WÜRZBURG

Bücher und Karotten in die Tüten

Engagiertes Team: Die Organisatoren des ersten Würzburger Carrotmobs haben viel Arbeit in ihr Projekt gesteckt. Oben Markus Wagner und Amelie Müller-Hillebrand. In der Mitte Sandra Kegelmann und Jelena Lübbeke. Unten Jan Schmitz, Anna-Lena Keller und Jan Storz. Es fehlen Claudia Gabel, Christoph Peschke. Foto: carrotmob-team

Weihnachtsgeschenke einkaufen und gleichzeitig etwas für die Umwelt tun – das ist am Nikolaustag kein Problem, wenn Würzburg eine besondere Premiere erlebt: Dann findet in der Stadt nämlich der erste „Carrotmob“ statt, organisiert von einer Gruppe verantwortungsbewusster Studenten. Die wollen sich für ökologisch nachhaltige Projekte einsetzen – und erreichen das durch besagten Carrotmob: Die Buchhandlung Neuer Weg in der Sanderstraße wird 40 Prozent des Umsatzes, den sie am Montag, 6. Dezember, in der Zeit von 17 bis 20 Uhr durch nicht buchpreisgebundene Artikel einnimmt, in ein ökologisch nachhaltiges Projekt investieren.

Bei einem Carrotmob handelt es sich also um strategisch organisierten Konsum in einem bestimmten Geschäft zu einer bestimmter Zeit. Von dem überdurchschnittlichen Umsatz, der so generiert wird, sichert das Geschäft im Gegenzug einen definierten Prozentsatz des Tagesumsatzes für nachhaltige Investitionen wie beispielsweise Solaranlagen oder energieeffizientere Beleuchtung zu.

Carrotmobs sind eine Abwandlung von Smartmobs. Die wiederum bedeuten die aktive Unterstützung von bestimmten Produkten und Dienstleistungen. Bei Carrotmobs werden dann speziell ökologisch nachhaltige Projekte gefördert. „Daher das Wort ,carrot', also Karotte. Dieses Wortspiel weist auf die nachhaltigen Investitionen hin, die der Carrotmob zum Ziel hat“, erklärt Markus Wagner, Mitorganisator des Carrotmobs in Würzburg. Zusammen mit den übrigen acht Organisatoren aus Würzburg will Markus Wagner durch den Carrotmob einerseits das Bewusstsein in der Gesellschaft dafür stärken, dass es Geschäfte gibt, die auf nachhaltige Investitionen achten. Andererseits möchte die Gruppe diejenigen Geschäfte belohnen, denen nachhaltige Investitionen wichtig sind.

Ihren Ursprung hat die Carrotmob-Bewegung in den USA. Dort finden nach Einschätzung von Markus Wagner fast wöchentlich Carrotmobs statt. „In Deutschland sind sie dagegen noch vereinzelt – allerdings werden sie auch hier immer besser angenommen“, betont der 26-jährige BWL-Student. In das Projekt hat die neunköpfige Organisatoren-Gruppe viel Arbeit gesteckt. Schließlich musste sich die Gruppe erst selbst formieren – Teile kannten sich bereits vorher, andere sind über facebook zum Team dazugestoßen – und die eigenen Ziele abstecken. Orientiert hat sich die Gruppe dabei an bereits durchgeführten Carrotmobs.

Dementsprechend wurden rund 30 Würzburger Einzelhändler vom Süßwarenladen über Lebensmittelgeschäfte bis hin zu Parfümerien und Buchläden über das Projekt informiert. Diese haben dann den Prozentsatz geboten, den sie von ihren Tageseinnahmen freiwillig in nachhaltige Projekte investiert hätten. Der Bieter des höchsten Prozentsatzes hat das Bietverfahren gewonnen und darf nun am Carrotmob teilnehmen – in Würzburg ist der Gewinner mit 40 Prozent die Buchhandlung Neuer Weg in der Sanderstraße, vor der Buchhandlung er-lesen in Grombühl und dem Bayerischen Schokoladenhaus.

„Kunden sollten bewusst darüber nachdenken,

wo sie einkaufen,“

 

Ursula Drescher, Filialleiterin

Buchhandlung Neuer Weg

 

 

Die Buchhandlung Neuer Weg findet die Teilnahme am Carrotmob vor allem deshalb reizvoll, weil dieser bei den Kunden ein Bewusstsein dafür wecken kann, wo sie einkaufen. „Kunden haben insgesamt eine gewisse Macht und einen gewissen Einfluss, deshalb sollten sie bewusst darüber nachdenken, wo sie einkaufen“, erklärt Ursula Drescher, Filialleiterin des Hauptgeschäftes Neuer Weg. „Es ist wichtig, dass Läden am Ort wieder verstärkt wahrgenommen werden und nicht weiter alles bei großen Ketten gekauft und bei Amazon bestellt wird“, betont sie. Der Carrotmob könne ein Bewusstsein auf mehreren Ebenen fördern.

In welches ökologisch nachhaltige Projekt der Buchladen mit dem aus dem Carrotmob generierten Geld investiert, steht im Vorhinein noch nicht endgültig fest. Die Beratung zu diesem Thema soll aber bis Mitte Januar erfolgen, das gibt der Zeitplan des Carrotmob-Teams vor. Zum Konzept des Mobs gehört außerdem, dass das Geschäft durch einen Energieberater unterstützt und „kontrolliert“ wird, damit das nachhaltige Projekt möglichst zeitnah umgesetzt wird. Das übernimmt in diesem Fall die Energieagentur Unterfranken.

Die Organisatorengruppe freut sich nach der langen Planungsphase auf den Aktionstag am Montag. Ihre Motivation für die viele Arbeit liegt im Umweltschutz: „Der liegt uns allen sehr am Herzen, wir setzen uns zum Teil auch außeruniversitär und beruflich für die Umwelt ein“, erklärt Markus Wagner. Den Carrotmob sieht er als eine sinnvolle Möglichkeit, „ökologisch nachhaltige Projekte anzuschieben und vielen Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich daran zu beteiligen.“

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