. Gebaut hat es für 2,5 Millionen Euro die Stiftung „Offene Behindertenhilfe“. Geleitet und verwaltet wird es von der Lebenshilfe Wohnstätten GmbH Mainfranken. Nicht so glimpflich wie in der Zellerau ist der Brand in einem Heim im Dezember 2010 ausgegangen: Da kamen im Seniorenstift St. Paul in Heidingsfeld drei Bewohner ums Leben. 2006 brannte es im Heidingsfelder Zehnthof, 79 Bewohner wurden evakuiert werden, verletzt wurde keiner. Für Aufregung sorgte die städtische Bauaufsicht im Sommer 2011: Wegen massiver brandschutztechnischer Mängel untersagte sie den Weiterbetrieb des Konradsheims der Stiftung „Wohnstätten für Behinderte“ in der Nikolausstraße. Die Sicherheit der 30 damals dort lebenden Menschen mit schwerer Behinderung sei im Falle eines Feuers nicht gewährleistet. Damit die Bewohner nicht ausziehen mussten, einigte man sich auf eine zunächst provisorische Lösung: Als zweiter Fluchtweg wurde am Haus eine Gerüsttreppe angebracht. Noch suche man nach einer dauerhaften Lösung, erklärt der langjährige Stiftungsvorsitzende Werner Schindelin. Der Pfarrer, der in der Behindertenarbeit sehr engagiert ist, glaubt im übrigen, „dass sich Behinderte bei einem Brand nicht anders verhalten als andere Menschen“.

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