Würzburg

Damit die Partnerschaft gelingt

Andreas Schrappe (links) und Albert Knött sind die Leiter der Familienberatungsstellen der zwei großen Kirchen und Mitorganisatoren der ersten Würzburger Paartage. Foto: Thomas Obermeier

Vier Organisatoren, rund 20 Veranstaltungen: Die ersten "Würzburger Paartage" vom 27. September bis 25. Oktober zeigen sich mit Workshops, Gesprächen und Filmen. Zu den öffentlichen Angeboten sind alle Interessenten willkommen - auch Einzelpersonen.

Veranstaltet werden die Paartagevon den Lebensberatungsstellen der beiden großen Kirchen gemeinsam mit den kirchlichen Bildungszentren Rudolf-Alexander-Schröder-Haus (evangelisch) und der Domschule (katholisch). Im Gespräch erklären die Leiter der Beratungsstellen, Albert Knött (katholisch) und Andreas Schrappe (evangelisch), warum Partnerschaften nicht nur Privatsache sind und was sich hinter "Sex ohne Stress" verbirgt.

Frage: Warum sind es ausgerechnet die Kirchen, die etwas für Paare tun?

Andreas Schrappe: In unserer Gesellschaft sind es doch ganz stark die Kirchen, die sich mit ihren Angeboten darum kümmern, dass Ehe und Partnerschaft gelingen. Oder man geht in eine psychotherapeutische Praxis.

Albert Knött: Die katholische Kirche zahlt 78 Prozent der Kosten für ihre Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen, und über die Kinder- und Jugendhilfe von Stadt und Landkreis und Spenden erhält die Beratungsstelle ebenfalls Mittel für Familien. Paare ohne Kinder oder mit erwachsenen Kindern haben mit kirchlicher Unterstützung mehr Angebote, sich beraten zu lassen.

Andreas Schrappe: Bei uns im Evangelischen Beratungszentrum läuft die Finanzierung etwas anders. Ganz allgemein ist es so, dass die öffentliche Förderung dann besser ist, wenn Kinder mit betroffen sind. Aber auch an sich sind Ehe und Partnerschaft doch keine reine Privatsache! Dass sie gelingen, dazu braucht es gute Rahmenbedingungen und manchmal auch konkrete Hilfe.

Andreas Schrappe, Leiter des Evangelischen Beratungszentrums der Diakonie in Würzburg. Foto: Thomas Obermeier
Frage: War es für Paare früher leichter?

Schrappe: Früher war es eine wirtschaftliche Notwendigkeit, dass man zusammen bleiben musste. Die Ansprüche der Partner aneinander waren auch geringer. Heute haben die Menschen ganz andere Erwartungen an Glück, Romantik und Leidenschaft. Da stellt sich die Frage: Ersticken wir die Partnerschaft nicht durch die großen Ansprüche?

Knött: Im Gegensatz zu früher sind auch die Erwartungen im Beruf bezüglich Mobilität und Flexibilität gestiegen. Und dann hängt die persönliche Zufriedenheit auch davon ab, wie die Partner mit Konflikten umgehen können. Wir wollen die Kompetenz zur Konfliktlösung stärken. Und mit den Paartagen wollen wir anregen, sich wieder mit der eigenen Partnerschaft zu beschäftigen und Neues auszuprobieren. Wir bieten einzelne Abende oder Tage, um mal 'reinzuschnuppern. Da findet sich bestimmt etwas, was man noch nicht gemacht hat.

Albert Knött ist Leiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der katholischen Kirche in Würzburg. Foto: Thomas Obermeier
Sie bieten auch eine Kanu-Tour für Paare an. Inwiefern ist das die passende Hilfe, um eine Partnerschaft zu festigen?

Knött: In einem Kanu sitzt man im gleichen Boot. Man muss sich absprechen, wer rudert. Und wie hält man die Spur? Man kann da nicht einfach so aussteigen ...

Schrappe: ... und wie kommt man gemeinsam voran, wenn jeder zu steuern versucht? Darüber können sich die Paare bei der Kanu-Tour Gedanken machen und ausprobieren. Bei den Paartagen packen wir auch heiße Themen an. Es geht um beglückende Erfahrungen wie "Sex ohne Stress" am 23. Oktober um 19 Uhr im Schröder-Haus - also: Wie kann ein Paar schöne Formen des Zusammenseins finden, ohne sich vom zur Schau getragenen Sex in den Medien beeinflussen zu lassen? Ein weiteres Thema ist, wie sich Partnerschaft, Kinder und Karriere unter einen Hut bringen lassen können. Paare sollten wehrhaft sein und ihren eigenen Raum und ihre Zeit zu zweit gegen Belastungen und Anforderungen von außen verteidigen - selbst, wenn der Chef ruft ... 

Wirklich? Selbst, wenn der Chef ruft?

Schrappe: Wir haben nur ein Leben. Da geht es auch darum, Grenzen zu setzen. Übrigens: Auch volkswirtschaftlich ist das Gelingen von Partnerschaft hochrelevant. Studien haben gezeigt, dass die Menschen zum Beispiel weniger krank sind, wenn eine Beziehung klappt. Warum gibt es nicht auch Paarberatung auf Krankenschein?

Welche Paare sind gemeint? Wen sprechen Sie an?

Knött: Zu den Veranstaltungen der Paartage und auch in unseren Beratungsstellen sind alle willkommen, unabhängig von sexueller Orientierung, Religion oder finanziellen Möglichkeiten. Auch Einzelpersonen.

Schrappe: Wir bieten auch einen Abend zur Paardynamik in schwulen und lesbischen Partnerschaften an (MS Zufriedenheit beim Kulturspeicher, 19. Oktober 19 Uhr). Es ist einfach Fakt, dass ein Teil der Männer und ein Teil der Frauen gleichgeschlechtlich liebt. Was brauchen sie, um glückliche und verbindliche Beziehungen zu leben?

Im Einklang mit der Kirche?

Knött: Die Hilfe zum gelingenden Leben steht im Einklang mit der katholischen Kirche, wenn auch nicht die Heirat gleichgeschlechtlicher Partner.

Schrappe: Die evangelische Kirche hat hier eine weite Wahrnehmung. Es gibt bei ihr ja auch gleichgeschlechtlich lebende Paare im Pfarramt.

Würzburger Paartage
Das Programm der ersten Würzburger Paartage liegt bei den Veranstaltern aus.  Weitere Informationen unter www.wuerzburger-paartage.de . Ein erstes Highlight ist das Improtheater Stupid Lovers aus Bremen diesen Donnerstag, 27. September um 20 Uhr im Burkardushaus nach der Eröffnung (19 Uhr). 

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