WÜRZBURG

Cooler Hafensommer-Sound bei kühlen Temperaturen

Singer-Songwriterin Karo beim Hafensommer. Text
Singer-Songwriterin Karo beim Hafensommer. Text Foto: Patty Varasano

Sommerlich warm war es nicht gerade beim Abend der heimatlichen Klänge beim Hafensommer am Sonntag, eher herbstlich kühl. Angekündigt waren die Singer-Songwriterin Karo aus Würzburg und das aus Lohr stammende Geschwister-Duo Eva und Philipp Milner, in der Musikszene unter dem Namen „Hundreds“ firmierend.

Im Vergleich zu den beiden Vorabenden mit The Notwist und dem Michael Wollny waren die Treppenstufen doch deutlich spärlicher besetzt.

Karo ist in der Würzburger Rock- und Popszene eine feste Größe geworden. In diesem Jahr feiert sie ihr zehnjähriges Bühnenjubiläum, wofür ihr der jetzt auch zehn Jahre alte Hafensommer den passenden Rahmen lieferte. Ganz alleine mit ihrer E-Gitarre und ihrer Loop-Station, die ihr bei vielen Songs eine Band ersetzt, stand sie auf der riesigen Hafenbühne und spielte einen Querschnitt aus ihren bisherigen zwei CDs. Eine dritte soll bald folgen, kündigte sie an.

Karos selbst geschriebene Lieder melancholisch-düstere, fast zerbrechliche und hoch emotionale kleine Kunstwerke. Mit dem Pop-Mainstream haben sie definitiv nichts am Hut. Es sind oftmals traurige Lieder, die den Zuhörer in den Bann ziehen, wenn er sich intensiv auf sie einlässt.

Und so ist es kein Wunder, dass die einzige Fremdkomposition, die sie an diesem Abend im Programm hat, der vielleicht traurigste aller traurigen Popsongs ist. Chris Isaaks „Wicked Game“ verleiht Karo mit ihrer eindrucksvollen Stimme noch eine Extraportion Melancholie. Dann die Überraschung. Am Ende des Sets spielt sie einen Song aus dem nächsten Album, der regelrecht rockt und neugierig macht auf die neue CD..

Für die „Hundreds“-Geschwister Milner wird zunächst einmal ein eindrucksvolles Keyboard-Cockpit mit allerlei Tasteninstrumenten auf die Bühne geschoben. Auf der anderen Bühnenseite steht ein Drumset für Florian Wienczny, der das Duo verstärkt.

Zweieinhalb Alben haben die „Hundreds“ bisher veröffentlicht, ein weiteres soll bald folgen. Material daraus gibt es an diesem Abend aber noch nicht, denn es war keine Zeit für eine Live-Aufbereitung neuer Songs, erklärt Sängerin Eva Milner.

Die sechs Jahre jüngere Schwester beeindruckt durch eine ausdrucksstarke starke Stimme, die den häufig im mittleren Tempobereich angesiedelten Songs eine markante Klangfarbe verpasst. Auch den „Hundreds“-Songs haftet eine Portion balladeske Melancholie an, wenngleich durch dosierte Beigabe synthetischer Beats auch das rhythmische Element nicht zu kurz kommt. Immer wieder baut Philipp Milner von einem seiner zahlreichen Tasteninstrumente aus filigrane Soundtüfteleien in die Songs ein und gibt ihnen die ein oder andere Wendung.

Besonders schön gelingt den „Hundreds eine Cover-Version von Björks „Who Is It“, da nehmen sie nämlich auch mal ein bisschen Fahrt auf, was man sich während des Sets, das ein wenig unterkühlt daherkommt, etwas häufiger wünschen würde. Insgesamt aber ist der melancholische Electropop der „Hundreds“ eine sehr abgeklärte und ausgereifte Angelegenheit, der auch in Zukunft sein Wirkung nicht verfehlen sollte.

Hundreds-Sängerin Eva Milner aus Lohr beim Würzburger Hafensommer.
Hundreds-Sängerin Eva Milner aus Lohr beim Würzburger Hafensommer. Foto: Patty Varasano

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