Eibelstadt

Bürgerbegehren: "Wir wollen den Renni für viele erhalten"

In Eibelstadt übernehmen am Sonntag die Bürger das Wort. Bleibt der ehemalige Pausenhof "Renni" erhalten oder wird er bebaut? Das sagen die Vertreter des Bürgerbegehrens.
Für das Bürgerbegehren 'Rettet den Renni' stehen die Initiatoren (von links): Björn Küstner, Anette Salveter, Barbara Küstner und zahlreiche Unterstützer. 
Für das Bürgerbegehren "Rettet den Renni" stehen die Initiatoren (von links): Björn Küstner, Anette Salveter, Barbara Küstner und zahlreiche Unterstützer.  Foto: Thomas Fritz

Als Barbara Küstner, ihr Ehemann Björn und Anette Salveter gehört haben, dass der untere Pausenhof der Grundschule mit vier Einfamilienhäusern bebaut werden soll, haben sie die Initiative ergriffen und Unterschriften gesammelt. Mehr als 700 Bürger wollen den "Renni", wie er in Eibelstadt genannt wird, erhalten.Vor dem Bürgerentscheid haben wir mit den Initiatoren des Bürgerbegehrens gesprochen.

Frage: Warum sollen die Eibelstädter den Renni retten?

Das zentrale Grundstück ist wertvoll für die Allgemeinheit und Teil des öffentlichen Lebens. Der Platz bietet Freiraum und Lebensqualität. Alter Baumbestand spendet Schatten und fördert das Stadtklima. Einmal verkauft, ist der Renni unwiederbringlich verloren, zusammen mit Gestaltungsspielräumen für die Zukunft Eibelstadts und den Schulverband. In Verbindung mit dem neuen Mehrzweckraum entsteht ein Gemeinschaftsort, der für alle Generationen auch zu Fuß gut erreichbar ist.

Warum kann trotzdem die Schule weiter saniert und am Umfeld weiter gebaut werden?

Das Bürgerbegehren betrifft allein den unteren Schulhof. Das Grundstück ist eine Außenanlage. Deren Gestaltung erfolgt am Ende der Modernisierungsmaßnahmen. Bis dahin kann ein passendes Konzept für wasserregulierende Maßnahmen beschlossen werden. Die Stadt kann Plananpassungen  vornehmen, wie aktuell die Verschiebung des Treppenhauses.

Ihnen wird vorgeworfen, das Bürgerbegehren „Rettet den Renni“ sei weder ökologisch, noch sozial. Was halten Sie dagegen?

Das Bürgerbegehren setzt sich für den Erhalt von altem Baum- und Heckenbestand ein, und für die Nutzung von Regenwasser mit Zisternen, Rigolen und Einleitung in Grünflächen. Der Stadtrat empfiehlt zwar im neuen Bebauungsplan Zisternen. Auf dem Schulgelände sollen aber Niederschläge an Grünflächen und Neupflanzungen vorbeigeleitet werden und ungenutzt versickern. Zisternen sind nicht vorgesehen. Gegossen werden soll mit kostbarem Leitungswasser. Zudem wird alter Baumbestand gefällt. 

Warum ist das Bürgerbegehren „Rettet den Renni“ sozial?

Das Bürgerbegehren ist sozial, weil viele für viele etwas erhalten wollen. 28 Prozent der Bürger haben für den gemeinschaftlichen Erhalt des Grundstücks unterschrieben. Dazu kommen die Belange der Menschen, die nicht unterzeichnen durften, etwa Kinder, künftige Generationen und Nachbargemeinden im Schulverband. Die Interessen der Gemeinschaft aufzugeben für Einzelinteressen – durch Privatisierung und Bau von vier Häusern – ist unsozial. Dagegen setzt sich das Bürgerbegehren für den Erhalt und Ausbau des Platzes als gestaltbaren, zentralen Gemeinschaftsort ein.

Der Stadtrat möchte am Renni neuen Wohnraum schaffen. Was spricht aus Ihrer Sicht dagegen?

Wohnraum zu schaffen ist richtig, aber nicht dort. Die Verdichtung führt zu beengten Verhältnissen und noch mehr Verkehr in einem Bereich, der verkehrsberuhigt sein sollte. Der Stadtrat reduziert dafür im neuen Bebauungsplan die Mindestgrößen für Grundstücke und Sicherheitsvorgaben für Straßenverkehr. Wohnen, Schule und kulturelle Nutzung auf engem Raum sind Nährboden für Konflikte. Mit dem Verlust des Grundstücks und der Bäume ginge Lebensqualität verloren. Offiziell bestätigt ist, dass der Verkauf finanziell nicht nötig ist, dass Eibelstadt weiter in der Lage ist, freiwillige Aufgaben wahrzunehmen.

Wenn Sie sich Eibelstadt im Jahr 2030 vorstellen: Welche Bedeutung hat der Renni dann noch?

Seit der Einweihung 1960 haben viele Eibelstädter ihre eigenen Geschichten dort geschrieben: Radfahren gelernt, Rekorde beim Seilhüpfen aufgestellt, Schürfwunden geholt, Freunde gefunden. Das Bürgerbegehren will, dass auch 2030 Eibelstädter dort ihre Geschichten schreiben. Sie genießen den Schatten und das Summen in den Kronen der Bäume. Und der eine oder andere erinnert sich daran, wie sie gemeinsam den Renni gerettet haben.

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