WÜRZBURG

Damit die Retter auch mal chillen können

Im neuen Aufenthaltsraum der Maltester-Rettungswache haben sich niedergelassen: (von links) Joachim Nossen, Auszubildende Julia Silbereisen, Rettungsdienstleiter Manfred Kirst, sein Stellvertreter Ernst Freier und Malteser-Bezirksgeschäftsführer Rainer Kaufmann. Foto: Johannes Kiefer

An der Mainaustraße weiht Bischof Friedhelm Hofmann am Freitag, 24. März, die renovierten Trakte der Rettungswache des Malteser Hilfsdiensts ein. Das Haus hinter der weiß verschalten Fassade war in die Jahre gekommen. 1991 hatte die Caritas – der Vermieter des ebenfalls katholisch ausgerichteten Malteser-Hilfsdiensts – die Immobilie in der damals noch rauen Zellerau von einem Autohaus übernommen.

Schon seinerzeit war das Haus historisch, ursprünglich hatte das Land es für sein berittenes Militär erbaut. Daher stammte auch eine ganze Reihe von Wandhaken, an denen Pferde festgebunden werden konnten. Die Pferdehaken hatten sogar den Autohandel überlebt. Wegen dieser reiterischen Vorgeschichte der Malteser-Wache soll es über über die Würzburger Sanitätsautos geheißen haben: „Die Kavallerie kommt.“ Davon erzählt jedenfalls Joachim Nossen, der es wissen sollte. Der Rettungsassistent war über 50 Jahre lang im Dienst. Bei einer Begehung der neu hergerichteten Wache war er als Zeitzeuge geladen.

Natürlich hat die Dienststelle in den 26 Jahren ihres Bestehens schon andere Sanierungen miterlebt. So durchgreifend wie die letzte war aber noch keine. Jetzt gab es ganz neue Schlafräume; die Umkleiden und andere Säle wurden so eingerichtet, dass Dienst- und Privatkleidung streng voneinander getrennt sind – das beugt der Keimverschleppung vor. Und wenn die Retter schon mal Zeit haben, dann sollen sie die auch genießen können. Daher auch ein Aufenthaltsraum mit knuffigen Sofas.

Nossen, der noch die alten Wachen an Friedrich-Ebert-Ring und Randersackerer Straße miterlebt hat und Zeiten, in denen es weit ruhiger zuging als heute, hat viel Verständnis für die Einrichtung seiner Nachfolger: „In den wenigen Momenten, in denen die Einsatzlast aussetzt, muss man den Leuten die Möglichkeit zum Chillen geben.“

In den Zellerauer Jahren vergrößerte sich die Mitarbeiterzahl von 40 auf 86, einige davon in den Außenstellen in Kist und Uettingen. 15 Fahrzeuge sind im Einsatz, im vergangenen Jahr rückten die 22 000 mal aus. Diese Zahlen machen, versichert Bezirksgeschäftsführer Rainer Kaufmann, die Würzburger zur größten bayerischen Malteserwache. Abzüglich der beiden Nebenstellen in Autobahnnähe ergibt das immer noch ein 17 500-maliges Ausrücken aus der Mainaustraße. Dabei sind die Fahrten für „Essen auf Rädern“ keineswegs mitgezählt. Denn die Malteser-Küche arbeitet organisatorisch völlig unabhängig von der Rettungswache.

Alte Fotos machen die Runde. Ernst Freier, stellvertretender Rettungsdienstleiter, mit langen Haaren neben einem historischen Rettungswagen, darauf die Telefonnummer 55555: Die einheitliche Notrufnummer 112 gab es noch nicht. Hatte sich ein Unfallmelder für die katholischen Kreuzritternachfahren entschieden, so sollten die ihre Fahrt bei der Polizei anmelden, die den Einsatz dann wiederum mit dem Roten Kreuz koordinieren sollte. Richtig rund lief das nicht. Freier: „Wir haben schon mal mit den Kollegen vom BRK telefoniert und dabei Unfälle behauptet, die es gar nicht gab, nur um sie neidisch zu machen.“

Die einheitliche Notrufnummer unterband dann das Konkurrieren um möglichst viele Patientenfahrten. Seitdem, so versichern Freier und Nossen, arbeiten alle drei Organisationen, wozu auch die Johanniter Unfallhilfe zählt, gut zusammen.

Verändert hat sich auch die Ausbildung. Generationen von Zivildienstleistenden tragen heute noch den Titel Rettungssanitäter. Dann wurde der Rettungsassistent als Lehrberuf mit zweijähriger Ausbildungszeit eingeführt, zuletzt der Notfallsanitäter mit Dreijahres-Azubis. „Das entspricht von der Qualifikation her in etwa einer Krankenschwester“, erläuterte Malteser-Pressesprecherin Christina Gold.

Julia Silbermann lernt auf Notfallsanitäterin. Sie wollte was mit Medizin machen – ohne Abi bietet die Ausbildung eine echte Alternative. Außerdem: „Man lernt bei den Einsätzen Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft kennen“, schwärmt die 18-jährige Polizistentochter von ihrem künftigen Beruf.

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