Tauberrettersheim

Bürgermeisterwahl ohne Kandidaten

Rathaus-Chef Hermann Öchsner legte sein Amt nieder, ohne Angabe von Gründen. Nun müssen die Tauberrettersheimer einen Nachfolger wählen - auf einem weißen Blatt ohne Namen.
Rathaus-Chef Hermann Öchsner legte sein Amt nieder, ohne Angabe von Gründen. Nun müssen die Tauberrettersheimer einen Nachfolger wählen - auf einem weißen Blatt ohne Namen.
Die Bürger von Tauberrettersheim bekommen am 14. Oktober neben dem Wahlschein für den Bezirkstag und Landtag auch einen für die Bürgermeisterwahl. Doch wer soll eigentlich Öchsner-Nachfolger werden? Foto: Markhard Brunecker

In Bayern finden am 14. Oktober 2018 Landtags- und Bezirkstagswahlen statt, in Tauberrettersheim auch eine Bürgermeisterwahl. Der amtierende Rathauschef Hermann Öchsner (UWG) hatte im Mai überraschend mitgeteilt, dass er bereits zum 31. Januar 2019 sein Amt nach 28 Jahren niederlegen wird. Die offizielle Amtszeit geht eigentlich bis zum 30. April 2020. Einen Rücktrittsgrund hat der 68-Jährige bisher nicht genannt.

Gegenüber dieser Redaktion hat der scheidende Bürgermeister schon im Mai keine Stellungnahme über seine Rückzugsgründe abgegeben. Und so bleibt lediglich die Spekulation. Es gab die Affäre um die umstrittene Villa seiner Tochter im Landschaftsschutzgebiet. Das Landratsamt hatte die Baugenehmigung nur unter der Bedingung erteilt, dass neben dem Wohnhaus auch ein Pferdestall entsteht.  

Sonderregelung für Wasser und Abwasser 

Zusätzlich zur Sondergenehmigung stieß den Dorfbewohnern aber eine Ausnahmeregelung auf: Der Gemeinderat hatte die Bauherren der "Öchsner-Villa" von den Anschlussgebühren an das öffentliche Wasser- und Abwassernetz befreit. Das fiel später der überörtlichen Rechnungsprüfung auf und die Verwaltungsgemeinschaft Röttingen forderte in einem Bescheid nachträglich 32 000 Euro ein. Und so mutmaßen Insider, habe die Unterstützung für den langjährigen Bürgermeister im Ort langsam zu bröckeln begonnen. 

Auch bis zum verlängerten Wahlvorschlagstermin am 31. August 2018, 45 Tage vor der Wahl, wurde laut Hermann Öchsner, der auch Wahlleiter ist, kein Wahlvorschlag eingereicht. Daher kommt es in dem 875 Einwohner zählenden Weinort zu einer "Urwahl".

Situation ohne Kandidaten gab es auch schon in Bieberehren

Bei der Bürgermeisterwahl 2016 in Bieberehren hatten die Wähler ebenfalls keinen Kandidaten auf ihrem Stimmzettel stehen und mussten ihren Wunschkandidaten selbst niederschreiben. Nach Ablauf der Frist hatte sich jedoch Engelbert Zobel als Kandidat noch zur Verfügung gestellt und wurde auch zum Bürgermeister gewählt.

Die Bürger in Tauberettersheim werden am Wahltag also ebenfalls mit einem weißen Stimmzettel konfrontiert, auf dem sie individuell schriftlich den Namen eines jeden volljährigen Bürgers schreiben können, der seit mindestens drei Monaten in der Gemeinde wohnt, auch mit Zweitwohnsitz. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erhält.

Nach der letzten Gesetzesänderung kann dieser ohne Angabe von wichtigen Gründen das Amt jedoch ablehnen. Daher ist die Wahl um den Öchsner-Nachfolger in in dem Häckerdorf zurzeit großes Thema. Unter der Hand galten die ehemalige fränkische Weinkönigin und CSU-Kreisrätin Marion Wunderlich sowie die Verwaltungsangestellte Kerstin Walter, geborene Schmitt, als Favoritinnen auf den freien Rathausposten.

Marion Wunderlich und Kerstin Walter werden wohl ablehnen

Da diese Frage in den vergangenen Tagen oft an die beiden herangetragen wurde, bestätigten sowohl Wunderlich als auch Walter unserer Redaktion, dass sie bei einer Wahl das Bürgermeisteramt nicht annehmen werden. Ihnen sei bewusst, dass es großes Engagement abverlangt, um die Tätigkeit angemessen ausführen zu können. Aus beruflichen und familiären Gründen sei ihnen dies jedoch nicht möglich.

Nach dem bayerischen Wahlgesetz ist gewählt, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhält. Erhält niemand diese Mehrheit, wird ein zweiter Wahlgang am 28. Oktober 2018 mit einer Stichwahl unter den zwei Personen erforderlich, die bei der ersten Wahl die höchsten Stimmenzahlen erhalten haben.

Da am Wahltag zunächst die Stimmen der übergeordneten Bezirkstags- bzw. Landtagswahl ausgezählt werden, dürfte sich bei den Stimmzetteln der Bürgermeisterwahl mit den unterschiedlichsten Namensnennungen die Bekanntgabe des Ergebnisses stark hinauszögern.

Legt zum 31. Januar 2019 sein Amt nieder: Hermann Öchsner, Bürgermeister von Tauberrettersheim. Foto: Markhard Brunecker

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