WÜRZBURG

Das Ja zur Frankenhalle scheint nahe

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren, am 29. Juli 2010, lag dem Stadtrat eine Beschlussvorlage zum Thema „Umbau und Erweiterung der Frankenhalle“ vor. Darin war ein „möglicher Terminplan“ enthalten. Er sah vor, dass mit dem Umbau im September 2011 begonnen werden und das Mainfranken Theater ab September 2013 die Halle als Übergangsspielstätte nutzen könnte.

Es kam anders. In den Gremien wurde lange und ausführlich diskutiert, zwischenzeitlich war gar nicht mehr sicher, ob das Projekt überhaupt zustande kommen würde. Am Donnerstag könnte der Theater-Werkausschuss nun die Weichen pro Frankenhalle gestellt haben. Mit deutlicher Mehrheit entschied der Ausschuss, die Umgestaltung der Frankenhalle als Übergangs- und spätere dauerhafte mittlere Spielstätte für das Mainfranken Theater voranzutreiben. Jetzt hat der Stadtrat das letzte Wort: Am kommenden Dienstag berät er um 15 Uhr in einer Sondersitzung über das Thema.

Die Kosten für die Umgestaltung der Halle betragen nach diversen Umplanungen und neuesten Berechnungen nunmehr 13,93 Millionen Euro. Bei überwiegender Nutzung der Halle als Theater kann mit einer etwa 40-prozentigen staatlichen Förderung gerechnet werden. Ein entsprechender Förderantrag ist gestellt.

Am Ende stimmten nur die Stadträte Ingo Klünder (Würzburger Liste), Egon Schrenk (FDP) und Thomas Schrenk (Bürgerforum) gegen den Vorschlag der Stadtverwaltung. Auch aus der CSU-Faktion, von der in der Vergangenheit viel Gegenwind gekommen war, wurden die Pläne gutgeheißen. Willi Dürrnagel, Ursula Weschta und Bürgermeister Adolf Bauer machten sich dafür stark.

„Theater ist immer ein Stück weit Forschungslabor.“

Kulturreferent Muchtar Al Ghusain

Zunächst warben in der Sitzung Kulturreferent Muchtar Al Ghusain und Theaterintendant Hermann Schneider für das Konzept. Al Ghusain verwies darauf, dass das Theater damit jährlich 260 000 Euro Mietkosten für das Ebert&Jacobi-Gebäude in der Oeggstraße sparen könnte. Im rückwärtigen Bereich der städtischen Frankenhalle stünden ausreichend Flächen für Theaterwerkstätten und Ähnliches zur Verfügung, für die am alten Theaterstandort kein Platz sei. Im Hinblick auf künftige Betriebskosten sagte Al Ghusain, dass Theater immer „ein Stück weit Forschungslabor“ sei – mit schwer voraussagbaren Ergebnissen.

Wieviel Theater letztendlich in der Frankenhalle gespielt werden muss, um den Zuschuss nicht zu gefährden, könne man noch nicht genau sagen. In den Richtlinien steht „überwiegend“, aber bisher habe sich die Bezirksregierung nicht eindeutig festgelegt, was dies bedeute. Auch Sorgen, dass die Besucherzahlen weiter zurückgehen könnten, wies Al Ghusain als „unbegründet“ zurück. Das sanierte alte und das zusätzliche Theater würden hochattraktiv werden, „mit kluger Disposition“ könne man Zuschauer zurück- und neue dazu gewinnen.

Intendant Hermann Schneider verdeutlichte am Donnerstag abermals die Defizite im alten Theaterbau: schlechte Bestuhlung, unzureichende sanitäre Anlagen, fehlende Aufzüge und einen Kassenbereich „im zugigen Flur, wo man sich durch eine Glasscheibe anschreit wie an einem Fahrkartenschalter“ könne man den Besuchern nicht mehr zumuten. Werkstätten sind zu klein, eine Montagehalle fehlt, Probemöglichkeiten sind ungenügend und die Kantine liegt mitten in einem Fluchtweg – das sind nur einige der Defizite, die Schneider aufzeigte.

Was in und an der Frankenhalle passiert, erklärte Architekt Christian Brückner. Statt eines bisher geplanten Interimsfoyers in Messebauweise soll jetzt ein dauerhafter Foyerbereich an der Längsseite errichtet werden. Außerdem soll im rückwärtigen Bereich anstelle der Viehställe ein erweiterter Backstagebereich mit vier Baukörpern entstehen: Die Mehrkosten dafür betragen 2,9 Millionen Euro. Brückner zeigte auch die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten für den Theaterbetrieb auf. Die maximale Kapazität beträgt dabei 736 Sitzplätze, die geringste 369 Plätzen.

„Ich würde es wahrscheinlich wagen.“

Finanzreferent Christian Schuchardt

Thomas Schrenk vom Bürgerforum plädierte für das „Bamberger Modell“, während der zweijährigen Sanierung in unterschiedlichen Gebäuden zu spielen. Diesem Vorschlag widersprach Schneider. Bamberg habe nur ein kleines Schauspielensemble, außerdem kein Orchester und Ballett. FDP-Stadtrat Egon Schrenk fürchtete, dass 250 000 Euro Defizit pro Jahr nur Wunschdenken seien. Ingo Klünder von der Würzburger Liste merkte an, dass das neue Theater so groß sei wie das bestehende alte, weshalb man dieses gleich abreißen könnte. Dem entgegnete Schneider, dass das alte Haus nach der Sanierung aus technischen Gründen bestimmt 100 Plätze weniger haben werde.

Seitens der Befürworter verwies Benita Stolz von den Grünen darauf, dass mit dem Umbau die wachsende Kulturmeile aufgewertete werde. Ursula Weschta (CSU) forderte ihre Kollegen auf, die „Hasenfüßigkeit“ aufzugeben, die der Stadtrat zu oft – beispielsweise beim Projekt „CCW plus“ – an den Tag gelegt habe. Jetzt müsse man die einmalige Chance nutzen. Und Willi Dürrnagel begrüßte den Umbau schon allein aus Denkmalschutzgründen.

Das letzte Wort hatte Finanzreferent Christian Schuchardt. Er erinnerte an die Prioritätenliste, die mit dem neuen Stadtteil Hubland und der eigentlichen Theatersanierung dicke Brocken enthalte. Da müsse der Stadtrat politische Schwerpunkte setzen. Wenn sich aber Würzburg in puncto Attraktivität noch weiterentwickeln wolle, dann sei Kultur ein wichtiges Thema – denn große gewerbliche Ansiedlungen seien nicht mehr zu erwarten. Mit Kultur könne man zudem auch unterschiedliche Generationen ansprechen.

Man gehe mit der Frankenhalle ein gewisses Risiko ein, räumte Schuchardt ein: „Im schlimmsten Fall müssen wir einen Teil des Zuschusses zurückzahlen“. Das sei aber immer noch billiger als ohne Förderung zu bauen. Sein Fazit: „Es spricht wirklich einiges für die Frankenhalle. Ich würde es wahrscheinlich wagen“.

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