WÜRZBURG

Central-Kino will in den Luisengarten

Filme statt Veranstaltungen im Saalbau: Aufsichtsratsvorsitzender David Herzog und Vorstandsvorsitzende Heidrun Podszus ... Foto: THERESA MÜLLER

Heidrun Podszus, die Vorstandsvorsitzende der Kino-Genossenschaft Central, lässt die Bombe sofort platzen: „Überraschend wurde uns kurzfristig der Saalbau Luisengarten angeboten“, beginnt sie das Pressegespräch, zu dem sie und Aufsichtsratsvorsitzender David Herzog am Dienstagnachmittag eingeladen haben.

„Vorstand und Aufsichtsrat haben sich bereits einstimmig für die Option Luisengarten ausgesprochen“, sagt David Herzog. Vor sechs Wochen hat er erfahren, dass ein neuer Mieter für das Haus nahe des Ringparks gesucht wird. „Nach einer Begehung vor vier Wochen war klar, dass dort Kino möglich ist.“ Die folgenden Gespräche mit dem Eigentümer „AAA Real Estate AG“ aus Nürnberg verliefen ebenfalls erfolgreich.

„Die Lage in der Innenstadt ist das stärkste Argument für den Luisengarten“
David Herzog Aufsichtsratsvorsitzender Central

Wenn am 16. Juli die 490 Genossen zustimmen, kann das Central Ende 2015 von der Mozartschule in den rund 650 Meter entfernten Luisengarten am Friedrich-Ebert-Ring umziehen. Vom Tisch wäre dann der bislang angedachte Standort Bürgerbräu-Gelände in der Zellerau.

„Die Lage in der Innenstadt ist das stärkste Argument für den Luisengarten“, erklärt Herzog. Anzahl der Plätze und Säle wäre bei beiden Standorten ähnlich. Ebenso Miete und Nebenkosten. Er ist sich ziemlich sicher, dass die große Mehrheit der Genossen den Standort in der Innenstadt dem am Stadtrand vorziehen werden.

„Schade“, sagt Architekt Roland Breunig, der mit seiner Bürgerbräu-Projektentwicklungsgesellschaft das ehemalige Brauerei-Gelände entwickelt und an diesem Montag von der voraussichtlichen Absage des Centrals erfahren hat. „Ich glaube zwar, dass unser Standort langfristig bestens geeignet wäre, weil wir ein Kulturquartier werden, akzeptiere aber natürlich das, was die Genossen in einem Monat entscheiden werden.“ Eine Alternative für die Nutzung der Kellerräume habe er momentan nicht, da man die Räume zwei Jahre lang frei gehalten habe.

Sowohl Breunig, der selbst Genosse ist, als auch die Kino-Macher betonen, dass man einander nicht böse sei. „Wir sind auch beim Sommerfest auf dem Bürgerbräu-Gelände wieder dabei und können uns dort gut vorstellen, dort ein Open-Air-Kino zu machen,“ sagt Heidrun Podszus.

Im Luisengarten könnten drei Kinosäle mit insgesamt rund 260 bis 300 Plätzen entstehen. „Der große Saal oben wäre ein klasse Kinosaal“, freut sich Herzog. Er stellt sich eine große Leinwand und eine Schräge vor, schwärmt von neuer Technik und moderner Ausstattung des 2002 renovierten, barrierefreien Gebäudes. „Die Lounge im Erdgeschoss wird ein Kino-Café.“

Auch wirtschaftlich können Vorstand und Aufsichtsrat ihren Genossen den Saalbau empfehlen. „Wir haben das natürlich durchgerechnet“, sagt Vorstandschefin Podszus. Zwar würden Miete und Betriebskosten steigen, aber auch die Besucher: 46 000 waren es 2013 mit 181 Plätzen in der Mozartschule, rund 70 000 hält man im Luisengarten für möglich. Außerdem bekommt das Programmkino mit einem langfristigen Mietvertrag deutlich mehr Fördermittel.

Wenn alles so klappt, wie geplant, freuen sich Podszus und Herzog sehr darüber, dass die lange Suche nach einem neuen Standort doch noch erfolgreich war. Dass die Mozartschule nur befristet und bedingt für das Genossenschaftskino geeignet ist, war von Anfang an klar gewesen: Die Stadt will das Areal verkaufen. Die Hoffnung, dass die Schule irgendwann renoviert wird, sei keine Alternative: „Niemand sagt, dass dann dort noch ein Kino Platz hat,“ sagt Podszus. „Und was würden wir während einer möglichen Sanierung machen?“

Die denkmalgeschützte Schule verlässt Herzog dennoch auch mit einem weinenden Auge: „Den Flair der 50er Jahre werden wir vermissen.“ Gut kann er sich an die Aufbruchstimmung erinnern, mit der die Genossen 2010 das alte Gebäude belebt und das Kino erfolgreich gemacht haben. Aber jetzt geht es um die Zukunft: Im Luisengarten soll ein neues Kapitel Central-Geschichte geschrieben werden.

Saalbau Luisengarten

Das Gebäude in der Martin-Luther-Straße 1 wurde 1911 als Vereinsheim des „Evangelischen Arbeitervereins Würzburg“ errichtet. Das Jugendstilhaus wurde 1945 zerstört, fünf Jahre später wieder aufgebaut. Nach Generalumbau 2002 wurde der Saalbau überkonfessionell als Veranstaltungsort genutzt. 2011 verkaufte die evangelische Kirche das Gebäude an die Nürnberger „AAA Real Estate AG“. Diese vermietete den Saalbau in der Martin-Luther-Straße für fünf Jahre an die „Rebstock Veranstaltungen GmbH“, die die 700 Quadratmeter großen Veranstaltungsräume für bis zu 600 Personen vermarktet und bewirtet. Das Restaurant am Friedrich-Ebert-Ring hat einen gesonderten Vertrag mit dem Eigentümer.

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