WÜRZBURG

Bürgerentscheid-Endspurt mit Pro- und Contra-Stimmen

Der Kardinal-Faulhaber-Platz soll umgestaltet werden. Foto: Obermeier

Noch wird weiter um jede Stimme gekämpft: Befürworter von Bürger- entscheid 1 (Ratsbegehren „Grüner Platz: Innenstadt für alle“) und 2 (Bürgerbegehren „Grüner Platz am Theater“ schickten Stellungnahmen, die diese Redaktion zusammengefasst hat. Auch am Samstag wird es noch Infostände in der Stadt geben, aber keine Berichterstattung mehr zu diesem Thema.

Auftakt für Begrünung

Die Würzburger Grünen sehen im Bürgerentscheid eine historische Chance ähnlich der Entscheidung für den Ringpark vor 150 Jahren. Grünen-Stadtrat Patrick Friedl: „Heute haben es die Würzburger erstmals selbst in der Hand.“ Mit dem Bürgerentscheid 2 könnte am Kardinal-Faulhaber-Platz der Auftakt für eine Wiederbegrünung der Altstadt in den nächsten Jahren gesetzt werden.

Gleichzeitig müsse es endlich ein starkes Signal zugunsten eines leistungsfähigen ÖPNV geben. Es wäre ein Fehler, wenn an dieser Stelle Gelder im Tiefbau versenkt würden, die für die Linie 6 an der Oberfläche gebraucht werden.

Umfrage der Wirtschaftsjunioren

Über die Hälfte (55 Prozent) der 210 Mitglieder der Würzburger Wirtschaftsjunioren unterstützen den Bürgerentscheid 1 – vor allem die aus der Innenstadt. Laut Pressemitteilung habe eine Umfrage unter den jungen Führungskräften und Unternehmern aus Stadt und Landkreis Würzburg und dem Landkreis Kitzingen gezeigt, dass es vielen Mitglieder an Alternativen zum Auto fehlt. ÖPNV und Radwege seien verbesserungsfähig. Für den Vorschlag des Bürgerbegehrens waren 29 Prozent, weitere 16 Prozent der Befragten waren noch unentschlossen. Das erklären die Wirtschaftsjunioren damit, dass es womöglich an konkreten Angaben zu Kosten und Wirtschaftlichkeit der Tiefgarage mangelt.

Nachtbusse für den Landkreis

Für den Kreisverband der Grünen wirbt Landtagsabgeordnete Kerstin Celina für das Bürgerbegehren. „Seit die Alte Mainbrücke für den Autoverkehr geschlossen wurde, haben immer wieder mutige stadtpolitische Entscheidungen für mehr Grün und weniger Individualverkehr die Stadt positiv geprägt.“ So zum Beispiel der Ringpark. Aber auch ein kleiner Park mit großen Bäumen, wie im Bürgerentscheid 2 vorgeschlagen, trage seinen Teil dazu bei, eine Stadt mit großer Aufenthaltsqualität zu schaffen.

Außerdem brauche der Landkreis bessere Busverbindungen, zum Beispiel Spät- und Nachtbusse, damit Theaterbesucher auch ohne Auto in die Stadt kommen könnten.

Räder-Parkplätze in Tiefgarage

Bei Info-Veranstaltungen der CSU-Ortsverbände Lengfeld und Versbach und der FWG wurde laut Pressemitteilung gezeigt, wie Begrünung auf Tiefgaragen in anderen Städten gut funktioniert. Außerdem spräche für den Bürgerentscheid 1, dass die Stärkung des Radverkehrs und der Elektromobilität hierzu nicht im Gegensatz stünden: Neben E-Aufladestationen sind in der Tiefgarage auf dem Faulhaber-Platz auch Radunterstellplätze geplant

Tiefgarage zementiert Belastung

Der Bund Naturschutz in Würzburg meint, dass nur mit dem Bürgerentscheid 2, also ohne Tiefgarage, eine umfassende und wirksame Begrünung möglich sei und Abkühlung in eine zunehmend überhitzte Innenstadt gebracht werde. Eine Tiefgarage könne die Verkehrsbelastung in der Innenstadt nicht reduzieren, sondern würde die bestehende hohe Schadstoffbelastung zementieren oder sogar noch erhöhen.

Park und Parken

„Ein grüner Park sorgt für etwas Abwechslung in der Innenstadt, aber einen Komplettverzicht auf Parkplätze oder Tiefgaragen halten wir gerade bei der momentanen Parksituation in der Würzburger Innenstadt nicht für sinnvoll“, schreiben die Jungen Liberalen Würzburg. Der Bürgerentscheid 1 sei ein gelungener Kompromiss.

Für moderne Stadtentwicklung

Die Grüne Jugend Würzburg erklärt: Wer für den Bürgerentscheid 2 stimmt, sei für eine moderne Stadtentwicklung, die Würzburgs Attraktivität für Einheimische und Touristen bewahrt, und gegen eine ideologische Politik, die die Lösungen des 20. Jahrhunderts propagiert und den Autoverkehr bevorzugt. Die jungen Grünen wünschen sich ein Mobilitätsangebot für alle Menschen, auch für diejenigen, die aus finanziellen oder ökologischen Gründen kein Auto nutzen.

Fairer Kompromiss

Der Kreisverband FDP-Land sagt, dass die Menschen aus dem Land eine Tiefgarage brauchen. Da auch Bürgerentscheid 1 den Platz begrünen will, müssten die Bewohner der Innenstadt nicht auf Lebensqualität verzichten. Das sei ein „fairer Kompromiss, der für die ganze Region von Vorteil wäre“.

Weniger Verkehr tat immer gut

Der ökologische Verkehrsclub VCD wirbt als Teil des Aktionsbündnisses für den Bürgerentscheid 2, weil die Entwicklung in anderen Städten längst auf mehr ÖPNV, Rad- und Fußverkehr setze. Auch bei der Einführung der autofreien Alte Mainbrücke und sämtlicher Fußgängerzonen, sei immer vor dem Untergang des Einzelhandels gewarnt worden. Eingetreten wäre aber das Gegenteil. Denn Innenstädte mit mehr Aufenthaltsqualität seien letztlich lebendiger und auch wirtschaftlich erfolgreicher.

Rückblick

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