WÜRZBURG

„Das Kino passt dort genau hin“

Abspann fürs Central? Das Programmkino in der Mozartschule soll mittelfristig aufs Bürgerbräu-Areal umziehen. Foto: Thomas Obermeier

Das Programmkino Central wird wohl seinen Namen verlieren. Denn mit dem geplanten Umzug von der alten Mozartschule aufs Bürgerbräu-Gelände an den Stadtrand ist die Umtaufe programmiert. Für David Herzog, Anwalt und Aufsichtsratsvorsitzender der gemeinnützigen Kinogenossenschaft, und Vorstandschefin Heidrun Podszus kein Problem. Beide sind überzeugt, die Erfolgsgeschichte des knapp zwei Jahre alten Genossenschaftskinos auch unter neuem Namen in der Zellerau fortsetzen zu können. Möglicherweise mit dem Ochsenfurter „Casablanca“ als Co-Betreiber im Boot.

Wegen des geplanten Einkaufszentrums auf dem städtischen Mozart-Areal ist ein langfristiger Verleib des ehrenamtlich betriebenen Central ungewiss. In der Frankfurter Straße soll das neue Kino wichtiger Mosaikstein im Kultur- und Kreativ-Zentrum werden, das Architekt Roland Breunig auf dem alten Brauereigelände schaffen will. Der Umbau soll im Frühsommer 2013 losgehen.

„Die häufigste Frage ist die von Besuchern: Wann wird der Film wiederholt?“

Central-Vorstandschefin Heidrun Podszus

Der Kino-Umzug ist indes noch nicht fix: Am 30. Oktober entscheiden die Besitzer des Central, die 480 Mitglieder der gemeinnützigen Kinogenossenschaft, ob Vorstand und Aufsichtsrat die Pläne weiterverfolgen sollen. Von diesen angetan ist der städtische Kulturreferent. „Es war immer unser Wunsch, das Bürgerbräu-Gelände für eine soziokulturelle Nutzung zu entwickeln. Das Kino passt dort genau hin, es kann sich räumlich erweitern und in Verbindung mit dem geplanten Konzept für Gastronomie und Veranstaltungen das Flair schaffen, das dieses Areal belebt“, sagt Muchtar Al Ghusain gegenüber der Main-Post.

Nein, man gehe nicht davon aus, sich mit dem Projekt Bürgerbräu-Areal zu verheben, bekunden Herzog und Podszus beim Pressetermin. „Die Voraussetzungen sind gut“, sagt Podszus und hofft im Umfeld von Ateliers und Gastronomie auf noch mehr Besucher als bislang in der Innenstadt. Im vergangenen Jahr kamen 38 000 Zuschauer ins Central – mit der Mozart-Aula als einzigem Kinosaal mit 150 Plätzen. Am neuen Standort kalkuliert man mit 50 000 bis 65 000 pro Jahr – in künftig drei Kinosäle mit insgesamt 225 Plätzen.

Im Central laufen wegen der Aktualität und der Vielfalt des Angebots die Filme nur eine Woche. „Die häufigste Frage ist die von Besuchern, die den Film nicht geschafft haben, wann er wiederholt wird“, berichtet Podzsus. Mit mehr Sälen könne man mehr Filme zeigen und auch länger laufen lassen.

Inwieweit die Central-Zuschauer auch zum neuen Standort kämen, kann noch keiner sagen. Die rund 70 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die den täglich laufenden Kinobetrieb stemmen, seien jedenfalls sehr angetan vom möglichen neuen Arbeitsort, berichtet Podszus. Weitere Vorteile: Das neue Kino wäre im Gegensatz zur Mozartschule barrierefrei und bekäme Zuwendungen von der Filmförderanstalt. Die gibt es im Augenblick nicht, weil der Mietvertrag für die Mozartschule jederzeit kündbar ist.

Die Investition am neuen Standort sind indes gewaltig: „Zwischen 300 000 und 500 000 Euro“ schätzt Herzog den Aufwand für die Einrichtung der drei Kinosäle in zwei Gewölbekellern. Das sei aber noch keine seriöse Kalkulation, man sei noch in der Planungs- und Sondierungsphase, müsse noch viele Details sowie die Mietbedingungen klären und habe bislang „nur“ eine Absichtserklärung beim Investor abgegeben. Finanziell sei das Central „recht gesund“, sagt Herzog. Selbst wenn alle Genossen ihre 600 Anteile zu je 100 Euro auf einen Schlag zurückfordern würden, hätte man noch etwas auf der Kante.

Fürs neue Kino erwägen die Central-Leute eine Betreibergesellschaft mit der Kinogenossenschaft und dem Ochsenfurter „Casablanca“. Dessen Co-Betreiber Hannes Tietze bestätigt dementsprechende Gespräche. Das sei ein „interessantes Projekt“, zumal man sich bei der Filmauswahl und Vorstellungsterminen schon jetzt mit dem Central abspreche. Für konkrete Aussagen sei es allerdings zu früh. Eine Konkurrenz fürs „Casablanca“, das voll und ganz erhalten bleiben soll, sieht Tietze nicht.

Dass Bürgerbräu-Areal-Investor Roland Breunig die Kinopläne begrüßt, überrascht nicht. Breunig, selbst einer der 480 Genossen des Central, hat schließlich den Anstoß dazu gegeben. „Das passt gut in unser Gesamtkonzept, beide Partner können profitieren.“ Alle Beteiligten betonen, dass das Kultur-Gelände mit Parkplätzen im Hof und Straßenbahn vor der Haustür gut erreichbar sei. Somit dürfte schon mal klar sein, dass das Programmkino künftig nicht Dezentral heißen wird.

Genossen-Trio: (von links) Aufsichtsratsvorsitzender David Herzog, Kinoleiterin Franziska Werbe, Vorstands- und Programm...
Investor und Kino-Genosse: Architekt Roland Breunig gab den Anstoß für den Programmkino-Umzug auf das Bürgerbräu-Areal i...

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