RANDERSACKER

Bürokratie macht es Sportvereinen schwer

Rund 20 Vereinsvertreter waren der Einladung des SPD-Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib sowie seines Kollegen, des sportpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Harald Güller, zum gegenseitigen Austausch gefolgt. Im Sportzentrum am Sonnenstuhl nutzten sie am Freitagabend die Gelegenheit, den beiden Politikern im Beisein von Stefan Wolfshörndl, dem Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Kreistag zu sagen, „wo sie der Sportschuh drückt“. So jedenfalls lautete der Titel der Veranstaltung.

Schnell wurde deutlich, das was die ehrenamtlichen Vereinsverantwortlichen beschäftigt, hat weniger mit Sport als vielmehr mit Geld und Bürokratie zu tun. Der Bogen an Themen wurde geschlagen, vom Mindestlohn und seine Umsetzung in den Vereinen, über steuerrechtliche und andere bürokratische Ärgernisse, das Reglement der Sportförderung (Übungsleiter-, Vereinsmanager- und Mitgliederpauschalen) bis hin zum erweiterten Führungszeugnis als Begleiterscheinung einer bewussteren Auseinandersetzung mit der Prävention gegen Missbrauch und sexualisierte Gewalt. Vor allem der hohe Bürokratieaufwand, der mittlerweile gefordert wird, ist den Vereinsvertretern ein Dorn im Auge. „Ich habe mittlerweile ein Büro zu Hause eröffnet mit festen Bürozeiten“, berichtete beispielsweise Brigitte Büchs, aus dem Vorstand des TSV Rottendorf. Anders sei die Flut an Papieren nicht mehr zu bewältigen. Rudolf Lemmich, Vorsitzender des TSV Thüngersheim bemängelte, dass Vereinsvorsitzende steuerrechtlich häufiger überprüft würden als große Unternehmen, egal wie groß oder klein der jährliche Gewinn tatsächlich sei.

Zukünftige Ziele und Kosten

Klare Wort fand Güller für die ebenfalls kritisierte neue Verordnung, dass Fahrt- oder andere Kosten, sprich: Aufwendungen, die Mitglieder ihrem Verein schenken, also spenden, neuerdings vierteljährlich statt wie bisher jährlich dokumentiert werden müssen. Güller nannte dies eine „Schwachsinnsregelung“, erlassen von jemandem, „der offensichtlich noch nie ehrenamtlich für einen Verein tätig war.“ Man sei aber dran, versprach der Landtagsabgeordnete, das baldmöglichst wieder zu ändern. Eine weitere Zielrichtung, so die Politiker, hätten sie ebenfalls: bei der Sportförderung anders zu verfahren. Statt die Gesamtsumme zu deckeln, setze sich die SPD massiv dafür ein, eine fixe Pauschale von 30 Cent pro Bewertungspunkt festzusetzen. Im Moment nämlich wirke gute Arbeit kontraproduktiv. Jeder Jugendliche, jeder Übungsleiter und jeder, der sich bereit erklärt, den Lehrgang zum Vereinsmanager zu absolvieren nämlich, reduziere den Satz pro Bewertungspunkt für alle anderen.

Ganze 500 000 Euro mehr koste der Wechsel auf den Fixbetrag – auf den Gesamthaushalt bezogen seien das „Peanuts“, so Güller. „Das ist weniger als wir im Freistaat Bayern an zwei Tagen an Zinsen für die Landesbank zahlen.“ Insgesamt, rechnete er vor, wende der Freistaat derzeit 19,4 Millionen Euro im Jahr für die Sportförderung auf, bei rund fünf Millionen Mitgliedern in den bayerischen Sportverbänden.

Gestreift wurden auch Themen wie Sport und Integration sowie Sport und Gesundheit. Hier rief Güller die Vereine dazu auf, selbstbewusster aufzutreten. „Sport ist natürlich kein Allheilmittel“, ergänzte Halbleib. Aber er punkte mit Kompetenzerwerb, besseren Lernerfolgen von Sportlern, Inklusion, Integration und Suchtprävention. „Für die Arbeit, die sie alle hier leisten, kann man Ihnen nicht genug danken.“

Zudem erfuhren die Teilnehmer noch, dass es für alle Vereine, die Menschen mit Migrationshintergrund, Flüchtlinge und Asylbewerber ansprechen wollen, das Projekt „Integration durch Sport“ gibt. Der zuständige Betreuer des durch den BLLV verwalteten Bundesprogrammes in Unterfranken, Thomas Kram, erklärte, er sei jederzeit bereit, Vereinsvertreter bei Interesse direkt vor Ort entsprechend zu beraten (Internet: www.sportintegration.de).

Netzwerk für Leistungssportler

Gefragt waren auch die Kontaktdaten von Hans-Peter Breunig von der Würzburger Fördergemeinschaft Leistungssport (Internet: www.fl-mainfranken.de). In dem Netzwerk stehen 5000 Firmen und ehemalige Leistungssportler bereit, um Nachwuchstalenten unter die Arme zu greifen, wo immer es nötig sei: bei der Wohnungssuche, dem Praktikumsplatz, der passenden Ausbildung oder dem Führerschein. „Bei uns fließt keinerlei Geld“, so der Vorsitzende, „aber wir versuchen, jungen Sportler den Kopf frei zu halten, damit sie die Chance habe, sich ganz auf den Leistungssport zu konzentrieren.“

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