Würzburg/Schweinfurt

Corona: Die Lage in Unterfranken am Donnerstagabend

19 153 bestätigte Corona-Fälle gibt es in Bayern mittlerweile, 277 Menschen sind am Coronavirus gestorben. Auch in Unterfranken steigen die Zahlen: 1593 Infizierte und 40 Todesopfer melden die Behörden. Wo es bestätigte Fälle gibt und was Sie wissen müssen.
Einkaufen in Coronazeiten: Ein Servicemitarbeiter der Supermarktkette Lidl steht am Eingang vom Lidl Markt in Würzburg Heuchelhof und desinfiziert mit einer Sprühflasche alle Einkäufer vor dem Markt.  Foto: Silvia Gralla

Die Corona-Zahlen in Bayern steigen weiter, 19 153 Fälle wurden am Donnerstag vom Landesamt für Gesundheit (LGL) bestätigt. Mindestens 277 Menschen sind demnach im Freistaat am Coronavirus gestorben.

Von allen insgesamt gemeldeten Fällen gelten 2 910 Menschen in Bayern als genesen. Die Anzahl der Genesenen beruht jedoch auf einer Schätzung des LGL. Denn erst jetzt melden die ersten örtlichen Gesundheitsämter, dass Menschen, die an einer Corona-Erkrankung litten, wieder gesund sind. 

In Unterfranken stieg die Zahl der bislang bestätigten Infektionen bis Donnerstagabend auf 1593 (Stand: 18 Uhr). In der Region am Coronavirus gestorben sind bislang 40 Menschen: 10 in Stadt und Landkreis Aschaffenburg, 6 im Landkreis Schweinfurt2 im Landkreis Main-Spessart, 1 im Landkreis Bad Kissingen sowie 21 in Stadt und Landkreis Würzburg.

Todesfälle in mehreren Seniorenheimen der Region

Alten- und Pflegeheime sind längst zu einem Brennpunkt bei der Ausbreitung des Coronavirus in der Region geworden. Besonders betroffen ist nach wie vor das Seniorenheim St. Nikolaus in Würzburg: Am Donnerstag starb erneut ein Bewohner der Einrichtung, ein 92 Jahre alter Mann mit schweren Vorerkrankungen. Es war bereits der 17 Todesfall in dem Heim. Insgesamt 51 Bewohner der Einrichtung seien positiv getestet, acht davon würden in Krankenhäusern versorgt, teilt das Seniorenheim mit. Zehn Senioren würden als genesen gelten. Zudem befänden sich noch immer 25 positiv getestete Mitarbeiter in Isolation. 

Auch im Hans-Sponsel-Haus der AWO in Würzburg sowie in Schweinfurt im Domicil-Seniorenpflegeheim sind bereits Bewohner am Coronavirus gestorben. Im Landkreis Bad Kissingen starb eine Bewohnerin des Pflegeheims Kramerswiesen in Oerlenbach.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass jetzt auch das Kreisalten- und Pflegeheim Werneck (KAPH) vom Coronavirus betroffen ist. Dies teilte das Landratsamt Schweinfurt als Träger der Einrichtung mit. Bei 21 von 26 Bewohnern des betroffenen Wohnbereichs war der Test auf Covid-19 positiv, zudem wurden vier Mitarbeitern positiv getestet. "Zwei Bewohnern geht es leider nicht so gut, doch die meisten sind überwiegend symptomfrei oder haben nur geringe Beschwerden", berichtet Matthias Gehrig, der kommissarische Leiter des Gesundheitsamts Schweinfurt.

Fest zugewiesene Ärzte für Seniorenheime

In Stadt und Landkreis Würzburg haben die Verantwortlichen nun reagiert: Um eine Ausbreitung des Virus in Alten- und Pflegeheimen durch medizinisches Personal zu verhindern, sollen die Heime künftig nur noch von fest zugewiesenen Hausärzten betreut werden dürfen. Alle anderen Ärzte haben Betretungsverbot.

Auch im Landkreis Main-Spessart gibt es nach Angaben des Landratsamtes vom Donnerstag einen zweiten Todesfall. Es handele sich um eine Person Mitte 80 mit Vorerkrankungen.

Erste Gesundheitsämter erfassen die Zahl der Genesenen

Insgesamt stehen in Unterfranken 4994 Menschen unter Quarantäne. Mehr als 230 Corona-Erkrankte werden in Krankenhäusern behandelt. 58 Menschen liegen auf Intensivstationen.

Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Bürger unter Quarantäne stehen, hat das Landratsamt Würzburg am Donnerstag Allgemeinverfügungen erlassen. Darin werden Unterlassungen und Anordnungen für Corona-Kontaktpersonen der Kategorie I geregelt - ohne dass für jeden Betroffenen Einzelfallbescheide erstellt werden müssen. Ziel sei es, Verwaltungsaufwand zu reduzieren. In den Allgemeinverfügungen finden sich unter anderem Hinweise zu Hygieneregeln im Haushalt. Zur Kategorie I zählen unter anderem Menschen, die mindestens 15 Minuten direkten Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten, mit ihm in einem Haushalt leben oder medizinisches Personal, das ohne Schutzausrüstung Kontakt zu einem Corona-Patienten hatte.

Unterdessen haben die ersten Gesundheitsämter begonnen, die Zahl der Genesenen zu erfassen. Im Raum Würzburg gelten 82 der insgesamt 570 bestätigten Fälle wieder als gesund. Im Raum Schweinfurt haben 29 Menschen, in Stadt und Landkreis Aschaffenburg 64, in Miltenberg 33 und in den Haßbergen sowie in Kitzingen und in Rhön-Grabfeld haben jeweils 10 Menschen die Corona-Erkrankung bereits überstanden.

Uni-Kliniken suchen nach neuen Behandlungsmethoden

"Genau diese Patienten suchen wir jetzt, damit wir mit ihrer Hilfe möglicherweise schwer kranken Covid-19-Patienten das Leben retten können", sagt Professor Holger Hackstein, Leiter der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen. Aus einer Blutspende könne Immunplasma Covid-19 gewonnen werden, das vielleicht schwer kranken Corona-Patienten das Leben retten kann. 

Der Ansatz, schwer an Covid-19 erkrankten Patienten Plasma von Personen zu transfundieren, die die Erkrankungen bereits überstanden und daher entsprechende Antikörper in ihrem Plasma haben,  wird derzeit an verschiedenen Stellen in Deutschland verfolgt. "In Bayern sind die transfusionsmedizinischen Abteilungen und Institute der Universitätskliniken gerade dabei, diese Therapieoption in einer gemeinsamen Aktion aufzubauen", sagt Susanne Just, Sprecherin der Uni-Klinik Würzburg. Auch in Würzburg werde intensiv daran gearbeitet. 

Ausgangsbeschränkungen bis mindestens 19. April

Unterdessen kündigte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an, die  Ausgangsbeschränkungen bis mindestens zum 19. April aufrechtzuerhalten. "Es gibt keinen Anlass für Entwarnung oder um falsche Hoffnungen zu wecken", sagte Söder. Verschärfungen soll es aber vorerst nicht geben.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) hat nun ein Angebot für Menschen gestartet, die psychisch unter der derzeitigen Situation leiden oder mit der häuslichen Isolierung nicht zurechtkommen. Psychotherapeutisch tätige Ärzte, Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugend-Psychotherapeuten bieten ab sofort bayernweit individuelle Beratung und Hilfe per Videosprechstunde an. Unter www.kvb.de/coronavirus-patienteninfo finden Betroffene eine Liste von beteiligten Praxen. Die Terminvereinbarung soll laut KVB telefonisch stattfinden.

Teststrecken: Nur mit Termin erfolgt Corona-Test

Nach Marktheidenfeld (Lkr. Main-Spessart) und Kitzingen verfügt jetzt auch Würzburg über eine Corona-Teststrecke. Hier kann man sich im Auto testen lassen. Allerdings muss man vom Gesundheitsamt registriert und zugeteilt sein. Nur wer einen Termin hat, wird zum Testen zugelassen.

Da einige Menschen offenbar mit einer Krankschreibung zur Teststrecke kamen, weist Kerstin Gressel vom Landratsamt Würzburg am Donnerstag noch einmal darauf hin: "Personen, die aktuell nicht über ihren Hausarzt oder die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) registriert und zugeteilt wurden, sollen – bei allem Verständnis für die Ängste der Menschen – nicht zu den Teststrecken kommen." Wer trotzdem kommt, wird wieder weggeschickt. Auch am Bürgertelefon bekommt man keinen Termin für eine Testung.

Künftig bis zu 13 000 Tests täglich in Bayern

Unterdessen kündigte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml an, die Corona-Testkapazitäten in Bayern massiv auszuweiten. Dies sei wichtig, um weitere Infektionen einzudämmen. Künftig seien bis zu 13 000 Tests am Tag möglich. Voraussetzung ist, dass genügend Probenmaterial zur Verfügung steht. Nach Angaben des LGL gab es bereits mehr als 110 000 Testungen. Davon waren rund 8,7 Prozent positiv.

Die Karte mit den bestätigten Coronafällen in Unterfranken und im Main-Tauber-Kreis wird laufend aktualisiert:

Corona-Fälle in Unterfranken

Bestätigte Fälle (Stand Donnerstag): In Unterfranken haben sich nachweisbar mindestens 1593 Menschen (Vorabend: 1447 Menschen) mit dem Coronavirus infiziert. Die meisten Fälle, 570 bestätigte Infektionen, gibt es weiter in Stadt und Landkreis Würzburg. Für Stadt und Landkreis Aschaffenburg sind 276 Fälle bestätigt, für Stadt und Landkreis Schweinfurt 230, für den Landkreis Miltenberg 150, für die Landkreise Haßberge 78, Bad Kissingen 118, Main-Spessart 74, Kitzingen 40 und Rhön-Grabfeld 57. Im Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg melden die Behörden 182 Fälle. 

Deutschlandweit bestätigte das Robert-Koch-Institut am Donnerstag 73 522 Corona-Fälle (+6156) und 872 Todesopfer. Geschätzt rund 18 700 Corona-erkrankte Menschen sind laut RKI-Lagebericht genesen.

Unsere Infografik zeigt (addiert) die nach Recherchen der Redaktion nachgewiesenen Corona-Fälle in Unterfranken am jeweiligen Tag:

Polizei kontrolliert Ausgangsbeschränkungen

Täglich kontrolliert die Polizei in Unterfranken die Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen . Diese seien "absolut notwendig, um die Ausbreitung des Coronavirus zu unterbinden. Bitte bleiben Sie zu Hause!", heißt es in einem Appell.

Auto waschen? Motorrad fahren? Auf eine Parkbank setzen? Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, gelten strenge Regeln. Wir haben Antworten auf die Fragen, was bei einer Ausgangsbeschränkung erlaubt und was verboten ist: Was bei schönem Wetter erlaubt ist

Aktuelle Empfehlungen: Symptome des Coronavirus sind Fieber, Muskelschmerzen, Husten, Schnupfen oder Durchfall. Wer davon ausgeht, sich angesteckt zu haben, sollte sich – telefonisch! – an seinen Hausarzt oder den kassenärztlichen Notdienst unter der Telefonnummer 116 117 wenden. Wer Kontakt zu einer positiv auf das Coronavirus getesteten Person hatte, muss laut Gesundheitsamt Würzburg auf jeden Fall vorsorglich 14 Tage in häusliche Quarantäne. 

Bürgertelefone: 

  • Würzburg (0931/ 8003-5100)
  • Schweinfurt (09721/55-745)
  • Kitzingen (09321/928-1111)
  • Bad Kissingen (0971/7165-0)
  • Main-Spessart (09353/793-1490)
  • Haßberge (09521/27-600)
  • Rhön-Grabfeld (09771/94800)
  • Miltenberg (0 93 71/501-523)
  • Main-Tauber-Kreis (09341/82-4010)
  • Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist unter 09131 6808-5101 zu erreichen. Im Internet: www.116117.de

Die Handwerkskammer für Unterfranken hat für von der Corona-Krise betroffene Betriebe eine Hotline eingerichtet: Telefon (0931) 3 09 08-33 44.

Das müssen Sie zu Corona wissen:

Weitere Informationen:

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