WÜRZBURG

Daddy Blues und seine vielen Kinder

Daddy Blues und seine vielen Kinder

Der eine bezeichnet sich selbst als „räutiger Telecaster-Straßenköter“ aus dem Blues-Rock-Milieu, der andere ist Jazzer mit edler Gibson-Gitarre und ein Mann der eleganten und wohlgesetzten Töne, der aber auch eckig und kantig kann, wenn's drauf ankommt. Als „Mr. Jazz meets und Mr. Blues“ fanden die beiden Würzburger Meister-Gitarristen Joe Krieg und Jochen Volpert vor geraumer Zeit zusammen und haben sich ein gemeinsames Programm zusammengebastelt, das ihren jeweiligen solistischen Stärken gerecht wird, wie sie beim Hafensommer am Donnerstagabend eindrucksvoll bewiesen.

Am besten zu hören war dies beim Klassiker „Route 66“, den jeder der beiden in einer eigenen Version darbot. Bei Volpert wird ein kraftstrotzender Shuffle daraus, zu dem Stephan Schmitt den Rock-Shouter gibt. Krieg tastete sich erstmal langsam und leise ans Thema heran, umspielt es, ehe er zum Kern kommt und dahin swingt – die eleganten Gesangsstimme dazu steuert Carola Thieme bei.

Beim eigens für den Hafensommer-Abend geschriebenen „The River“, das dem nahe Main gewidmet ist, darf Volpert eines seiner meisterhaften Soli auspacken, während bei Stephan Schmitts humorvoller Komposition „Oh, James“ (seinem Idol James Bond gewidmet) Joe Krieg mit einem eckig-kantigen Solo den abgefahrenen Jazzer gibt. Ruhiger angehen lässt er es dann bei der von ihm komponierten wunderschön melodiösen Ballade „Little Smile“. Bei „Brush with the Blues“ von Jeff Beck zeigt Volpert dann wie moderner Blues zu klingen hat. Nur von den beiden Gitarristen begleitet singt Carola Thieme den Billie-Holiday-Standard „God Bless the Child“ in einer einfühlsamen Version.

Egal ob Funk, Jazz, Soul – der Vater Blues hat viele Kinder, das zeigte das freundschaftliche Duell von Mr. Blues und Mr. Jazz eindrucksvoll auf. Unterschiede und Gemeinsamkeiten werden in diesem vielseitigen Programm deutlich. Dazu trägt auch die kompetente Band bei, zu der neben den erwähnten Gesangssolisten noch Uli Kleideiter am Schlagzeug und Bassist Dirk Schade gehören. Ein feines Konzert des diesjährigen Hafensommers, das mit Chick Coreas Klassiker „Spain“ einen würdigen Abschluss fand.

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