WÜRZBURG

Das Kuhhorn in der Neubaukirche

Lebhaften Beifall erntete der Monteverdichor Würzburg unter Matthias Beckert für die Aufführung von Edward Elgars „Die Apostel“ in der Neubaukirche. Zusammen mit der Jenaer Philharmonie ließ der 90-köpfige Chor das spätromantische Oratorium Klang werden, das der englische Katholik Elgar für das Birmingham Festival von 1903 schrieb.

Dem Monteverdichor gelang es mit rundem und plastischem Gesamtklang sowie mit klarer Stimmführung, die Musik- und Glaubenswelt des britischen Nationalkomponisten Edward Elgar anschaulich zu machen. Das Oratorium handelt anfangs von den Aposteln und wird dann zu einem persönlichen Blick des Komponisten auf das Leben Jesu (Elgar stellte den englischen Text selber aus der Bibel und anderen Quellen zusammen).

Ungewöhnlich ist an dem Stück, dass die Hauptpersonen nicht Jesus, Maria, Petrus und Johannes sind, sondern Maria Magdalena und Judas Ischariot. Elgar gestaltete diese beiden Figuren als relativ moderne Menschen, die angesichts ihrer Fehler vom schlechten Gewissen geplagt werden. Entsprechend haben die beiden Charaktere die anspruchsvollsten musikalischen Partien, die die Altistin Barbara Bräckelmann und der Bass Deng Chao mit viel Einfühlungsvermögen gestalteten.

Akustischer Glanz

Die Jenaer Philharmonie ließ die orientalischen Schlagzeug- und Bläsereffekte aufleuchten, die Elgar in die Musik eingebaut hat, um in die biblische Szenerie zu entführen. Die 30 Silberlinge, die Judas für den Verrat Jesu laut Bibel erhalten hat, glitzerten akustisch. Klanglich besonders spannend war das Schofar, das jüdische gottesdienstliche Signalmusikinstrument, das traditionell beispielsweise aus einem Widderhorn hergestellt wird. Für die Aufführung in der Neubaukirche wurde extra ein Schofar aus einem Kuhhorn angefertigt, das mit einem Zinkmundstück geblasen wurde (der Zink ist ein Blasinstrument aus dem Frühbarock). Das Schofar in der Neubaukirche klang klar und edel.

Ein Highlight unter den Gesangssolistinnen und -solisten war die Sopranistin Anna Nesyba als Maria und Erzengel Gabriel. Herrlich warm timbriert war der Bass Jens Hamann als Jesus. Der Bariton Johannes Weinhuber überzeugte als Petrus, während der durchaus gute Tenor Edward Lee (Johannes und Erzähler) mitunter etwa zu pressen schien.

Beckert dirigierte mit großer Übersicht und viel Sinn für so manches expressive und exotische Detail der Musik. Vor dem Bombast der Elgar-Partitur hatte er keine Scheu. Mit Wonne kosteten die hervorragenden Orchestermusiker den wuchtigen Triumphalismus dieser Musik aus.

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