PROSSELSHEIM/SELIGENSTADT

Busse fahren am Seligenstadter Bahnhof vorbei

Durch das tägliche Parkchaos, das Fahrzeuge mit den Kennzeichen WÜ, KT und SW rund um den Seligenstadter Bahnhof verursachten, war Omnibussen oft die Zufahrt nicht möglich. Das war mit ein Grund, die Anfahrt komplett zu streichen. Foto: Günther Hillawoth

In der Gemeinde rumort es. Von einem Aufschrei spricht Bürgermeisterin Birgit Börger (CSU). Seit zwei Monaten, genau seit 15. Dezember ist die Busverbindung zwischen Prosselsheim und dem Seligenstadter Bahnhof gekappt. Börger verstehe nicht, warum die Personenbeförderung von der Schiene auf die Straße verlegt wird.

„Für uns Bürger ist das absolut nicht nachvollziehbar“, formuliert die Prosselsheimerin Jutta Hain in einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt. Diese Streichung treffe nicht nur Bürger und Schüler aus Prosselsheim, sondern auch jene aus dem Hinterland im Landkreis Kitzingen. Die geschlossene Teilstrecke war Bestandteil der Linie 8105 von Vol-kach nach Würzburg, die noch weiter existiert, den Bahnhof aber jetzt links liegen lässt, wenn der Bus direkt nach Kürnach fährt.

Die Betroffenen untermauern ihren Protest mit einer Unterschriftenliste, in der sich über 60 Bürger eingetragen haben. Dieses Schriftstück wurde als „offizieller Brief“ den zuständigen Stellen – Nahverkehr Mainfranken, Kommunal-Unternehmen des Landkreises, und an den Landrat selbst – weitergeleitet. Ergebnis: Bisher liege noch keine Reaktion vor, so Jutta Hain.

Die Aufregung scheint verständlich. Durch die ersatzlose Streichung dieser Linie müssen sich die Prosselsheimer und Seligenstädter nun andere Möglichkeiten suchen.

Ein Beispiel: Mit dem Bus zum Bahnhof nach Bergtheim, Umsteigen in die Regionalbahn, an Prosselsheim und Seligenstadt vorbei bis zum Würzburg Hauptbahnhof. „Das dauert schon mal bis zu eineinhalb Stunden“, schildert Jutta Hain – früher seien es rund 30 Minuten gewesen (siehe auch Grafik).

„Da war ich echt stinkig.“
Birgit Börger Bürgermeisterin

Zudem ärgert die Prosselsheimer, dass die einzige Information über die Schließung der Linie aus einem Buslautsprecher gekommen ist. Viele Einwohner hätten sich an das zuständige Busunternehmen Danzberger (Volkach) gewandt und „keine vernünftige Erklärung erhalten.“

Auch die Bürgermeisterin nicht, die ihre Prosselsheimer nicht informieren konnte und „die uns keinerlei Auskünfte mehr geben darf“, vermutet Jutta Hain in ihrem Schreiben. Das brachte der Bürgermeisterin Kritik ein. Die Prosselsheimer Bürger vermuten gar einen „auferlegten Maulkorb aus höherer Instanz“.

Ganz so war's nicht, sagte Bürgermeisterin Bröger auf Anfrage. Gleichwohl habe sie von einem höheren Mitarbeiter zuständiger Stellen per Mail die „freundliche Bitte“ bekommen, sich etwas zurückzuhalten. „Da war ich echt stinkig“, sagt sie. Sie habe sich dann auch umgehend an noch höherer Stelle beschwert.

Zuständig ist die Nahverkehr Würzburg Mainfranken GmbH (NWM), die dem Kommunalunternehmen des Landkreises Würzburg angehört. Für Geschäftsführer Dominik Stiller war die „Verlässlichkeit der Züge“ das Hauptproblem, sagt er auf Anfrage. Es habe „Riesenschwierigkeiten“ mit der Pünktlichkeit – gerade bei Streiks – gegeben.

Das bestätigte auch eine Sprecherin der Firma Danzberger auf Anfrage. Trotz täglicher Zugverspätungen hätten die Busse am Bahnhof warten müssen. „Das hat die Bahn so verlangt.“ Bezüglich der neuen Situation verweist NWM-Geschäftsführer Stiller darauf hin, dass die Anbindung von Prosselsheim nach Kürnach und über Estenfeld als Linie 430 weiter nach Würzburg „nicht dramatisch langsamer“ führe. Laut Fahrplan erreichten die Gäste in 30 Minuten den Busbahnhof in Würzburg – für Stiller offensichtlich auch ein Grund zur Streichung der alten Verbindung. Auch die Regierung von Unterfranken habe dem zugestimmt.

Zurück nach Seligenstadt: Laut Stiller kommt ein weiteres Problem hinzu. Schon vor der Streichung sei der Seligenstadter Bahnhof „massiv in Anspruch genommen worden“. Das heißt im Klartext: Rund um den Bahnhof war und ist die Parksituation prekär. Anfahrtswege und Freiflächen seien stets zugeparkt. Dadurch konnten die Busse den Bahnhof nur noch mit großen Schwierigkeiten anfahren. Die Sprecherin der Firma Danzberger spricht gar von einer „gnadenlosen Situation“ – trotz absoluter Halteverbote außerhalb der gekennzeichneten Parkplätze.

Bürgermeisterin Börger weiß um dieses Problem. Aufgrund der fehlenden Linie kämen jetzt noch mehr Autos zum Bahnhof. Teilweise parkten die Fahrzeuge sogar auf der Staatsstraße 2260 – für die Prosselsheimer Bürgermeisterin alles in allem „ein nicht zufriedenstellender Zustand“.

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