Würzburg/Schweinfurt

Coronavirus in Europa: Was Urlauber jetzt  wissen müssen

Das Coronavirus breitet sich in Europa aus. Viele Reisende sind verunsichert. Diese Dinge sollten Urlauber unbedingt wissen.
Das Coronavirus breitet sich in Europa aus. Urlauber sollten einige Dinge beachten.
Das Coronavirus breitet sich in Europa aus. Urlauber sollten einige Dinge beachten. Foto: Daniele Mascolo, dpa

Das Coronavirus hält Europa in Atem. In Italien sind bereits die ersten Patienten gestorben, in zahlreichen weiteren europäischen Ländern wurden Erkrankungsfälle gemeldet. Die starke Zunahme der Erkrankungen in Europa bereitet vielen Reisenden Sorgen. Welche Rechte und Möglichkeiten sie jetzt haben und was sie unbedingt beachten sollten.

Welche Länder in Europa sind bislang vom Coronavirus betroffen?

Laut statistischem Bundesamt (Stand 26. Februar) wurden in Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Belgien, der Schweiz, Österreich, Kroatien, Schweden und Finnland Infektionen gemeldet.

Gibt es Reisebeschränkungen?

Bislang hat die EU trotz des besonders heftigen Coronavirus-Ausbruchs in Italien keine Reisebeschränkungen für Europa angekündigt. In einer Pressemitteilung der EU-Kommission heißt es dazu: "Wir geben den Mitgliedstaaten (...) Leitlinien an die Hand, Grenzkontrollen sind derzeit nicht Bestandteil dieser Leitlinien." 232 Millionen Euro will die EU laut Pressemitteilung für den Kampf gegen das Virus aufbringen.

Welche Regionen sollte ich meiden?

In Norditalien hat sich das Coronavirus besonders stark verbreitet. In der besonders betroffenen Region Lombardei wurden zehn Gemeinden in der Provinz Lodi zu Sperrzonen erklärt: Sicherheitskräfte kontrollieren dort, wer rein und wer raus darf. In Venetien wurde die Gemeinde Vo abgeriegelt. Schulen, Universitäten und Museen blieben geschlossen.

Bin ich auf Flughäfen und Bahnhöfen besonders ansteckungsgefährdet?

Nein. Wie Professor Ulrich Vogel, Leiter der Stabsstelle Krankenhaushygiene am Uniklinikum Würzburg berichtet, versuchen die Behörden weltweit, die Virusinfektionen lokal einzugrenzen. "Solange wir uns in dieser Phase befinden, ist die Wahrscheinlichkeit, sich an diesen Orten anzustecken sehr gering." Sollte das Virus sich in Deutschland ausbreiten, würden die Gesundheitsbehörden über das richtige Verhalten informieren. Es könnte zum Beispiel sein, dass man dann Orte mit Massenansammlungen von Menschen meiden sollte.

Wie schütze ich mich im Ausland am besten gegen Corona?

"Am wichtigsten ist, dass Reisende sich informieren", so Vogel. "Die Situation ist sehr dynamisch und es lässt sich nicht genau sagen, wo als nächstes etwas Ähnliches passiert wie in Italien." Beim Thema Hygiene gelte das Gleiche wie bei Influenza: Reisende sollten sich regelmäßig die Hände waschen, sich nicht mit den Händen ins Gesicht fassen, versuchen einen gewissen Abstand von hustenden und niesenden Menschen halten und auf die eigene Hustenetikette achten. "Erkältete Menschen tragen gegebenenfalls einen Atemschutz, um andere zu schützen. Ansonsten wird der Atemschutz im täglichen Leben nicht empfohlen."

Was tun bei Verdacht auf eigene Corona-Erkrankung?

Personen, die sich in den letzten 14 Tagen, in einem vom Robert Koch-Institut definierten Risikogebiet aufgehalten haben und Symptome zeigen, sollten sich laut Vogel an das Gesundheitsamt wenden. Ebenso Personen, die mit einem Erkrankten Kontakt hatten. Hat man im Ausland den Verdacht auf eine eigene Corona-Erkrankung, sollte man nach telefonischer Vorankündigung eine ambulante Einrichtung mit Atemschutz aufsuchen und die Erkrankung abklären lassen, rät Professor Vogel. Ginge es hingegen lediglich um allgemeine Vorsorge, so sollte das weitere Vorgehen mit einem Hausarzt abgesprochen werden.

"Die allgemeine Sorge vor Covid-19 begründet keinen Grund für einen kostenfreien Rücktritt."
Kay Rodegra, Anwalt für Reiserecht
Welche Rechte haben Pauschalreisende?

Grundsätzlich kann man eine Pauschalreise immer stornieren, sagt der Würzburger Anwalt Kay Rodegra, der sich auf Reiserecht spezialisiert hat. Dann könne der Reiseveranstalter allerdings Stornokosten verlangen. "Das darf er jedoch nicht, wenn man vom Reisevertrag zurücktritt, weil am Reiseziel oder in dessen unmittelbarer Nähe unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Reise erheblich beeinträchtigen." Ein Indiz hierfür sei etwa eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO). "Die allgemeine Sorge vor Covid-19 begründet jedoch keinen Grund für einen kostenfreien Rücktritt."

Was können Individualreisende tun?

Laut Anwalt Rodegra können Individualreisende kostenfrei von einem Vertrag zurücktreten, wenn eine Leistung zum Beispiel gar nicht mehr erbracht wird (dazu gehören Flugstreichungen) oder die Anreise in eine bestimmte Region, in dem beispielsweise ein gebuchtes Hotel liegt, nicht mehr erlaubt ist.

Welche Möglichkeiten haben Bahnreisende, die wegen Corona stornieren wollen?

In Italien werden Zugtickets derzeit kostenlos erstattet, wenn Reisende ihre Fahrt wegen des Coronavirus nicht antreten wollen. Das teilten die italienischen Bahnunternehmen mit. Wer hingegen aus Sorge vor vielen Menschen auf engem Raum eine Fahrt mit der Deutschen Bahn stornieren wolle, bleibe aber je nach Tickettarif auf den Stornokosten sitzen, so Anwalt Rodegra.

Welche Möglichkeiten haben Flugreisende, die wegen Corona stornieren wollen?

Wer nur aus Angst vor Covid-19 seinen Flug storniert, muss laut Kay Rodegra gerade bei günstigen Tickets mit Stornokosten rechnen. Komme es zu Problemen bei der Flugabwicklung, gelten die EU-Fluggastrechte. Demnach könne man ab fünf Stunden Verspätung vom Flug kostenfrei zurücktreten. Bei größeren Verspätungen und Annullierungen müsse die Airline für die Wartezeit kostenfreie Betreuungsleistungen erbringen.

Was raten Reisebüros?

Dieter Geis vom Bavaria-Reisebüro in Schweinfurt rät Reisenden, vor einer Entscheidung erstmal die Ruhe zu bewahren: Je nach Zielgebiet sei die Lage anders einzuordnen. Eine Kundin aus Schweinfurt, die etwa nach Italien reisen wollte, habe umgebucht und reise stattdessen innerhalb Deutschlands.  "Wir raten zu gesunder Vorsicht, aber nicht zu Hysterie", so Geis.

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