WÜRZBURG

Brose-Werk: Neuer Chef setzt auf neue Technologien

Der Chef im Arbeitsmantel: der neue Brose-Werkleiter Bernd Kaufer mit einem Kernstück der Würzburger Produktion, einem Elektromotor. Foto: Thomas Obermeier

Das autonome Fahren, bei dem nicht mehr der Mensch, sondern die Technik am Steuer sitzt, ist das hochaktuelle Zukunftsthema der Automobilbranche – und könnte auch zur Sicherung und Stärkung von Würzburgs größtem industriellen Arbeitgeber, dem Automobilzulieferer Brose, beitragen.

„Das autonome Fahren ist eine Chance für unser Produktangebot“, sagt Bernd Kaufer, der neue Leiter des Werkes in der Nürnberger Straße. Seit wenigen Tagen befasst sich am Standort Würzburg eine Projektgruppe damit, welche Möglichkeiten das autonome Fahren für das gesamte Unternehmen bieten könnte.

Von Würzburg aus in die Welt

Das Thema Fahren ohne Fahrer ist indes nur eines von vielen, mit dem sich Bernd Kaufer beschäftigt. Im Werk in der Nürnberger Straße sitzt der 50-Jährige seit Mai selbst am Steuer, ist kaufmännischer und technischer Leiter und trägt die Verantwortung für 1100 Beschäftige im Werk. Am Standort sind insgesamt 1850 Mitarbeiter tätig. Neben der Produktion im Werk ist Würzburg auch weltweites Headquarter für den Geschäftsbereich Motoren, der sich schwerpunktmäßig mit Entwicklungen beschäftigt und den Reinhard Kretschmer verantwortet.

Werkleiter Kaufer ist gebürtiger Bamberger, Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur, bereits seit 25 Jahren in Diensten von Brose und Nachfolger von Jörg Rödel, der nach sechs Jahren in Würzburg europaweite Aufgaben bei Brose übernommen hat.

Kaufer, zuletzt Leiter der Produktionstechnologie im weltweit agierenden Unternehmen, soll die Erfolgsgeschichte an der Nürnberger Straße fortschreiben: Seit der Übernahme des Werkes vor acht Jahren durch den Coburger Automobilzulieferer stieg die Zahl der Mitarbeiter um 300, der Standort ist das größte Elektromotorenwerk von Brose.

Im Würzburg werden unter anderem elektrische Antriebe für Lenkungen, Fensterheber, Kühlerlüftersysteme und Parkbremsen produziert. Zudem werden hier neue Produkte und Fertigungstechnologien entwickelt – für alle sieben Brose Motorenwerke.

Den Spitzenplatz verteidigen

Kaufers Aufgabe: Die Wettbewerbsfähigkeit des Werkes erhöhen, dessen Technologie-Spitzenplatz in der Motorenherstellung verteidigen und die Lieferanten zur Qualitätssteigerung enger in die Entwicklung einbinden. Kaufer ist optimistisch, dass das gelingt. Mit neuen Technologien, Produkten, Fertigungskonzepten und nicht zuletzt mit Hilfe der Mitarbeiter, die immer wieder Verbesserungsvorschläge lieferten.

„Unser Antrieb ist, komplexe Prozesse und Arbeitsabläufe zu optimieren“, sagt Kaufer. Das Geschäft mit den Automobilherstellern, die so günstig wie möglich einkaufen wollen, ist ein hartes. Da sind Ideen gefragt, selbst kosteneffizienter zu produzieren.

Wie Kaufer berichtet, arbeite man derzeit an einem wirtschaftlicheren Fertigungskonzept für die Wicklung der Elektromotoren. Das soll in spätestens zwei Jahren zum Einsatz kommen. „Davon versprechen wir uns einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Anbietern“, sagt Kaufer. Mehr möchte er zum neuen Verfahren noch nicht verraten.

Die so genannte Betriebsmitteltechnik, die Entwicklung samt Prototypenbau von Fertigungsanlagen, ist eine Stärke des Würzburger Werkes. Dieser Bereich hat sich zu einem Kompetenzzentrum für die gesamte Brose-Gruppe entwickelt. Die Anlagen aus Würzburg stehen mittlerweile weltweit in zahlreichen Standorten. „Unser Team plant und baut Prototypen für neue Technologien und optimiert diese bis zur Serienreife. Hier kommen die Erfahrung und Kompetenz unserer hochqualifizierten Würzburger Mitarbeiter zum Tragen“, erklärt Kaufer.

Was die Produkte angeht: Die weiter zunehmende Elektrifizierung der Autos spielt dem Zulieferer und speziell dem Motorenwerk in die Karten. Das Zauberwort heißt Mechatronik. Darunter ist das Zusammenwirken von Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik zu verstehen. Betrug der elektronische Anteil im Motorenbereich 2012 noch 40 Prozent, sind es mittlerweile 60 – Tendenz steigend.

Auch Antriebe für E-Bikes

Mittlerweile ist Brose auch bei Fortbewegungsmitteln auf zwei Rädern gut im Geschäft: Bei der Fahrradmesse „Eurobike“ präsentierte das Unternehmen jetzt einen neuen Elektromotor für E-Bikes, der auf einer Würzburger Entwicklung basiert.

Laut Kaufer ist allerdings noch offen, ob das Würzburger Werk das gute Vorjahresergebnis mit rund einer halben Milliarde Euro Umsatz erneut erreicht. Grund sind rückläufige Absatzzahlen bei manchen Automobilproduzenten. Brose beliefert 80 Hersteller und 40 Zulieferer der Branche. 2015 wurden 25 Millionen Motoren in der Nürnberger Straße produziert.

In die Modernisierung des fast 60 Jahre alten Werkes hat Brose nach eigenen Angaben bislang 100 Millionen Euro investiert, davon 20 Millionen in die Gebäude. Für diesen Bereich kündigt Kaufer weitere Aktivitäten an. Eine Ausweitung auf das benachbarte Areal der Faulenberg-Kaserne sei dagegen derzeit kein Thema. Dort hat man lediglich 150 Parkplätze für Mitarbeiter angemietet.

1850 Mitarbeiter

Brose ist weltweit der fünftgrößte Automobilzulieferer in Familienbesitz mit über 24 000 Mitarbeitern an 60 Standorten in 23 Ländern. Jeder zweite Neuwagen weltweit ist mit mindestens einem Brose-Produkt ausgestattet. Der Standort Würzburger hat 1850 Mitarbeiter, davon 1100 im Werk, der Rest im Geschäftsbereich Motoren. In den Hallen in der Nürnberger begann Siemens 1957 mit der Fertigung von Haushaltsgeräten. 2008 übernahm Brose das Werk.

Der Automobilzulieferer ist weltweit der fünftgrößte in Familienbesitz mit über 24 000 Mitarbeitern an 60 Standorten in 23 Ländern. Jeder zweite Neuwagen weltweit ist mit mindestens einem Brose-Produkt ausgestattet. Der Standort Würzburger hat 1850 Mitarbeiter, davon 1100 im Werk, der Rest im Geschäftsbereich Motoren. In den Hallen in der Nürnberger Straße begann Siemens 1957 mit der Fertigung von Haushaltsgeräten. 2008 übernahm Brose das Werk.

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