Würzburg/Rothenburg

Coronavirus: Kommen weniger Touristen aus China nach Franken?

Die Verbreitung des Coronavirus droht viele Chinesen von Reisen nach Franken abzuhalten. Das Reich der Mitte ist hierzulande seit Jahren ein wachsender Markt.
Eine Touristin aus Taiwan trägt vor dem Schloss Hohenschwangau bei Füssen einen Mundschutz.
Eine Touristin aus Taiwan trägt vor dem Schloss Hohenschwangau bei Füssen einen Mundschutz. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Noch seien ihm keine Reise-Stornierungen von chinesischen Veranstaltern bekannt, sagt Jörg Hentschel, Pressesprecher des Tourismusverbands Franken. Allerdings könne er die Befürchtungen vieler Kommunen und Unternehmen, die vom Tourismus leben, im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus gut verstehen.

China sei ein seit Jahren wachsender Markt, der mehr und mehr an Bedeutung gewänne. Von den 2018 in Franken gezählten 3,6 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste fallen 145.000 auf Besucher aus der Volksrepublik (mit Hongkong). Wichtigste Auslandsmärkte in Franken sind die Niederlande (460.000 Übernachtungen) und die USA (330.000). Insgesamt zählte die Region 2018 rund 25 Millionen Übernachtungen, für 2019 wird eine weitere Steigerung erwartet. Aktuell wird die Statistik noch ausgewertet.

Chinesen seien "sehr sensibel" bei der Wahl ihrer Reiseziele, so die Erfahrung von Hentschel. So habe man nach dem Axt-Attentat 2016 in einem Regionalzug von Rothenburg nach Würzburg, bei dem vier Hongkong-Chinesen verletzt wurden, Besucherrückgänge in ganz Franken feststellen müssen. Zuletzt hätten die politischen Unruhen in Hongkong die Reiselust der Chinesen gebremst.

Franken wirbt in Peking und Hongkong

Man könne nur hoffen, so Hentschel, dass die Ausbreitung des Coronavirus schnell gestoppt werde, so dass in den touristisch starken Sommer- und Herbstmonaten keine Ausfälle zu beklagen sind. Schließlich habe man erst im Oktober größere Marketing-Anstrengungen in Peking und Hongkong unternommen. Der Tourismusverband habe vor Ort gut besuchte Infoabende für Reiseveranstalter organisiert, "inklusive einer fränkischen Weinprobe", so Hentschel. Daneben habe man Journalisten und Blogger aus China zu Informationsreisen ins Frankenland geladen.

In Rothenburg ob der Tauber sieht man Touristen aus China durchaus zwiespältig. Das Bild entstand an Silvester.
In Rothenburg ob der Tauber sieht man Touristen aus China durchaus zwiespältig. Das Bild entstand an Silvester. Foto: Nicolas Armer, dpa

Gestiegen ist die Zahl der Gäste aus dem Reich der Mitte auch im Tourismus-Mekka Rothenburg ob der Tauber. Knapp 18.000 Übernachtungen von Chinesen hat man in der 11.000-Einwohner-Stadt registriert, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von über zehn Prozent. Wenn wegen des Coronavirus nun ein paar hundert Besucher weniger kämen, sei das kein Beinbruch, sagt Tourismus-Chef Jörg Christöphler. Noch gebe es keine Zahlen. Ein möglicher Rückgang aber lasse sich durch Reisende aus den USA, Japan und zunehmend auch aus Brasilien gut ausgleichen. Außerdem setze man auf die Stammgäste aus Deutschland und dem europäischen Ausland. Insgesamt zählte das Tauber-Städtchen anno 2018 neben 1,9 Millionen Tagestouristen rund 565.000 Übernachtungen.  

Chinesen haben kein Interesse an Mittelalter und Weihnachten

"Jeder Besucher ist uns willkommen", sagt Christöphler. Allerdings investiere die Stadt keinen Euro für gezieltes Marketing in China. An "Billigtouristen", die für nur wenig Wertschöpfung bei Gastronomie und Einzelhandel sorgen, habe Rothenburg kein Interesse. Chinesen, die bereit sind, Geld auszugeben, habe wiederum die Stadt mit ihrer mittelalterlichen Geschichte und Kulisse nicht das Richtige zu bieten. "Wir haben keine Champs Elysées, keine Theatinerstraße, keine großen Schaufenster, kein Schloss Neuschwanstein  und kein Fünf-Sterne-Hotel", so Christöphler. Und anders als etwa Japaner und Amerikaner hätten die Chinesen so gut wie kein Interesse an Fachwerk und Mittelalter sowie an Weihnachten à la Käthe Wohlfahrt.  

Eine Einschätzung, die sich mit den Ergebnissen einer Untersuchung deckt, die Studierende des Fachs "China Business und Economics" an der Uni Würzburg dieser Tage veröffentlicht haben. Darin geht es um die Beziehungen zwischen China und Unterfranken. Als begehrte Ziele von Besuchern aus dem Reich der Mitte werden das Einkaufszentrum "Wertheim Village" an der Autobahn sowie die Würzburger Residenz erwähnt.

Beliebtes Reiseziel von Chinesen: das Einkaufszentrum Wertheim Village.
Beliebtes Reiseziel von Chinesen: das Einkaufszentrum Wertheim Village. Foto: Wertheim Village

Inwieweit das Unesco-Weltkulturerbe bereits unter den Auswirkungen des Coronavirus leidet, war am Freitag nicht in Erfahrung zu bringen. Derweil hat das bei Asiaten gefragte Hotel Maritim in Würzburg bislang noch keine Auswirkungen des Virus feststellen können. Allerdings seien Januar und Februar auch "nicht unbedingt die beliebtesten Monate für große Europareisen der Chinesen", so Hoteldirektor Andreas Havlik. Im Würzburger Restaurant Mainkuh, in dem Chinesen gerne essen gehen, bemerkt man aktuell zwar einen Besucherrückgang. Ob der aber auf das Coronavirus zurückzuführen ist, sei nur schwer nachzuvollziehen, heißt es auf Nachfrage.  (Mitarbeit: mafl, lke)

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