Würzburg

Caritas im Bistum: Mit einer Pommesbude gegen Armut

Jeden Euro umdrehen zu müssen – Tausende Menschen in Mainfranken kennen es nicht anders. Doch Armut ist nicht nur eine rein materielle Frage, wie der Caritasverband der Diözese zeigen will. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Sie wurde einst gegründet, um den Benachteiligten, Kranken und Armen in der Gesellschaft eine Stimme und vor allem verlässliche Hilfe zu geben. Auch heute wird die Caritas weiter gebraucht, wenngleich sich die Anforderungen verändert haben. Zu seinem 100-jährigen Bestehen rückt der Diözesan-Caritasverband die Armen in Unterfranken in den Mittelpunkt.

1897 hatte der junge katholische Priester Lorenz Werthmann in Köln den Deutschen Caritasverband gegründet, die Bistümer folgten in den Jahren darauf mit eigenen Verbänden – in Würzburg im Frühjahr 1920. Hier kümmerte man sich zunächst um bedürftige Kinder.

Jedem siebten Unterfranken droht Armut

Bedürftige gibt es noch immer. Nach offizieller Statistik ist in Unterfranken jeder Siebte von Armut bedroht, das heißt: Dem eigenen Haushalt stehen pro Kopf weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland zur Verfügung. Oder eine andere Zahl: Über 8000 Erwerbstätige in Unterfranken konnten im Jahr 2018 nicht von ihrem Gehalt leben und mussten zusätzlich Hartz IV beziehen. 

Um ein paar Euro zusätzlich zu ergattern, durchstöbern Pfandsammler die öffentlichen Mülleimer. Foto: Jonas Keck

Für Kilian Bundschuh und Bernhard Christof, im Diözesan-Caritasverband verantwortlich für die Bereiche Armut und Arbeit sowie Gefährdetenhilfe, sind die Zahlen Alarmsignale für eine soziale Spaltung im Land. Ein Teil der Menschen, so die Erfahrung aus ihrer Arbeit, werde abgehängt. Und genau ihnen will man sich im Caritas-Jubiläumsjahr besonders zuwenden. Es hat bereits am 27. September mit dem Namens- und Todestag von Caritas-Patron Vinzenz begonnen.

"Wir wollen uns nicht beweihräuchern, wollen nicht uns selbst feiern, sondern gemeinsam mit den Menschen", sagt Bundschuh, und meint damit die Randständigen und Armen. Sie sollen teilhaben an den Feierlichkeiten. Außerdem, so Christof, wolle man mit Aktionen vor Ort – auch die örtlichen Caritasverbände sind beteiligt – die verschiedenen Gesichter von Armut zeigen: Leben auf engstem Raum, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit oder einfach die tägliche Entbehrung, wo das Geld nicht reicht. Dabei geht es nicht nur um das Materielle, "sondern um die Teilhabechancen in der Gesellschaft", sagt Bundschuh. 

Tour durch Bistum zeigt Formen von Armut

Unter dem Motto "Armut bringt uns auf Tour" werden die lokalen Aktionen zu einer Rundtour durch das Bistum verknüpft. Zentrale Veranstaltung ist am 20. November der Welttag der Armen, zu dem Altbischof Friedhelm Hofmann in den Heimathof Simonshof in Bastheim (Lkr. Rhön-Grabfeld) kommt. Er trifft dort Wohnsitzlose und wird mit ihnen zusammen essen.

Weitere Stationen der Tour beleuchten laut Bereichsleiter Christof Themen wie Kinder- oder Altersarmut, die Armut von Frauen und Armutsfaktoren wie Schulden, Sucht, psychiatrische Erkrankungen oder Migration. So ist beispielsweise für April ein Bewohnerfest im Kitzinger Notwohngebiet geplant.

Pommes verbinden: Der Diözesan-Caritasverband setzt eine Pommesbude im Jubiläumsjahr als Symbol für Begegnung und Gespräch über soziale Grenzen hinweg ein. Foto: Nico Pointner, dpa

Bei allen Aktionen der Tour von Miltenberg bis Haßfurt wird als Anlaufstelle, Begegnungsort und Blickfang eine mobile Pommesbude aufgestellt. "Sie ist ein Ort der Begegnung für alle Menschen", erklärt Christof. Eine Pommesbude verbinde Menschen unabhängig von Armut und Reichtum. "Man isst zusammen und kommt vielleicht sogar ins Gespräch." Die Pommes sollen dabei gratis ausgegeben werden – Sponsoren dafür werden noch gesucht.

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