Glosse

Brauchtumspflege mal anders: Was die Saufmaschine alles kann

Strohhalme, auch verwendbar in der Saufmaschine: das Original ... Foto: Julian Stratenschulte, DPA

"Oh, toll, eine Saufmaschine!" Mit diesen Worten kommentierte ein Kollege meine Bildauswahl zum Thema Glasfaserausbau. Geistiger Leerlauf meinerseits: Saufmaschine? Wie? Was? Zu sehen waren doch lediglich ein paar bunte Kunststoffröhrchen, dazu ausersehen, in der Erde vergraben und später mit Glasfaserkabeln befüllt zu werden.

... und der Doppelgänger: Breitbandkabel, nicht partytauglich. Foto: Carsten Rehder, DPA

Das kommt davon, wenn man seine Jugend abseits bierseliger Abendveranstaltungen verbringt. Man verpasst kulturelle Errungenschaften wie die Saufmaschine. Dabei handelt es sich, wie dem Vortrag des Kollegen zu entnehmen war, um eine schlichte bauliche Konstruktion, bestehend aus einem Holzbrett mit Löchern, durch welche mindestens fünf Strohhalme gezogen werden. Das Brett wird sodann auf einen mit Bier gefüllten Maßkrug gesetzt, fünf Trinkwillige docken an den Strohhalmen an und binnen Sekunden leert sich das Trinkgefäß.

Vorsicht bei heißer Schokolade

Von entscheidender Bedeutung sei ein durchsichtiges Trinkgefäß, beteuerte der Kollege. Denn das eigentlich Beeindruckende am Betrieb der Saufmaschine sei der rapide absinkende Flüssigkeitsstand im Glas, weniger der rapide ansteigende Alkoholgehalt im Blut. Also, wenn es nur darum geht, dann kann die Saufmaschine ja auch einfach mit Apfelsaft anstelle von Bier betrieben werden. Oder mit Zitronenlimonade oder einem Erdbeer-Milchshake. Nur nicht mit heißer Schokolade, denn das gibt Verbrennungen im Rachenbereich.

Längst ist die Saufmaschine übrigens nicht mehr nur Bastlern vorbehalten, die Löcher in Bretter bohren können. Unter den verschiedensten Bezeichnungen, von Beer-Bong über Bierstürzer bis hin zur gesellschaftsfähigeren Trinkmaschine ist die Apparatur überall im Internet zu finden und zu ordern.

Ich bin mir nicht sicher, ob unsere Brauereien so etwas anbieten. Vermutlich nicht, und das ist auch besser so. Die Ochsenfurter Brau-Erzeugnisse soll man ja genussvoll trinken und nicht in Bruchteilen von Sekunden hinunterstürzen. Und wer unbedingt mitverfolgen will, wie der Pegel (langsam) abnimmt, kann ja ein Glas nehmen anstelle eines Steingut-Humpens.

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