Würzburg/Schweinfurt

Corona: Wo notleidende Firmen in Mainfranken Hilfe bekommen

Gerade kleine Unternehmen kämpfen wegen der Coronakrise jetzt ums Überleben. Die Unternehmer haben viele Fragen. Experten aus Mainfranken geben wichtige Tipps.
Vorzeitig Feierabend: Kurzarbeit gilt für Unternehmen als geeignetes Mittel, um Engpässe infolge der Coronakrise abzufangen (Symbolbild). Experten in Mainfranken haben weitere Tipps. Foto: Florian Schuh, dpa

Die Coronakrise ist für die Wirtschaft zur Herkulesaufgabe geworden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach gar davon, dass dem Freistaat eine Rezession bevorstehe. Er rief am Montag den Katastrophenfall aus. Indes liefen bei mainfränkischen Wirtschaftsverbänden und -kammern am Montag die Telefone heiß, weil Unternehmen händeringend nach Rat suchen.

Im Mittelpunkt der Fragen standen offenbar die Furcht, wegen der von der Staatsregierung angeordneten Schließung von nicht systemrelevanten Betrieben und wegen der unklaren Zukunft rund um Corona ins Aus zu rutschen. Die wichtigsten Antworten:

Ich bin Unternehmer mit einem kleinen Geschäft. Wegen der Coronakrise im Allgemeinen und der angeordneten Schließung von Betrieben im Besonderen werde ich schon bald große Liquiditätsprobleme bekommen. Wohin muss ich mich wenden, um Hilfe zu erhalten?

Immer zuerst an die Hausbank, so die übereinstimmende Auskunft von Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt, Handwerkskammer für Unterfranken, Handelsverband HBE und Agentur für Arbeit (beide Würzburg). Über die Hausbank könnten notleidende Unternehmer an überbrückende Kredite und Bürgschaften der LfA Förderbank Bayern, der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie der Bürgschaftsbank Bayern GmbH kommen. Die Staatsregierung stellt kleinen und mittelgroßen Unternehmen zwischen 5000 und 30000 Euro als Soforthilfen in Aussicht. Wer sich an seine Hausbank wenden will, sollte bedenken, dass der Filialbetrieb unter Umständen eingeschränkt ist. So haben die Sparkasse Mainfranken in Würzburg und die VR-Bank Würzburg darauf hingewiesen, dass Anfragen und Anträge lieber online gestellt werden sollten. Auf einen Besuch in einer Filiale sollte zum gegenseitigen Schutz der Gesprächspartner - wenn möglich - verzichtet werden. Für den schlimmsten Fall der Fälle: Wer in Folge von Corona zahlungsfähig wird, ist bis Ende September von der dreiwöchigen Insolvenzantragspflicht befreit. Damit soll nach Angaben des Bundesjustizministeriums vermieden werden, dass Unternehmen nur deswegen in die Pleite rutschen, weil ihr Antrag auf Liquiditätshilfe nicht rechtzeitig bearbeitet werden konnte.

Welche Wege stehen mir als Unternehmer noch offen? Was kann meine Belegschaft erwarten?

Kurzarbeit wird als gutes Mittel angesehen, um anstehende Liquiditätsprobleme zu vermeiden. Um den Unternehmen hier schnell zu helfen, wurden die Bedingungen gelockert. Wie die Würzburger Agentur für Arbeit auf Anfrage mitteilte, musste bisher ein Drittel der in dem Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer von einem Entgeltausfall von jeweils mehr als zehn Prozent ihres monatlichen Bruttoentgelts betroffen sein. Dieser Anteil sei auf bis zu zehn Prozent der Beschäftigten gesenkt worden. Sozialversicherungsbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden will die Agentur für Arbeit im Gegensatz zur bisherigen Regelung voll erstatten. Neu sei ebenfalls, dass auch Leiharbeitnehmer künftig Kurzarbeitergeld erhalten sollen. Die Pflicht für einen Betrieb, vor dem Antrag auf Kurzarbeitergeld erst negative Arbeitszeitsalden in der Belegschaft aufbauen zu lassen, entfalle. Die IHK hat für notleidende Firmen einen weiteren Tipp: Kosten senken. Zum Beispiel durch einen Antrag beim Finanzamt auf Steuerstundung sowie bei den Gemeindeverwaltungen auf Stundung der Gewerbe- und Grundsteuer.

Was ist beim Antrag auf Kurzarbeitergeld noch zu beachten?

Am Antragsverfahren ändere sich nichts, so die Auskunft der Agentur für Arbeit. Das heißt: Zunächst müssen die Arbeitgeber Kurzarbeit bei ihrer zuständigen Arbeitsagentur anzeigen. Gibt sie grünes Licht, kann der Betrieb das Kurzarbeitergeld für den jeweiligen Kalendermonat beantragen. Das geht via Internet: www.arbeitsagentur.de/eServices. Der Arbeitgeber zahlt dann zunächst das Geld an seine Mitarbeiter aus und erhält es nachträglich von der Bundesagentur. "Die schnelle Auszahlung dieser Geldleistung hat oberste Priorität", so Würzburgs Agentur-Sprecher Wolfgang Albert.

Derzeit läuft die Bewerbungsphase für Lehrstellen. Soll ich als Unternehmer in dieser schwierigen Phase überhaupt Auszubildende einstellen?

Auf jeden Fall, meint Daniel Röper, Sprecher der Handwerkskammer für Unterfranken. Wegen Corona werde sich der schon länger anhaltende Fachkräftemangel in der Region "nicht ändern". Ähnliches ist von der IHK Würzburg-Schweinfurt zu hören: Da Ausbildung zur Sicherung von Fachkräften beitrage, "sollten die Betriebe ihr Engagement hier nicht kurzfristig reduzieren". Beide Kammern raten allerdings Unternehmern und Bewerbern, Gespräche telefonisch, via Internet oder Video-Konferenz zu führen.

Ich bin Schulabgänger und will im Spätsommer eine Lehre anfangen. Macht es Sinn, sich jetzt zu bewerben?

Ja, lautet die Auskunft aus beiden Kammern in Würzburg. Hier gelte das Gleiche wie für Unternehmer: Fachkräfte - und damit auch Lehrlinge - würden trotz Corona händeringend gesucht. Die Handwerkskammer hat angekündigt, ihre Lehrstellenbörse wie gewohnt weiterzuführen. Wer schon einen Ausbildungsvertrag für 2020 in der Tasche hat, kann im Übrigen beruhigt sein: Der Vertrag bleibe auch trotz der kritischen Wirtschaftslage gültig, so IHK-Sprecher Radu Ferendino. Allerdings könne ihn der Betrieb in der Probezeit wieder auflösen - der Azubi aber auch.

Hilfe wegen Corona: Adressen und Hinweise
Agentur für Arbeit: Um den direkten Kundenkontakt wegen der Corona-Epidemie einzuschränken, haben die "Arbeitsämter" in Würzburg und Schweinfurt die Regeln gelockert. Demnach entfallen nach Angaben vom Montag alle persönlichen Gesprächstermine - ohne Rechtsfolgen. Das ist insbesondere für jene Menschen wichtig, die eine Arbeitslosmeldung abgeben wollen oder einen Antrag auf Grundsicherung stellen wollen. Schon vereinbarte Termine müssen nicht abgesagt werden, Anträge und sonstiger Schriftverkehr seien am besten online via www.arbeitsagentur.de/eservice einzureichen.
IHK und Handwerkskammer: Beide haben im Internet jeweils Portale rund um Corona eingerichtet, mit denen sie sich vor allem an Unternehmen richten. Die Handwerkskammer hat am Montag darauf hingewiesen, dass ab diesem Mittwoch der Publikumsverkehr in Würzburg und die Sprechtage der Betriebsberatung eingestellt werden. Alle Sachbearbeiter seien trotzdem per Telefon oder E-Mail erreichbar.
Handel und Gastronomie: Die unterfränkischen Fachverbände HBE und Dehoga haben ebenfalls im Internet eine Reihe von Tipps rund um Corona zusammengestellt.

Tipps rund um Corona: Alle wichtigen Internetadressen für Unternehmen in Mainfranken finden Sie in unserem regionalen Wirtschaftsblog ImPlus auf einen Blick - www.mainpost.de/im-plus

Rückblick

  1. 22 neue Corona-Fälle im Main-Tauber-Kreis am Samstag
  2. Innenminister macht Weg frei: Asylbewerber auf die Felder
  3. Nun 38 bestätigte Corona-Fälle in Rhön-Grabfeld
  4. Würzburger Corona-Forscher: "Binnen Wochen lässt sich dieser Impfstoff entwickeln" 
  5. Corona: Die Polizei zeigt Prostituierte an
  6. Corona macht auch vor VR-Banken in Unterfranken nicht halt
  7. Erntehelfer fehlen: Wer hilft beim Spargel stechen in MSP?
  8. Beiben Sie daheim und holen Sie sich den Frühling ins Haus
  9. Home Office wegen Corona: Zwischen Job und Mathe-Aufgaben
  10. Corona-Krise: Warum Selbständige in Franken gefährdet sind
  11. Corona-Virus: Fallzahl im Kreis Kissingen steigt sprunghaft an
  12. Glückshormone beim Spaziergang
  13. Mehr Zeit für die Zwillinge
  14. Mehr Mitmenschlichkeit
  15. Corona: Gibt es genügend Intensivbetten?
  16. Gemeinsam allein: Wie Kirchengemeinden mit Corona umgehen
  17. Überblick: So trifft Corona die Wirtschaft in der Region
  18. Überblick: Alles, was Sie zu Corona wissen müssen
  19. Überblick: Was Familien zu Corona wissen sollten
  20. Lohr: Warum Pflanzen auf der Straße den Staatsanwalt beschäftigen
  21. Überblick: Wie Würzburg zum Corona-Hotspot wurde
  22. Zahl der Corona-Infizierten in Rhön-Grabfeld jetzt bei 37
  23. Alltag mit Corona: Wie lebt es sich in der Familie?
  24. Wochenbilanz: Corona fordert Kitzinger Landratsamt enorm
  25. Bemerkenswerte Aktion: 300 Bücher gegen die Langeweile
  26. Zahl der Corona-Fälle im Landkreis Haßberge steigt weiter
  27. Verstöße gegen Ausgangsbeschränkung: Das ist der Bußgeldkatalog
  28. Marktheidenfelder Brauerei erfindet distanziertes Zuprosten
  29. Corona: In 18 Stunden nur ein neuer Fall in MSP
  30. Marktheidenfeld: Corona-Teststelle entsteht auf Festwiese
  31. Corona-Regeln: Darf man zum Kreuzberg? Hhm, muss man dorthin?
  32. Übersicht: Die aktuellen Prüfungstermine an Bayerns Schulen
  33. Wegen Corona: Frauenhäuser befürchten Zunahme von häuslicher Gewalt
  34. Sozialgericht Würzburg für Hilfsuchende weiter offen
  35. Coronavirus: Würzburger Seniorenheim wird nicht evakuiert
  36. Essen to go: Wenn das Restaurant nach Hause kommt
  37. Grüne: Würzburger Biotonne muss trotz Coronakrise geleert werden
  38. Corona: Werden Würzburgs Straßenbahnen und Busse öfter gereinigt?
  39. Coronavirus: So arbeitet die Main-Klinik in Ochsenfurt
  40. Wegen Corona: IHK-Prüfungen der Lehrlinge erst im Sommer
  41. Einreisestopp für Saisonkräfte: Bauern müssen ganz neu planen
  42. Corona: Die Lage in Unterfranken
  43. Feuerwehren: Einen Brand kann man nicht im Homeoffice löschen
  44. Wegen Corona: Wird das Abitur bis in den September verschoben?
  45. Corona-Experte Stich: Appell zu Solidarität und Durchhalten
  46. Corona-Teststrecke nimmt in Kitzingen Betrieb auf
  47. Elfter Todesfall im Seniorenheim: Alle sind jetzt getestet
  48. Bad Kissingen: Die Natur lässt sich nicht von Corona anstecken, aber die Fallzahlen steigen
  49. Corona in Mainfranken: Kaum eine Firma bleibt ungeschoren
  50. Corona: Würzburger Gesundheitsamt bereits am Limit?

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Schweinfurt
  • Jürgen Haug-Peichl
  • Arbeitgeber
  • Arbeitsämter
  • Berufsausbildungsverträge und Lehrverträge
  • Coronavirus
  • Fachkräfte
  • Grundsicherung
  • Handwerkskammer für Unterfranken
  • Handwerkskammern
  • IHK Würzburg-Schweinfurt
  • Industrie- und Handelskammern
  • KfW Bankengruppe
  • Kurzarbeitergeld
  • Liquiditätsprobleme
  • Markus Söder
  • Sozialversicherungsbeiträge
  • VR-Bank Würzburg
  • Zeitarbeiter
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
6 6
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!