WÜRZBURG

Christian Perleth tritt bei der Deutschen Meisterschaft der Zauberkunst an

Die Meisterschaft im Blick: Der Würzburger Christian Perleth alias ZaPPaloTT ist Zauberer, Schauspieler und Klamaukartist – und präsentiert sich an diesem Freitag beim großen deutschen Zauberer-Wettbewerb in Sindelfingen. Foto: Thomas Obermeier

Eine Lichterkette und ein hängender Telefonhörer im Flur, eine Webcam und Lichtershow mit Musik im Badezimmer, ein offener Regenschirm und Fußspuren an den Wänden im Schlafzimmer – so verrückt und einzigartig wie die Wohnung selbst ist auch ihr Bewohner: Christian Perleth, Zauberkünstler. Kurz: ZaPPaloTT.

Die vergangenen drei Monate hat Christian Perleth vereinsamt daheim in diesen verrückten Wänden verbracht. Drei Monate lang hat er gebastelt und gebaut, hat vor dem Spiegel und vor der Videokamera geübt, hat alles wieder umgeworfen und neugeplant. Denn an diesem Freitag, 10. Januar, schlägt um 11.45 Uhr für den 29-jährigen Künstler aus Würzburg die Stunde. Christian Perleth darf bei der Deutschen Meisterschaft der Zauberkunst in Sindelfingen antreten, im Sommer hat er sich für den magischen Wettbewerb qualifiziert. „Ich freue mich sehr, dass ich meine Nummer dem großen Publikum zeigen darf, bin aber auch schon aufgeregt“, sagt Perleth. „Wenn man so lange auf etwas hinarbeitet – und dann entscheiden nur die zehn Minuten . . .“

Der Würzburger sieht sich selbst nicht nur als Zauberkünstler. „Das Schubladendenken mag ich nicht. Ich versuche verschiedene Kunstformen miteinander zu kombinieren.“ So bietet er auch Schauspielerei, Klamauk, Clownkunst, Musik und Tanz an. „Es gibt viele Zauberer, die nur zaubern und wirklich gut darin sind, aber nur einen Trick nach dem anderen machen und die Präsentation vernachlässigen.“ Für Perleth ist die Art der Darbietung das Wichtigste: Denn nicht nur mit dem Trick berühre und verzaubere man, sondern mit seiner Person.

Seine eigene Art findet Perleth nicht austauschbar. „Weil ich zum einen so verrückt und lustig auf der Bühne, zum anderen aber ganz tiefgründig und philosophisch bin. Eine Kombination, zu der man am Anfang sagte, sie würde nicht funktionieren.“ Dass sie doch funktioniert, hat Perleth bei der Qualifikation für die Meisterschaft bewiesen.

Die Nummer, die er für den Wettbewerb in Sindelfingen vorbereitet hat, sei „nicht gerade Mainstream und sehr gesellschaftskritisch“, kündigt Perleth an. Er widmet sich zaubernd dem Thema Geld versus Geist: „Das ist eine Ode an die Ideen und eine Kampfansage an das Geld, weil ich der Meinung bin, Geld hat sehr viel Schuld daran, dass so viele Ideen, die richtig gut sind, nicht verwirklichen werden können.“ So ziehen sich zwei Symbole durch sein ganzes Stück: die großen Münzen, die aus der Luft erscheinen und verschwinden, und die Luftballons als Zeichen für die Gedanken, die eigentlich frei sein und schweben sollen, aber auf den Boden fallen – weil das Geld sie nach unten zieht.

Den besonderen Umgang mit den Zuschauern nennt Perleth als sein Markenzeichen. „Wenn ich jemanden aus dem Publikum auf die Bühne bitte, versuche ich ihn herauszustellen und halte mich selbst im Hintergrund. Wenn er dann zurück auf den Platz geht, hat er meistens ein Lächeln im Gesicht.“

Schon als Kind hatte Perleth einen Zauberkasten, besuchte Zauberkurse in den Ferien und bot der Familie kleine Vorführungen an. Irgendwann kam die Schauspielerei dazu. Erst im Schultheater, dann im Theater am Neunerplatz. „Dort habe ich wahnsinnig viel gelernt und trete immer noch auf“, so Perleth. 2004, nach dem Abitur, wollte er für die Kindergruppe, die er geleitet hat, eine Zauberstunde machen. „Damals ist aber alles schief gelaufen. So habe ich dann meine Zauberbücher wieder rausgekramt.“

Nach dem Grundschullehramtsstudium landete der Würzburger in einem Kinderheim für verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche – und war dort nicht nur als Erzieher und Lehrer, sondern auch als Künstler tätig. „In den drei Jahren habe ich sehr viel über den Umgang mit Kindern gelernt. Das verwende ich jetzt auch in meiner Kinderzauberei.“Aber nicht nur das junge Publikum verzaubert Perleth. „Das schöne an der Zauberei, sie kann Junge bis Alte begeistern. Sie verschmelzt Traum und Wirklichkeit miteinander. Plötzlich sitzen die Uni-Professoren da und rätseln mit.“

Ob er der Deutsche Meister wird? Perleth zuckt die Schultern und sagt: „Ich schaffe es auf jeden Fall, schöne Bilder auf der Bühne zu zaubern!“

Auftritte von Christian Perleth alias ZaPPaloTT gibt es bald wieder im Theater am Neunerplatz in Würzburg: ein Mitmach-Theater für Kinder von drei bis zehn Jahren und für alle Junggebliebenen, 17.–19. und 29.–31. Januar sowie am 1. und 2. Februar, jeweils um 16 Uhr.

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