Winterhausen

Chormahl mit Winterhäuser Liedwünschen

Kirchliche und politische Prominenz erschien zum Chormahl 2019 in der Winterhäuser St. Nikolaus-Kirche. Leider gab es auch einen ärztlichen Notfall.
Festlich: Das Chormahl 2019 des Kirchenchores von St. Nikolaus in Winterhausen mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.
Festlich: Das Chormahl 2019 des Kirchenchores von St. Nikolaus in Winterhausen mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: Antje Roscoe

Es ist wohl jedes einzelne Chormahl in Winterhausen in seiner fast 400-jährigen Geschichte etwas ganz Besonderes: ein "Cantate Domino" und ein Festtag der Kirchenmusik. 2019 aber kamen Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, um die Festpredigt zu halten … und der Notarzt.

Ausgerechnet die Sopranistin, die das Solo singt, die seit 1956 im Kirchenchor aktiv ist und bereits zum zehnten Mal am Chormahl teilnimmt, musste sich bei "Jesus, you're the center of may joy" setzen und dann ärztlich versorgt werden. So schnell gibt man eine so lange Winterhäuser Tradition im ältesten evangelischen Kirchenchor Bayerns jedoch nicht auf. Gerda Trunk war schließlich wieder gegenwärtig genug, Bedford-Strohm zu signalisieren, es solle weitergehen, er könne doch mit der Predigt beginnen.

Entgegen Trunks Hoffnung wurde nach Minuten der Bestürzung zwar ohne sie fortgefahren, aber getragen vom Wunderbaren der Musik, das auch Bedford-Strohm vor Augen führte. Sie bewahre nicht vor Sorgen, aber sie vertreibe Not und Angst und befreie die Seele. Auch Martin Luther habe dieses Rezept gekannt, so Bedford-Strohm. Der Landesbischof habe beim Empfang zu seiner Ankunft gespürt, wie das Singen in Winterhausen Gemeinschaft schenkt und Freude. Es gehöre auch für ihn zu den stärksten Momenten, bekannte er.

Zum Chormahl kamen viele Ehrengäste

Prominente Gäste.
Prominente Gäste. Foto: Antje Roscoe

Die große, einzigartige Tradition des Chormahls hatte außerdem viele Ehrengäste angelockt. Bezirksrat Gerhard Müller regte der großen historischen Tradition wegen eine Partnerschaft mit dem nur unwesentlich älteren Chor von Westminister Abbey an und Landrat Eberhard Nuß verkündete, dass seine erste Chorprobe beim Männergesangsverein Üttingen als Landrat a.D. schon feststeht.

Verdient war das dem Gottesdienst folgende Festessen. Nicht geschenkt, wie im Mai 1625 vom Patronatsherr Schenk Georg Friedrich von Limpurg-Speckfeld in der Stiftungsurkunde vorgesehen. Es gab Hochzeitssuppe für den 32-köpfigen Chor - nachdem er zwei Tage lang mit Ansingen durch Winterhausen gelaufen war und mit Liedwünschen Geld gesammelt hatte.  

Pfarrer Robert Foldenhauer verortete das Ansingen als eine Art von Selbsthilfe, die vor etwa 200 Jahren entstand. Die Säkularisation hatte die gräfliche Familie als Patronatsherren entlassen. Die mit ihrer Stiftungsurkunde festgelegte Ordnung des Chores und das von den Bürgern mit jährlich 20 Gulden zu entlohnende Singen sowie der Eimer Wein (60 Liter) aus dem gräflichen Keller waren hinfällig, berichtet Foldenhauer aus den Aufzeichnungen. 20 Gulden waren damals ein ordentlicher Betrag für etwas Ordentliches zu essen. So, wie die Hochzeitssuppe heute, und das klassische Sonntagsessen mit Braten und Beilagen, wie es im Bürgerhaus nach dem Gottesdienst aufgetischt wurde.

Die Kirche beim Chormahl war voll besetzt. 
Die Kirche beim Chormahl war voll besetzt.  Foto: Antje Roscoe

Ansingen, um das Chormahl zu finanzieren

Die Grafschaft Limpurg-Speckfeld ging im Königreich Bayern auf, und es hätte kein Chormahl mehr gegeben, wenn die Winterhäuser Sänger nicht dazu über gegangen wären, sich durch das Ansingen das Chormahl selbst zu finanzieren - verstärkt durch die Musikkapelle. Diese Tradition behielten sie in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen bei, seit 1949 im Turnus von sieben Jahren.

Ganz oben auf der Chormahl-Hitliste 2019 standen die Irischen Segenswünsche, gefolgt von Paul Gerhardts "Geh aus, mein Herz, und suche Freud" sowie "Weit, weit weg" von Hubert von Goisern. Wahre Freundschaft, Gospels und Volkstümliches konnten sich die Winterhäuser wünschen. Pfarrer Robert Foldenhauer und Fiskal Reinhold Dünninger waren auch für ein zügiges Vorankommen als Vorhut an den Haustüren unterwegs, um zu klingeln und die fast 100 Liedwünsche entgegen zu nehmen sowie 3725 Euro für das Chormahl.

Freudige Gesichter nach dem Gottesdienst. Vorne links: Heinrich Bedford-Strohm und neben ihm Pfarrer Robert Foldenhauer.
Freudige Gesichter nach dem Gottesdienst. Vorne links: Heinrich Bedford-Strohm und neben ihm Pfarrer Robert Foldenhauer. Foto: Antje Roscoe

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