Würzburg

Coronavirus: Vierter Todesfall in Würzburger Seniorenheim

Die Corona-Pandemie fordert in Würzburg das vierte Todesopfer. Für das betroffene Seniorenheim eine schwierige Situation. Und manche Information verunsichert zusätzlich.
An einer Zugangstür zum Würzburger Ehehaltenhaus ist ein Schild angebracht, das von Besuchen der Einrichtung abrät. Mittlerweile sind dort vier Heimbewohner am Coronavirus gestorben.
An einer Zugangstür zum Würzburger Ehehaltenhaus ist ein Schild angebracht, das von Besuchen der Einrichtung abrät. Mittlerweile sind dort vier Heimbewohner am Coronavirus gestorben. Foto: Nicolas Armer, dpa

Würzburg ist der momentane Hotspot der Corona-Ausbreitung in Unterfranken. In der Stadt richten sich die Blicke besonders auf ein Seniorenheim. Aus dem Ehehaltenhaus/St.Nikolaus – es gehört zur Stiftung Bürgerspital – wurde am Mittwoch der vierte Todesfall bekannt. Es soll sich um eine ältere Frau mit Vorerkrankungen handeln. Bestätigt war der neuerliche Todesfall vom Gesundheitsministerium bis Mittwochnachmittag noch nicht.

Für Irritation und Beunruhigung sorgte unterdessen eine Aussage, die der Leiter des Würzburger Gesundheitsamtes am Dienstagabend in einer Mitteilung getroffen hatte. Die zu diesem Zeitpunkt mehr als 80 Fälle in Stadt und Landkreis beschrieb Johann Löw mit den Worten: "Etwas mehr als die Hälfte dieser Patienten beziehen sich auf das Altenpflegeheim St. Nikolaus in Würzburg.“ 

Viele Anrufer in Sorge um ihre Angehörigen

Zahlreiche besorgte Anrufer haben sich daraufhin am Mittwoch in der Einrichtung gemeldet, die meisten in Angst um ihre dort lebenden Angehörigen. Dabei hat man im Heim ohnehin alle Hände voll zu tun, um die Betreuung der Bewohner aufrechtzuerhalten.  Jetzt muss man auch noch dem falschen Eindruck entgegentreten, es seien noch mehr Senioren infiziert als tatsächlich.

Eine ältere Frau geht in dem Würzburger Seniorenwohnstift durch einen Gang. Ältere Menschen sind durch das Coronvirus besonders gefährdet. 
Eine ältere Frau geht in dem Würzburger Seniorenwohnstift durch einen Gang. Ältere Menschen sind durch das Coronvirus besonders gefährdet.  Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Die Lage ist sehr ernst – das bestätigt Annette Noffz, Direktorin der Stiftung Bürgerspital. "Aber wir tun alles, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern." Von 160 Bewohnern liegen derzeit fünf mit einer Corona-Erkrankung in Würzburger Kliniken, weitere zehn sind positiv getestet und werden –wie derzeit alle anderen Bewohner – isoliert in ihren Zimmern im Heim versorgt. Hinzu kommen 20 Pflegekräfte mit ebenfalls positivem Test, sie sind in Quarantäne zu Hause und zeigen allesamt recht milde Krankheitsverläufe.

Verlegungen in Klinik in enger Abstimmung mit den Ärzten

Wie viele Angehörige von Bewohnern sich noch vor dem Besuchsverbot infiziert haben könnten, lässt sich nicht sagen. Vom Gesundheitsamt waren – mit Hinweis auf die hohe Belastung – am Mittwoch keine näheren Infos zur Situation in dem Seniorenheim zu  bekommen. Auch nicht darüber, wie das Virus in die Einrichtung gelangt sein könnte. Und ohne gesicherte Erkenntnisse will auch Stiftungsdirektorin Noffz darüber nicht spekulieren.

Nicht alle Heimbewohner werden bei einem positiven Corona-Befund in eine Klinik verlegt. Dies hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Muss der Patient beatmet werden oder hat er hohes Fieber, kommt er sofort ins Krankenhaus. "Das wird in enger Abstimmung mit den Ärzten entschieden", so Noffz. Es gebe aber auch Fälle von schwer erkrankten Senioren, die selbst oder deren Angehörige eine Behandlung in der Klinik nicht mehr wünschen.

Annette Noffz, Direktorin der Stiftung Bürgerspital, hier bei den Mainfränkischen Pflegegesprächen im vergangenen Jahr.
Annette Noffz, Direktorin der Stiftung Bürgerspital, hier bei den Mainfränkischen Pflegegesprächen im vergangenen Jahr. Foto: Daniel Peter

Teilweise verlieren infizierte Bewohner ihre einzigen Außenkontakte, wenn sich der pflegende Partner angesteckt hat und in Quarantäne daheim bleiben muss. Problem: Erst wenn ein positives Testergebnis vorliegt, wird auch ein betreuender Partner auf Corona getestet – auch bei vorliegenden Krankheitssymptomen. Eine Angehörige berichtet der Redaktion von einem Telefon-Marathon bei den Behörden, bis sie endlich getestet wurde. Nun ist sie krank daheim und leidet, wie sie sagt, auch unter der "seelischen Belastung". Um vorsorglich sämtliche Heimbewohner und Pflegekräfte zu testen, fehlt es an Kapazitäten im Labor. 

"Wir haben das Pech, dass das Virus bei uns eingeschlagen hat."
Annette Noffz, Direktorin der Stiftung Bürgerspital

Schon seit Bekanntwerden des ersten Falls gelten in dem Seniorenheim besondere Schutzvorkehrungen. Alle Bewohner dürfen ihre Zimmer nicht mehr verlassen. Und von Pflegekräften werden die Räume nur mit Schutzkleidung und Mundschutz betreten. Auch die Reinigungskräfte tragen Schutzkleidung. Weil aber infiziertes Personal vorübergehend in Quarantäne zu Hause bleiben muss, schichtet das Bürgerspital um. Das Geriartriezentrum wird geleert, von dort sind bereits erste Mitarbeiter ins Ehehaltenhaus gewechselt.

In dem Seniorenheim durchlebt man gerade eine schwere Zeit. "Wir haben das Pech, dass das Virus bei uns eingeschlagen hat", sagt Annette Noffz. Die Heimleitung und alle Pflegekräfte würden an der Belastungsgrenze arbeiten. Umso mehr ärgern sie wilde Gerüchte und Schuldzuweisungen: "Das frustriert die Mitarbeiter."

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