WÜRZBURG

CSU-Kandidat Oliver Jörg: "Langweilig wird das beileibe nie"

Will wieder in den Landtag: CSU-Kandidat Oliver Jörg im heimischen Garten. Foto: Thomas Obermeier

Als wolle es auf die prominente Nachbarschaft hinweisen, so steht das Wahlplakat mit dem Konterfei von Oliver Jörg an der Endhaltestelle der Linie 12 in Versbach. Wenige Meter entfernt öffnet sich die weiße Holztür und der Hausherr lädt zum Gespräch in den Garten. Seit fünf Jahren sitzt der 41-jährige Oliver Jörg für die CSU im Bayerischen Landtag und möchte am 15. September für eine weitere Legislaturperiode dort einziehen.

„Das waren interessante Jahre, aber doch ein ganzes Stück anders, als ich mir das vorgestellt habe“, sagt er auf der Terrasse unter dem großen Sonnenschirm und versucht dabei gleichzeitig seinen jüngsten Sohn Kilian zu bändigen, der auf dem Tisch turnen will. „Ich habe mir vorgestellt, dass sich die Arbeit dort viel mehr um die Gesetzgebung dreht, dabei ist das nur ein Teilbereich.“ Viel wichtiger und umfangreicher sei die Lobbyarbeit für die Region gewesen. „Das überwiegt bei weitem.“

Man müsse sich daran gewöhnen, bayernweit zu agieren und zu sehen, was sich für die Region herausholen lasse. „Das hat richtig Spaß gemacht, weil am Ende auch immer etwas erreicht werden konnte. Ich hatte nie das Gefühl, umsonst nach München zu fahren. Da ließ sich mehr bewegen, als ich mir hätte träumen lassen“, sagt er rückblickend. Auch wenn es zum Teil nervenaufreibende Themen waren, wie im Bereich der Asylpolitik. „Da gibt es schon Momente, wo man frustriert ist, aber mir macht es erst richtig Spaß, wenn etwas nicht gleich geht“, sagt er. „Sonst könnte es ja jeder.“

Besonders die Asylpolitik lag ihm am Herzen, auch wenn seine Parteifreunde nicht immer gleich mitzogen. „Da haben wir in den letzen fünf Jahren trotzdem sehr viel zum Guten verändert“, sagt er engagiert. „Aber das war sehr anstrengend und hat mich Nerven gekostet, die ich nur hatte, weil der CSU-Kreisverband geschlossen hinter mir stand. Und so haben wir alle Dinge, die wir als Würzburg-CSU wollten, auch durchgebracht. Wider Erwarten sogar die Deutschkurse, die hatte ich eigentlich erst spätestens für die nächste Legislaturperiode auf dem Plan.“

Man erreiche aber auch immer nur so viel, wie das Netzwerk bewirke, mit dem man arbeiten dürfe, gibt er sich bescheiden, und sieht mit der Landtagspräsidentin Barbara Stamm und dem Kürnacher CSU-Landtagskollegen Manfred Ländner zwei starke Streiter an seiner Seite. Auch mit den anderen unterfränkischen Abgeordneten pflegt er ein freundschaftliches Verhältnis. „Am Ende braucht man nämlich immer Mehrheiten“, sagt der Würzburger.

Die seien in München fast immer Parteibezogen, anders als im Stadtrat, wo man oft auf einen fraktionsübergreifenden Konsens setze. „Wenn ich in meiner Partei genügend Stimmen habe, ist es mir egal, was die anderen machen“, sagt er. Ausnahmen gebe es, wie zum Beispiel bei der Inklusion. „Die müssen alle bayernweit und parteiübergreifend mit tragen, sonst wird das nichts.“ Dass sie ihm am Herzen liegt, zeigt er auf seiner Internetseite. Dort sind seine Wahlziele auch in sogenannter „leichter Sprache“ nachzulesen.

Leben heißt Lernen, das hat der studierte Jurist auch in München gemerkt. „Im ersten Jahr arbeitet man sich ein, im zweiten hat man sich an die Mechanismen gewöhnt und arbeitet damit.“ Und als er im dritten Jahr als Abgeordneter in die Position als Vorsitzender des Hochschul- und Kulturausschusses aufrückte, gab es wieder andere Rädchen, an denen gedreht werden musste. „Langweilig wird das beileibe nie.“

Manchmal müsse man auch erst einmal für die Schublade planen, um dann im richtigen Moment die fertigen Pläne hervorzaubern zu können. „Sonst hätten wir das Geld für die Festung nie locker machen können.“ Einen fast dreistelligen Millionenbetrag wird die Staatsregierung in den kommenden Jahren für Investitionen und den laufenden Betrieb der Festung spendieren, sagt er.

Auch für die Renovierung der Mensa und den Bau der neuen Mensateria an der Würzburger Universität hat sich der Vorsitzende des Hochschulausschusses im bayerischen Landtag eingesetzt, wie auch für den Neubau der Kopfklinik. „Das sind ja jedes Mal zweistellige Millionenbeträge, da muss man erst einmal sehen, wie man noch mehr in die Region holen kann.“ Sein nächster Wunsch: ein Mutter-Kind-Zentrum für die Würzburger Universitätsklinik. „Wenn man sieht, wie die Frühchen und ihre Mütter da eng zusammen liegen, ist das dringend notwendig.“

Dabei hört er auch – zumindest manchmal – auf seine Frau Judith. Die 37-Jährige hält zuhause die Stellung und kümmert sich um die drei Kinder Benni (14), Emily (9) und Kilian (5). Aber sie ist beileibe kein Heimchen am Herd. Im April erst wurde Judith Jörg als Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Versbach im Amt bestätigt. Mehrmals am Tag telefonieren die beiden miteinander und tauschen sich aus.

Manchmal komme es auch vor, dass Leute am Haus vorübergehen und er dann hört: „Da wohnt der Jörg“. „Wer hat das verraten“, habe er neulich einmal über den Zaun zurückgefragt. Aus dem Über-den-Zaun-Gespräch habe sich dann eine gut eineinhalbstündige Schöppelrunde am Gartentisch entwickelt. „Das ist immer interessant, weil wir so mitbekommen, was die Leute wirklich denken“, sagt Judith Jörg. „Und das gibt es immer wieder“, fügt Oliver Jörg hinzu. „Wir haben ein offenes Haus, der Zaun ist nur da, damit die Hasen der Kinder nicht abhauen.“

Kandidaten-Check

Die drei wichtigsten Themen der Region in der nächsten Legislaturperiode?
Förderung der Vereine und Träger von Sozialeinrichtungen, weiterer Ausbau der Universität und der Uniklinik, Einsatz bei der Sanierung des Mainfrankentheaters und des Mainfränkischen Museums.

Ein Politiker, den Sie bewundern?
Adam Stegerwald, Arbeitsminister in der Weimarer Republik und Würzburger Gründungsmitglied der CSU.

Wie weckt man bei jungen Menschen Interesse an Politik?
Authentisch sein und Themen ansprechen, die junge Menschen berühren: Schule, Moderne Medien und Chancen der Digitalisierung, Job.

Wie überzeugen Sie einen Nichtwähler?
Viele Menschen kämpfen weltweit für Demokratie und freie Wahlen. Manche riskieren dafür sogar ihr Leben. Wir leben glücklicher Weise in einer gefestigten Demokratie! Sie mit Leben zu füllen heißt wählen gehen! Nur wer wählt, redet mit. Nur wer mitredet, verändert!

Woher kommt Politikverdrossenheit?
Von leeren Versprechungen, unverständlicher Sprache politisch Verantwortlicher, dem Gefühl, nichts ändern zu können und der Komplexität der gesellschaftlichen Zusammenhänge.

Ein politischer Gegner, den Sie besonders schätzen?
Harald Schneider. Es hat mir Freude bereitet, mit ihm gemeinsam den Anstaltsbeirat der JVA Würzburg zu leiten.

Sie machen Politik, weil . . . . . .
ich den Menschen, wenn Sie Probleme haben, helfen will und weil ich daran mitarbeiten will, dass wir in Würzburg und Bayern weiterhin Spitze sind.

Heimat ist für Sie . . .
Familie, Freunde, nette Nachbarn, die Feste, bei denen man die Menschen trifft, auf die man sich freut. Und natürlich unsere liebenswerte Stadt: Main, Alte Mainbrücke, Festung und Käppele, der Blick auf den Stein, Dom, ein Schoppen Silvaner und nicht zuletzt der Familiengottesdienst in Versbach.

Drei Dinge, die Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Ein Boot und zwei Paddel, um über Meer und Main wieder den Weg nach Würzburg ansteuern zu können.

Ihr schönster Moment bislang in diesem Jahr?
Ist privat.

Was können Sie richtig gut?
Den Königsjodler.

Was sollten Sie besser lassen?
Tanzen

Wo findet man Sie im Urlaub?
In Würzburg

Alter: 41

Beruf: Rechtsanwalt

Ausbildung: Jurastudium

Familienstand: verheiratet, drei Kinder

Geburtsort: Aalen (Ostalbkreis)

Wohnort: Versbach/Würzburg

In der CSU seit: 1994

Politische Ämter: Kreisvorsitzender Würzburg

Lieblingsessen: Schweinshaxe

Lieblingsmusik: Amy Winehouse

Lieblingsbuch: Henning Mankells Wallander-Kriminalromane

Lieblingsfilm: Zwischen HipHop und Kalaschnikow

Lieblingsplatz in der Region: Landesgartenschaugelände Würzburg

Lieblingssport: Tischtennis

Lebensmotto: Kein Mensch ist so stark, dass er nicht die Hilfe eines anderen bräuchte und kein Mensch ist so schwach, als dass er nicht eine Bereicherung für andere ist.

Wenn Sie die Wahl hätten …
Weißwurst oder Blaue Zipfel: Blaue Zipfel

Münchner Bier oder Frankenwein: Frankenwein

FC Bayern oder „Der Glubb“: FC Bayern

Karl Valentin oder Erwin Pelzig: Erwin Pelzig

Neuschwanstein oder Residenz: Würzburger Residenz

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